Jahresbericht 2004 der Stiftung "Resozialisierungsfonds Dr. Traugott Bender"

Datum: 15.04.2005

Kurzbeschreibung: Goll: "Erneut beeindruckend positive Bilanz. Nicht rückfällige Täter sind noch immer der beste Opferschutz."

Jahresbericht 2004 der Stiftung „Resozialisierungsfonds Dr. Traugott Bender“

Goll: „Erneut beeindruckend positive Bilanz. Nicht rückfällige Täter sind noch immer der beste Opferschutz.“ 

„Der „Resozialisierungsfonds Dr. Traugott Bender kann für das Jahr 2004 erneut eine beeindruckend positive Bilanz seiner Tätigkeit ziehen“, teilte der baden-württembergische Justizminister Prof. Dr. Ulrich Goll (FDP) heute in Stuttgart mit. Die beim Justizministerium Baden-Württemberg angesiedelte Stiftung zur Resozialisierung von Straffälligen gewährte im vergangenen Jahr insgesamt 116 ehemaligen Straftätern aus Baden-Württemberg zinslose Darlehen in Höhe von rund 520.000 Euro. Die Darlehen wurden zur Schuldensanierung der ehemaligen Straffälligen verwendet. Damit konnten Forderungen von 615 Gläubigern reguliert werden.

Goll erläuterte bei der Vorstellung des Jahresberichts für das Jahr 2004 die sehr entscheidende Bedeutung der Stiftung mit Blick auf eine erfolgreiche Resozialisierung von Straftätern und den Schutz der Bevölkerung vor neuen Straftaten: „Die Erfahrung zeigt, dass ein schuldenfreier Neuanfang nach Verbüßen der Strafe die Chance der Wiedereingliederung in die Gesellschaft deutlich erhöht. Das Risiko einer erneuten Straffälligkeit wird durch die von der Stiftung gewährte Hilfe erheblich gemindert. Und Täter, die nicht mehr rückfällig werden, sind noch immer der beste Opferschutz.“
Goll hob hervor, dass gerade auch wegen des großen Engagements von haupt- und ehrenamtlichen Bewährungshelfern das Rückzahlungsverhalten der Darlehens-Empfänger im Allgemeinen gut sei. Für viele Straffällige sei es eine völlig neue Erfahrung, dass ihnen durch die Darlehensgewährung Vertrauen entgegengebracht werde. Der Vertrauensvorschuss führe dazu, dass der überwiegende Teil der Darlehensnehmer die vereinbarten Tilgungsraten pünktlich zahle und die Tilgung des Darlehens trotz geringer Einkommen Vorrang habe. Ernsthafte Schwierigkeiten bei der Tilgung würden meist dann auftreten, wenn der Arbeitsplatz verloren gehe. Dann müssten die Raten ermäßigt oder vorübergehend gestundet werden. Die Mehrzahl nutzte jedoch die Chance zu einem Neuanfang in wirtschaftlich geordneten Verhältnissen. Häufig gelinge es durch die Darlehen auch, den unschuldig in finanzielle Not geratenen Ehegatten und Kindern der Straffälligen zu helfen, die drohende Mittellosigkeit und die damit verbundenen sozialen Folgen abzuwenden, betonte der Minister.

Seit ihrem Bestehen hat die Stiftung „Resozialisierungsfonds Dr. Traugott Bender“ über 3.100 Darlehen mit einem Gesamtvolumen von über 19,3 Mio. Euro zur Schuldentilgung gewährt. Von dem ausgeliehenen Gesamtbetrag sind seither rund 16 Millionen Euro (entspricht 82,98 Prozent) wieder an die Stiftung zurückgeflossen. Mit Hilfe dieser finanziellen Mittel konnten Schulden von Straffälligen bei fast 18.000 Gläubigern mit einem Gesamtbetrag von über 80,2 Mio. Euro abgelöst werden.

Weitere Informationen sind im Internet unter www.resofonds-bw.de abrufbar.

Stefan Wirz
Pressesprecher

Für Rückfragen wenden sich Journalisten bitte an den Pressesprecher des Justizministeriums, Stefan Wirz, Tel. 0711-2792103 oder 0171-5587001, E-Mail: pressestelle@jum.bwl.de.

Infos:

Die seit 1975 bestehende Stiftung „Resozialisierungsfonds Dr. Traugott Bender“ gewährt Straffälligen im Rahmen individueller Sanierungskonzepte zinslose Darlehen, um ihnen einen schuldenfreien Neuanfang in geordneten wirtschaftlichen Verhältnissen und damit eine Wiedereingliederung in die Gesellschaft zu ermöglichen. Die Arbeit der Stiftung hilft, Rückfallkriminalität aus wirtschaftlicher Not zu vermeiden. Vor allem aber die Schmerzensgeldforderungen ihrer Opfer sollen ehemalige Straftäter durch die ihnen von der Stiftung gewährten Darlehen erfüllen können. Der Resozialisierungsfonds unterstützt hauptsächlich die Personen, denen angesichts ihrer hohen Verschuldung und ihres Lebenslaufes keine anderweitigen Möglichkeiten der Kreditaufnahme zur Schuldensanierung zur Verfügung stehen. Die Stiftung bemüht sich um einen Interessenausgleich zwischen dem Schuldner und den Gläubigern, führt mit den Gläubigern Vergleichsverhandlungen, schließt außergerichtliche Vergleiche und zahlt den Vergleichsbetrag direkt an den Gläubiger. Damit sind die Schulden des Täters getilgt und die Gläubiger befriedigt. Für den Gläubiger lohnt sich die Zusammenarbeit mit der Stiftung, weil etwaige erfolglose Beitreibungsversuche und die damit verbundenen Mehrkosten entfallen. Die Darlehen sind in monatlichen Raten innerhalb von fünf Jahren zurück zu zahlen. Für den laufenden Lebensbedarf nach der Entlassung aus der Haft (z.B. für Miete, Kleidung, Neuanschaffung von Möbeln) und für erst künftig entstehende Verbindlichkeiten (z.B. zur Gründung einer selbstständigen Existenz, Kosten für Führerscheinerwerb) werden Darlehen nicht gewährt.

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