Zweites juristisches Staatsexamen ´Frühjahr 2005´ erfolgreich abgeschlossen - die wenigsten Durchfaller seit 20 Jahren

Datum: 19.05.2005

Kurzbeschreibung: Goll: "Notenverbesserung nun auch im Zweiten juristischen Staatsexamen möglich"

„Von insgesamt 481 Kandidatinnen und Kandidaten haben 437 das Zweite juristische Staatsexamen im Frühjahr 2005 erfolgreich abgeschlossen. Zugleich wurde die niedrigste Durchfallquote seit mehr als 20 Jahren erzielt“, freute sich Justizminister Prof. Dr. Ulrich Goll (FDP) über das ausgezeichnete Abschneiden der Rechtsreferendarinnen und -referendare in Baden-Württemberg. Nur 44 Prüflinge (9,15 Prozent) haben das Examen nicht bestanden, davon sind zehn Teilnehmer zum wiederholten Mal und damit endgültig gescheitert (2,08 Prozent). Was das Bestehen des zweiten Examens anbelangt, ist das Jahr 1994 aber immer noch unangefochtene Spitze in Baden-Württemberg: Die sensationell niedrige Durchfallquote von 5,37 % in der Herbstprüfung1994 wurde seither nie mehr erreicht.

 Baden-Württemberg ist das einzige Bundesland, in dem die Kandidaten die insgesamt sieben jeweils fünfstündigen Klausuren im Zivil- Straf- und Öffentlichen Recht ausschließlich mit Hilfe der Gesetzestexte aber ohne juristische Kommentare bearbeiten. Die Note „sehr gut“ ist die absolute Ausnahme. Gute und voll befriedigende Examensergebnisse werden – wie auch in den meisten anderen Bundesländern – nur von wenigen Kandidatinnen und Kandidaten erreicht. „Erfreulicher Weise haben in diesem Examenstermin dennoch zehn Kandidatinnen und Kandidatinnen (2,08 %) ihr Examen mit der Note ´gut´ und 50  (10,4 %) mit der Note ´voll befriedigend´ bestanden. 194 Kandidatinnen und Kandidaten (40,4 %) schlossen die Prüfungen mit der Note ´ausreichend´ ab“, so Goll.

 Die frischgebackenen Volljuristen haben mit dem Bestehen des zweiten Examens die Befähigung zum Richteramt erworben oder können zum Beispiel den Anwaltsberuf ergreifen. „Dabei spielt mehr denn je gerade die Note des zweiten Staatsexamens eine entscheidende Rolle. Wer nicht mindestens ein ´kleines´ Prädikatsexamen (befriedigend) vorweisen kann, tut sich auf dem auch für Volljuristen eng gewordenen Arbeitsmarkt sehr schwer“, erläuterte der Justizminister. Viele Prüflinge verkrampften vor einer solchen Alles-oder-nichts-Situation. Im Hinblick darauf habe Goll einem dringenden Wunsch der Rechtsreferendare entsprochen und die bisher nur im Ersten juristischen Staatsexamen vorgesehene Möglichkeit der Notenverbesserung auch für das Zweite Examen eingeführt. So werden bereits die Teilnehmer des nächsten Examenstermins die Chance haben, ihr Zweites Staatsexamen zum Zweck der Notenverbesserung – dann im Examenstermin Herbst 2006 - zu wiederholen. „Auch wenn sie die Prüfungen schon im ersten Anlauf bestanden haben sollten, aber mit ihrer Note nicht zufrieden sind, können sie gegen eine kostendeckende Gebühr erneut antreten und sich verbessern“, so Goll.

 Stefan Wirz
Pressesprecher

Infos:

Die Juristenausbildung ist in der baden-württembergischen JAPrO umfassend geregelt (aufrufbar unter www.justiz-bw.de /Justizprüfungsamt).

Die beiden juristischen Examina setzen sich jeweils aus schriftlichen und mündlichen Elementen zusammen. Der Examensstoff umfasst alle seit dem ersten Semester erlernten Rechtsgebiete. Als Hilfsmittel sind nur die Deutschen Gesetzestexte zugelassen. Für jede Klausur steht den Prüflingen fünf Stunden Bearbeitungszeit zur Verfügung. Die Klausuren werden vom Justizprüfungsamt Baden-Württemberg zentral vorgegeben.

Nach dem Ersten Staatsexamen ist ein zweijähriges Referendariat mit Stationen bei den Gerichten, Staatsanwaltschaften, Verwaltungsbehörden und Anwaltskanzleien zu absolvieren. Nach dieser praktisch orientierten Zeit endet die Ausbildung zum Volljuristen mit Bestehen des Zweiten juristischen Examens.

Die Studienanfänger haben neben einer Universitätsprüfung im schriftlichen Teil der staatlichen Pflichtfachpüfung (Erstes juristisches Staatsexamen) über eine Zeit von ca. zwei Wochen nacheinander insgesamt sechs Aufsichtsklausuren in den Gebieten Zivilrecht (3), Strafrecht (1) und Öffentliches Recht (2) zu schreiben. Im Zweiten juristischen Staatsexamen sind sieben Klausuren zu bewältigen (3/2/2).

Nach Korrektur der Klausuren und Bekanntgabe der Ergebnisse steht ca. sechs Monate später die mündliche Prüfung an. Die Prüfer befragen den Prüfling etwa 30 Minuten lang zu den Rechtsgebieten Zivilrecht, Strafrecht, Öffentliches Recht (Zweites Examen: 40  Minuten). Im Zweiten Examen wird auch ein Wahlfach abgefragt; zudem muss ein Aktenvortrag gehalten werden. Regelmäßig werden vier (drei) Kandidaten gemeinsam geprüft.

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