Fachtagung in Bad Boll - "Leben Migranten in parallelen Welten?"

Datum: 09.06.2005

Kurzbeschreibung: Goll - "Fernbleiben vom Schwimm- und Sportunterricht nicht hinnehmbar"

Für eine verbindliche Kultur des Zusammenlebens sprach sich der Ausländerbeauftragte der Landesregierung, Justizminister Prof. Dr. Ulrich Goll (FDP), heute auf einer Tagung zum Thema "Parallelgesellschaften" in der Evangelischen Akademie Bad Boll aus.

„Unsere Gesellschaft steht auf einem bewährten demokratischen Fundament. Unser Rechtsstaat, die Grund- und Menschenrechte, die deutsche Sprache sowie die Trennung von Staat und Religion sind die tragenden Teile dieses Fundaments. Daran hat auch niemand zu rütteln, weder mit dem Hinweis auf andere kulturelle, religiöse oder gar traditionelle Überzeugungen“, betonte Goll. Jeder dürfe in Deutschland seine Kultur und Religion leben, solange er den für alle verbindlichen Rahmen nicht verlasse. „Maßstab sind dabei die hier in Deutschland geltenden Werte und Normen“, stellte Goll klar. Der Minister und Ausländerbeauftragte sieht diesen Wertekanon verletzt, wenn Imame in Moscheen Hass predigten, wenn vor allem Mädchen und junge Frauen gegen ihren Willen zwangsverheiratet oder weggesperrt würden, wenn in Moscheen die absolute Unterwerfung unter religiöse Dogmen gefordert werde und wenn islamische Verbände gegen unser Gesellschaftssystem handelten.

Ein besonderer Dorn im Auge ist Goll das Verhalten mancher Migranten-Eltern, die ihre Kinder in der Schule bewusst abschotteten: "Für mich ist es nicht hinnehmbar, wenn Eltern ihren Kindern verbieten, am Sport-, Schwimm- oder Biologieunterricht teilzunehmen. Ebenso wenig ist es akzeptabel, wenn Kinder nicht an Schulausflügen teilnehmen dürfen. Ein solcher durch die Eltern zwangsverordneter Rückzug ist weder kulturell noch religiös zu rechtfertigen, schadet der Integration der Kinder und führt zu deren Isolation.“

Der Minister mahnte: „Wir alle müssen viel aktiver und deutlicher eine Kultur des Zusammenlebens, unsere gemeinsame Identität und unseren Wertekanon vertreten, artikulieren und notfalls auch verteidigen. Dieses offene Aussprechen dessen, was unsere Identität ausmacht, hat nichts mit Fremdenfeindlichkeit, Assimilierung oder gar der Schaffung eines Über- und Unterverhältnisses zu tun. Im Gegenteil. Erst unser gemeinsamer Wertekanon als ´innere Hausordnung´ macht es möglich, dass Menschen unterschiedlicher Herkunft und Religion gleichberechtigt in einer demokratischen Gesellschaft zusammenleben können."


Stefan Wirz
Pressesprecher

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