Langjährige Leiterin des Kriminologischen Dienstes verabschiedet

Datum: 06.10.2005

Kurzbeschreibung: Steindorfner: "Der Name ´Dr. Dolde´ ist untrennbar mit dem Kriminologischen Dienst in Baden-Württemberg verbunden"

Die langjährige Leiterin des Kriminologischen Dienstes in Baden-Württemberg, Dr. Gabriele Dolde, wurde heute in Stuttgart durch den Amtschef des baden-württembergischen Justizministeriums, Ministerialdirektor Michael Steindorfner, in den Ruhestand verabschiedet. Nachfolger Doldes wird der Psychologe Dr. Joachim  Obergfell-Fuchs. Steindorfner hob das außerordentliche Engagement Doldes in allen Forschungsfeldern des Kriminologischen Dienstes hervor. Dolde habe dem Justizvollzug wertvolle Erkenntnisse vermittelt, die in die Gestaltung der praktischen Vollzugsarbeit eingeflossen seien. „Der Kriminologische Dienst in Baden-Württemberg stellt Dank Ihrer fachlichen Kompetenz sowie durch Unterstützung von Außen ein wichtiges Stück unserer Vollzugskultur dar. Er ist ein Qualitätsmerkmal unseres Strafvollzuges geworden“, so Steindorfner in seiner Laudatio.

Die mit einem renommierten Stuttgarter Rechtsanwalt verheiratete 61-jährige Dolde leitete seit 1. Mai 1986 den baden-württembergischen Kriminologischen Dienst. Nach dem Abitur im Jahre 1964 studierte Dolde Soziologie, Psychologie, Publizistik und Politische Wissenschaft an den Universitäten Heidelberg und Berlin. Im Juli 1970 erwarb sie das Diplom im Fachbereich Soziologie. Schon während ihres Studiums beschäftigte sie sich intensiv mit kriminologischen Fragestellungen und soziologischen Themen im Bereich des Strafvollzugs. Dolde war von 1970 bis 1978 als wissenschaftliche Assistentin am Institut für Kriminologie der Universität Tübingen beschäftigt. Dort sammelte sie umfangreiche Erfahrungen in der Kriminologischen Forschung. Im Oktober 1977 wurde ihr von der Eberhard-Karls-Universität Tübingen die Doktorwürde verliehen. Ihre Dissertation über das Thema „Sozialisationsprozess und kriminelle Karriere – eine empirische Analyse der sozioökonomischen und familialen Sozialisationsbedingungen männlicher Strafgefangener im Vergleich zur ‚Normal’-Bevölkerung“ legte sie mit „magna cum laude“ ab.

Der baden-württembergische Vollzug, so Steindorfner, konnte sich aufgrund der breiten Erfahrungen Doldes in der Kriminologischen Forschung und Lehre glücklich schätzen, sie zum 1. August 1978 als Mitarbeiterin im Kriminologischen Dienst zu gewinnen. Zum ersten bedeutenden Schwerpunkt entwickelte sich Doldes Tätigkeit auf dem Hohenasperg, wo sie die Arbeit der Sozialtherapeutischen Anstalt begleitete. Neben der Leitung des Kriminologischen Dienstes bei der Strafvollzugsschule Baden-Württemberg nahm Dolde seit Februar 1998 auch die Geschäfte der stellvertretenden Leitung der Justizvollzugsschule wahr. Dabei habe Dolde, so Steindorfner weiter, ihre Studien nicht von der Praxis abgehoben im stillen Kämmerlein durchgeführt sondern zur Gewinnung der Forschungsergebnisse die Vollzugspraxis intensiv eingebunden. Neben der Organisation und Gestaltung zahlreicher Fortbildungsveranstaltungen, der Leitung von Fachtagungen mit der Landeszentrale für politische Bildung und der Evangelischen Akademie Bad Boll zu aktuellen Themen informierte Dolde auch die Anstaltsleitungen und die Vollzugsabteilung regelmäßig über die neuesten Studien auf dem Gebiet des Strafvollzugs. „Mit zahlreichen Veröffentlichungen und Vorträgen haben Sie sich in der deutschen und internationalen Kriminologie einen Namen gemacht und den baden-württembergischen Justizvollzug hervorragenden vertreten“, lobte Steindorfner die Verdienste Doldes. Steindorfner freute sich, dass Dolde weiterhin als gefragte Referentin an der Justizvollzugsschule und im Bereich der Fortbildung zur Verfügung stehe.

Mit Oberfell-Fuchs tritt ein ehemaliger wissenschaftlicher Mitarbeiter der Kriminologischen Forschungsstelle des Max-Planck-Instituts für ausländisches und internationales Strafrecht in Freiburg die Nachfolge Doldes an. Obergfell-Fuchs leitete zuletzt Lehrveranstaltungen am Psychologischen Institut der Universität Freiburg sowie an der Evangelischen Fachhochschule und der baden-württembergischen Polizeiakademie in Freiburg.




Hauptaufgabe des Kriminologischen Dienstes ist die wissenschaftliche Begleitforschung als "permanente Evaluation" des Strafvollzugs, einschließlich der Sozialtherapie, des Vollzugs der Jugendstrafe und der Untersuchungshaft.

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