Bundesweit einzigartiges Projekt bietet kriminellen Jugendlichen Hilfe beim Ausstieg aus krimineller Karriere

Datum: 07.11.2005

Kurzbeschreibung: Arbeits- und Sozialminister Andreas Renner und Justizminister Prof. Dr. Ulrich Goll: "Jugendlichen Straftätern eine Chance geben, wieder Tritt zu fassen, ist die beste Prävention"

In einem bundesweit bisher einzigartigen Projekt bekommen Jugendliche, die aus ihrer kriminellen Karriere aussteigen wollen, jetzt Unterstützung: Mit Mitteln aus dem Europäischen Sozialfond wird in Wiesloch ein Projekt umgesetzt, das zum Ziel hat, straffällig gewordene Jugendliche in den Arbeits- und Ausbildungsmarkt zu integrieren. So soll eine weitere kriminelle Karriere verhindert werden. Darüber hinaus sollen die Jugendlichen die begangenen Taten aufarbeiten und soziales Verhalten erlernen. Das Projekt ist entstanden in enger Zusammenarbeit zwischen dem Ministerium für Arbeit und Soziales, dem Justizministerium, der Jugendarrestanstalt Wiesloch und dem Berufsfortbildungswerk des DGB.

„Wer in jungen Jahren straffällig wird, läuft nach Verbüßen eines Arrests nicht selten  Gefahr, den Anschluss an ein geregeltes Leben zu verlieren. Der Schritt in eine fortgesetzte kriminelle Karriere ist da oft nicht mehr weit. Gerade diese rückfallgefährdeten Jugendlichen bekommen mit dem Kurs für Aussteiger/innen die Chance, wieder Tritt zu fassen. Ein geregelter Alltag ist dabei der erste Weg zur Besserung und hilft, die nächste Straftat zu vermeiden“, sagten Arbeits- und Sozialminister Andreas Renner und Justizminister Prof. Dr. Ulrich Goll heute in Stuttgart.

Die berufliche und soziale Ausgangslage der Jugendlichen, die in Wiesloch im Arrest sitzen, sei erschreckend, erklärte Justizminister Goll: Nach einer aktuellen Befragung der Jugendlichen verfüge von den über 16 Jährigen knapp ein Fünftel über keinen Hauptschulabschluss. Fast die Hälfte habe vor Antreten des Arrests weder eine Schule besucht, noch eine Beschäftigung gehabt. Mehr als die Hälfte habe Drogen konsumiert, so Goll. Diese Jugendlichen würden zeitnah, also direkt nach ihrem Arrest in das Programm aufgenommen. „Nur so kann es uns gelingen, das Rückfallrisiko nach dem Arrest zu minimieren. Das ist unser großes Ziel, denn davon profitieren wir alle letztlich am meisten“, sagte der Justizminister.

Sozialminister Renner betonte die Bedeutung eines maßgeschneiderten Konzepts für die Aussteiger/innen: „Wir geben in dem Kurs den Jugendlichen das Gefühl, auch auf legalem Weg etwas zu leisten, auch auf legalem Weg anerkannt zu werden. Ein solches Selbstbewusstsein spielt eine wichtige Rolle für einen erfolgreichen Ausstieg“, sagte Renner. Der Kurs gehe gezielt auf die spezielle berufliche und soziale Situation der Straffälligen ein. Die Jugendlichen erlernten nicht nur die Grundlagen gesellschaftlichen Zusammenlebens. Sie erhielten auch Unterricht und Praxisstunden in Werkstätten, sie absolvierten Praktika in Betrieben. „So bereiten sie sich auf eine Ausbildung oder eine Arbeitsstelle vor“, erläuterte Renner weiter. Falls nötig könnten die Jugendlichen den Hauptschulabschluss nachholen. Damit sie die Probezeit erfolgreich meistern, werden sie nach Vermittlung in Arbeit oder Ausbildung sozialpädagogisch betreut.



weitere Informationen für die Redaktion

- Das Projekt „Kurs für Aussteiger/innen – berufliche und soziale Integration von Jugendlichen nach ihrer Arrestzeit in der Jugendarrestanstalt Wiesloch“

wird umgesetzt vom Berufsfortbildungswerk des DGB in Heidelberg. Mitarbeiter des Werks haben den Kurs mit Unterstützung des Justizministeriums und des Vereins Jugendhilfswerk konzipiert. Er wird durch Mittel des Europäischen Sozialfonds, die das Sozialministerium vergibt, gefördert. In das Projekt können jedes Jahr 40 Jugendliche aufgenommen und begleitet werden.

Nähere Informationen zu dem Projekt beim Berufsfortbildungswerk, Regionalbüro Süd, Karl Viktor Gärtner, gaertner@bfw.eu.com oder bei der Projektleiterin Ulrike Blümlinger-Ritter, Telefon 06221/38 05 67.
 

- Was ist Jugendarrest?

Nach dem Jugendgerichtsgesetz (JGG) können als Folgen einer Jugendstraftat je nach dem Schweregrad der Verfehlung Erziehungsmaßregeln und Zuchtmittel angeordnet oder Jugendstrafe verhängt werden.

Zu den Zuchtmitteln gehören die Verwarnung, bestimmte Auflagen, das Fahrverbot und der Jugendarrest, der in Jugendarrestanstalten vollzogen wird. Dabei handelt es sich um eine kurze Intervention von zwei Tagen bis höchstens vier Wochen. Der Jugendarrest soll den Jugendlichen zur Auseinandersetzung mit sich selbst veranlassen und Hilfen zur Bewältigung von deliktförderlichen Umständen leisten. Deshalb wird der Jugendarrest erzieherisch gestaltet.

In Baden-Württemberg wird der Jugendarrest in den drei eigenständigen Anstalten Göppingen, Müllheim und Wiesloch vollzogen. Zur Behandlung gehören insbesondere sozialpädagogische und arbeitstherapeutische Maßnahmen. Die Jugendarrestanstalten verfügen insgesamt über 71 Plätze (davon 13 für weibliche Jugendliche). Jährlich werden etwa landesweit 2000 Jugendliche in die Jugendarrestanstalten eingewiesen.

Fußleiste