Kaum weniger Strafgefangene als im Vorjahr

Datum: 13.11.2005

Kurzbeschreibung: Goll: "Keine nachhaltige Entspannung bei der Gesamtbelegung"

Die Gesamtzahl der Strafgefangenen in Baden-Württemberg ist gegenüber dem Vorjahr von 6.347 auf 6.262 leicht gesunken. Davon befanden sich zum Stichtag 31. März 2005 insgesamt 58 Personen (knapp ein Prozent) in Sicherungsverwahrung und 1.010 Inhaftierte (16,1 Prozent) im offenen Vollzug. Zusammen mit den von der jährlichen Strafvollzugsstatistik nicht erfassten Untersuchungsgefangenen lag die Gesamtbelegung der insgesamt 8.503 zur Verfügung stehenden Haftplätze zum 31. Oktober 2005 bei 8.620 Gefangenen, teilte Justizminister Prof. Dr. Ulrich Goll (FDP) heute in Stuttgart mit.

Der Minister bemerkte dazu: „Von einer nachhaltigen Entspannung der Situation kann angesichts dieser Zahlen noch nicht gesprochen werden. Um den Haftplatzbedarf für Baden-Württemberg auch in Zukunft hinreichend zu decken, sind wir vor allem auf die in Offenburg bis 2009 entstehende neue Justizvollzugsanstalt angewiesen. Allerdings nehme ich auch mit einer gewissen Erleichterung zur Kenntnis, dass sich die seit Jahren hohe Belegungszahl nicht noch weiter verschärft hat.“

Laut Statistik sind die meisten Strafgefangenen zwischen 25 und 40 Jahre alt (2.952 Personen). Ihnen folgt die Altersgruppe der über 40-Jährigen (1979 Personen) und die der 21- bis 25-Jährigen (830 Personen). 418 Gefangene gehören zur Gruppe der Heranwachsenden, das sind die 18- bis 21-Jährigen. Mit 83 Strafgefangenen ist die Anzahl der jüngsten Personengruppe, nämlich der Jugendlichen (14- bis 18-Jährige), vergleichsweise gering.

Eine lebenslängliche Freiheitsstrafe verbüßten im Land zum Stichtag insgesamt 248 Straftäter (vier Prozent), ein Anstieg um 9,3 Prozent. Mit 59 Prozent wurde der überwiegende Teil der Strafgefangenen zu einer Langzeitstrafe, also Strafen zwischen einem Jahr und 15 Jahren, verurteilt. Kurzstrafen bis zu einem Jahr verbüßten rund 36 Prozent der Gefangenen.

Fast jeder fünfte Strafgefangene (18,8 Prozent) saß im Gefängnis, weil er gegen das Betäubungsmittelgesetz verstoßen hat. Fast ebenso häufig (17,3 Prozent) sind Diebstahl oder Unterschlagung die Ursache des Freiheitsentzugs gewesen. Unter den Strafgefangenen befanden sich außerdem 11,1 Prozent Räuber oder wegen Erpressung Verurteilter. 10,4 Prozent waren Betrüger oder haben sich wegen Untreue strafbar gemacht. Eine Körperverletzung haben 9,7 Prozent der Gefangenen begangen. Wegen Straftaten gegen das Leben wurden 9,1 Prozent der Inhaftierten für schuldig befunden. 8,1 Prozent der Gefangenen haben eine Straftat gegen die sexuelle Selbstbestimmung begangen. Hier lag zugleich der prozentual höchste Anstieg im Vergleich zum Vorjahr (+ 8,1 %).

Der Anteil der nicht vorbestraften Häftlinge ist im Vergleich zum Vorjahr um nur 0,8 Prozentpunkte gestiegen und beträgt nunmehr 31,3 Prozent der Strafgefangenen. Hingegen sitzen 2.088 Gefangene nicht zum ersten Mal in Strafhaft sondern hatten zuvor bereits Bekanntschaft mit dem Strafvollzug gemacht. Dabei landeten – wie in den vorangegangenen Jahren auch – etwa ein Drittel der wieder inhaftierten Gefangenen binnen eines Jahres nach ihrer letzten Entlassung erneut im Strafvollzug




Erläuterungen

Strafgefangene sind Personen, die rechtskräftig zu einer Freiheitsstrafe verurteilt wurden.

Von Ihnen zu unterscheiden sind die Untersuchungsgefangenen, gegen die zwar der dringende Verdacht einer Straftat besteht, deren Schuld in einem Strafverfahren aber erst noch beweisen werden muss bzw. deren Urteil noch nicht rechtskräftig ist.

Sicherungsverwahrte sind Personen, die wegen ihrer Gefährlichkeit für die Allgemeinheit auch nach Verbüßen der Freiheitsstrafe in Haft bleiben müssen.

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