Rund 60 neue ehrenamtliche Bewährungshelfer aufgenommen

Datum: 23.11.2005

Kurzbeschreibung: Goll: "Ehrenamt im reinsten Sinne?"

Rund 60 neue ehrenamtliche Bewährungshelferinnen und -helfer wurden heute in Stuttgart im Beisein von Justizminister Prof. Dr. Ulrich Goll (FDP) zur gewissenhaften Erfüllung ihrer Aufgaben verpflichtet. Damit können die hauptamtlichen Bewährungshelfer laut Goll „früher als selbst Optimisten dies erwartet hätten“, bei ihrer Arbeit mit der Unterstützung von Freiwilligen rechnen.

Zum 1. Januar 2005 sind die Aufgaben der Bewährungs- und Gerichtshilfe in den Landgerichtsbezirken Stuttgart und Tübingen sowie im Amtsgerichtsbezirk Stuttgart einem freien Träger übertragen worden. Den Zuschlag für die Durchführung des zweijährigen bundesweit einmaligen Pilotprojekts hatte das Justizministerium dem österreichischen Verein NEUSTART erteilt. Nach Ablauf der Pilotphase zum 1. Januar 2007 beabsichtigt das Justizministerium die flächendeckende Umsetzung des Konzepts in ganz Baden-Württemberg.

Justizminister Goll sprach Georg Zwinger, dem Projektleiter von NEUSTART Baden-Württemberg, seinen Respekt aus. Zwinger habe es nicht dem Zufall überlassen, wie sich die Sache entwickle. Er habe hochprofessionelle Öffentlichkeitsarbeit betrieben, deren Erfolg nun zu bestaunen sei. „Alle Skeptiker, die uns bei der Konzeption der Pilotphase entgegen hielten, dass unser Plan, mit ehrenamtlichen Bewährungshelfern zu arbeiten, nicht aufgehen werde, wurden schon jetzt deutlich widerlegt“, sagte der Minister. Dabei stelle NEUSTART - zu Recht - sehr hohe Anforderungen an die Bewerber. Verlangt werden neben einer stabilen, belastbaren Persönlichkeit eine ausgeprägte soziale Kompetenz. Ein ehrenamtlicher Bewährungshelfer müsse die Fähigkeit haben, mit Menschen unterschiedlichster Herkunft und Bildung zu kommunizieren und ein aufrichtig uneigennütziges mitmenschliches Engagement mitbringen. „Sie alle, die heute für ihr Ehrenamt förmlich verpflichtet worden sind, erfüllen diese Voraussetzungen“, lobte Goll und betonte: „Obwohl Sie ganz sicher viel Geduld und Geschick in Ihre neue Aufgabe werden investieren müssen, haben Sie finanziell dabei nicht mehr als den Ersatz für Ihre Auslagen zu erwarten. Es handelt sich bei Ihrer Tätigkeit wahrlich um Ehrenamt im reinsten Sinne. Diesen Einsatz finde ich bewundernswert, denn er ist alles andere als selbstverständlich. Ihr Engagement zeigt eindrucksvoll, dass es trotz aller Unkenrufe doch noch einen großen Zusammenhalt in unserer bürgerlichen Gesellschaft gibt“, freute sich der Minister. Goll stellte dabei klar, dass es nicht darum gehe, auf Kosten der Bürger staatliche Ausgaben einzusparen. Vielmehr sei mit der ehrenamtlichen Hilfe die Hoffnung verbunden, dass die unter Bewährung stehenden Straftäter an den vielfältigen praktischen Lebenserfahrungen ihrer freiwilligen Bewährungshelfer teilhaben. Dass die Ehrenamtlichen völlig unterschiedliche private und berufliche Sphären einbrächten, bereichere die justiznahe Sozialarbeit.

Ein weiterer gewünschter Effekt sei die Entlastung der hauptamtlichen Bewährungshelferinnen und -helfer . Durch den Einsatz der Ehrenamtlichen könnten sich die hauptamtlichen Kräfte auf die besonders schwierigen Fälle konzentrieren. Goll: „Es ist klar, dass auch weiterhin bei einer großen Zahl von Probanden professionelle Sozialarbeit in der Bewährungshilfe notwendig bleibt. Manch einer bedarf einer Betreuungsintensität, die von Ehrenamtlichen nicht geleistet werden kann. Für diese schwierigen Fälle ist eine durch besondere Ausbildung erworbene Kompetenz erforderlich.“

Der Minister dankte zudem den Behördenleitern der Pilotgerichtsbezirke, dem Stuttgarter Landgerichtspräsidenten Dr. Peter Sontag, dem Stuttgarter Amtsgerichtspräsidenten Helmut Borth und dem Tübinger Landgerichtsvizepräsidenten Dr. Hansjörg Lohrmann für ihre Pionierarbeit. „Beim rasanten Aufbau der ehrenamtlichen Bewährungshilfe mit echter Fallverantwortung haben Sie pragmatische Kreativität bewiesen und tragfähige Lösungen für zuvor noch nie gestellte Fragen gefunden. Es zeigt sich schon heute, dass sich der Mut, ein solches Projekt anzugehen, gelohnt hat“ resümierte Goll. Der Minister lud schließlich alle, die bei der Bewährungshilfe in freier Trägerschaft noch skeptisch am Rande stünden, ein, sich ebenfalls auf den neuen Weg einzulassen.


Info:

Um bei NEUSTART als ehrenamtlicher Bewährungshelfer mitarbeiten zu können, muss man mindestens 25 Jahre alt oder über eine abgeschlossene Berufsausbildung im sozialen oder psychologischen Bereich verfügen. Die Bewährungshelferinnen und Bewährungshelfer unterstützen die auf Bewährung entlassenen Straftäter bei der eigenverantwortlichen Bewältigung persönlicher und sozialer Probleme, stärken sie bei ihrer aktiven Auseinandersetzung mit der Straftat und den Folgen für die Opfer und unterstützen sie bei der Erfüllung der gerichtlichen Auflagen. Sie informieren außerdem das Gericht über den Verlauf der Bewährung und die Erfüllung von Auflagen. Dabei ist neben der konkreten Beratung eine belastbare, tragfähige Beziehung zu den Klienten wesentliches Element für ein Gelingen der Betreuung und eine erfolgreiche Wiedereingliederung in die Gesellschaft.

Interessierte können sich an

   NEUSTART, Alexanderstraße 93, 70182 Stuttgart, Telefon 0711 2123735,
   stuttgart@neustart.org

oder

   NEUSTART, Mauerstraße 48, 72764 Reutlingen, Telefon: 07121 37320,
   tuebingen@neustart.org.

wenden.

Weitere Informationen über NEUSTART Baden-Württemberg erhalten Sie unter:
www.neustart.org/ueber_neustart_baden-wuerttemberg.php .

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