Wechsel an der Spitze der Freiburger Justiz

Datum: 25.01.2006

Kurzbeschreibung: Das Landgericht und das Amtsgericht in Freiburg stehen unter neuer Führung. Justizminister Prof. Dr. Ulrich Goll (FDP) verabschiedete heute die langjährige Präsidentin des Landgerichts Freiburg, Sigrid Brugger, in den gesetzlichen Ruhestand. Ihr Nachfolger wird der bisherige Amtsgerichtspräsident Jochen Teigeler. Neuer Amtsgerichtspräsident wird der bisherige Vizepräsident des Landgerichts, Dr. Thomas Kummle.

Das Landgericht und das Amtsgericht in Freiburg stehen unter neuer Führung. Justizminister Prof. Dr. Ulrich Goll (FDP) verabschiedete heute die langjährige Präsidentin des Landgerichts Freiburg, Sigrid Brugger, in den gesetzlichen Ruhestand. Ihr Nachfolger wird der bisherige Amtsgerichtspräsident Jochen Teigeler. Neuer Amtsgerichtspräsident wird der bisherige Vizepräsident des Landgerichts, Dr. Thomas Kummle.

Sigrid Brugger im Ruhestand
Goll nannte Brugger in seiner Laudatio im historischen Kaufhaus in Freiburg eine Richterin, die sich in vorbildlicher Weise auf ihre Arbeit konzentriert habe. „Sie übte konsequent und nachhaltig ihre Leitungsfunktionen bei Gericht aus, ohne selbst viel Aufhebens um ihre herausgehobene Position zu machen“, so Goll über die scheidende Präsidentin. Die aus Marburg stammende verheiratete Juristin begann ihre Laufbahn am Amtsgericht Heidelberg. Dabei, so Goll, habe sie alle Funktionen, die es in der badischen Justiz gibt, mit Bravour ausgefüllt. Auf diesen herausgehobenen Positionen stand Brugger in einer damals noch von Männern dominierten Umgebung ihre Frau, stets mit viel Charme, wo nötig aber auch mit Autorität. Brugger war als Richterin in allen Instanzen des Landes tätig, sie wirkte als Notarin und arbeitete als Dezernentin und später als Abteilungsleiterin bei der Staatsanwaltschaft. Schließlich übertrug man ihr Leitungsfunktionen beim Amtsgericht und seit September 1999 beim Landgericht Freiburg.

Jochen Teigeler neuer Landgerichtspräsident
Mit dem 60-jährigen Jochen Teigeler übernimmt ein überaus erfahrener Jurist das Ruder beim Landgericht Freiburg. Als ehemaliger Vizepräsident des Landgerichts und jetziger Präsident des Amtsgerichts Freiburg werde Teigeler die Tradition einer ebenso kollegialen wie kraftvollen Führung des Freiburger Landgerichts fortsetzen, war sich der Justizminister sicher. Teigeler stammt aus Bad Salzuflen (NRW). Er begann seine Laufbahn beim Amtsgericht Lörrach und der Staatsanwaltschaft Freiburg. Als wohl bis heute jüngster Staatsanwalt wurde er 1978 an die Generalstaatanwaltschaft in Karlsruhe abgeordnet. „Eigentlich hätte Ihnen eine Turbokarriere als Staatsanwalt offen gestanden“, bemerkte Goll. Doch Teigeler entschied sich für die Rückkehr zu Gericht. Dort folgten Stationen am Amts- und Landgericht Freiburg. Seine herausragende richterliche Begabung, seine hohe Fachlichkeit und seine ausgeglichene und ausgleichende Persönlichkeit waren der Grund, dass er ab 1984 für drei Jahre vom Justizministerium an den Bundesgerichtshof in Karlsruhe abgeordnet wurde. Auch dort verdiente sich Teigeler höchstes Lob. Folgerichtig wurde er zum Richter am Oberlandesgericht Karlsruhe befördert. Schon bald konnte Teigeler seine Führungsstärke im Umgang mit Menschen unter Beweis stellen. 1994 wurde er Vizepräsident des Landgerichts Freiburg und im März 2000 zum Präsident des Amtsgerichts Freiburg ernannt. Die kürzlich erfolgte Wahl Teigelers zum Vorsitzenden des Präsidialrats der Ordentlichen Gerichtsbarkeit belegt die große Wertschätzung, derer sich der neue Landgerichtspräsident auch im Kollegenkreis erfreut.„Ich behaupte, dass nur eine Behörde den Aufstieg Teigelers zum Landgerichtspräsidenten überhaupt nicht erfreulich findet, nämlich das Amtsgericht Freiburg, das er verlässt“, sagte der Justizminister.

Dr. Thomas Kummle neuer Amtsgerichtspräsident
Goll zeigte sich jedoch überzeugt, dass mit Dr. Thomas Kummle ein Nachfolger gefunden worden sei, der ähnlich gute Anlagen wie die beiden herausragenden Vorgänger zeige. Kummle bringe eines mit, das ihn gegenüber seinen Amtsvorgängern bereits jetzt heraushebe. Als in Wehr geborener Südbadener beherrsche der neue Amtsgerichtspräsident die regionale Amtssprache, verriet der Minister. Der 51-jährige Kummle begann seine Laufbahn in seinem Heimatbezirk Waldshut-Tiengen und war zunächst an verschiedenen Amtsgerichten, dem Landgericht und der örtlichen Staatsanwaltschaft tätig. 1992 ließ er sich für fast eineinhalb Jahren an das Staatsministerium der Justiz in Dresden abordnen, um nach der Wiedervereinigung Aufbauarbeit zu leisten. Als persönlicher Referent des sächsischen Justizministers wirkte er an sehr herausgehobener Stelle. Kummle baute auch die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit im Dresdner Ministerium praktisch von Null auf. Schließlich wurde ihm auch die Kabinettsarbeit und kurz darauf die Leitung des gesamten Ministerbüros übertragen. Nur ungern ließ man den verheirateten dreifachen Familienvater wieder zurück in seine Heimat ziehen. Goll zitierte aus einer früheren Beurteilung, die eine Wesensart Kummles in besonders gelungener Weise charakterisiere: „Er kann auch durch Zuhören überzeugen“, hieß es schon damals. Kummle sei kein Mann der Show, sondern ein Mensch, der hinschaue. „Neben Ihrer fachlichen Kompetenz befähigt sie vor allem dieses ehrliche Ernstnehmen als Richter aber auch als Führungskraft“, so Goll.

Goll dankte Brugger für ihre außergewöhnliche Lebensleistung im Dienste der baden-württembergischen Landesjustiz und wünschte den neuen Präsidenten für die Bewältigung ihres neuen Verantwortungsbereichs eine weiterhin glückliche Hand. „Die Freiburger Justiz ist auch mit diesem Amtswechsel wieder in besten Händen und wird das bleiben, was sie immer schon war: Ein beeindruckendes Schaufenster der Justiz in Baden-Württemberg.“



Info:
Am Landgericht Freiburg sind 125 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, davon 43 Richterinnen und Richter, beschäftigt. Zum Landgerichtsbezirk Freiburg gehören die Amtsgerichte Breisach am Rhein, Emmendingen, Ettenheim, Freiburg, Kenzingen, Lörrach, Müllheim, Staufen im Breisgau, Titisee-Neustadt und Waldkirch.

Am Amtsgericht Freiburg, einem von fünf so genannten Präsidialgerichten in Baden-Württemberg (weitere Amtsgerichte als Präsidialgerichte gibt es nur noch in Heilbronn, Karlsruhe, Mannheim und Stuttgart), arbeiten 176 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, davon 34 Richterinnen und Richter.

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