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Jahresbericht 2005 der Stiftung "Resozialisierungsfonds Dr. Traugott Bender" - Goll: "Gute Resozialisierungsarbeit ist der beste Opferschutz. Von den Darlehen der Stiftung profitieren alle."

Datum: 18.04.2006

Kurzbeschreibung: "Auch im vergangenen Jahr half der ´Resozialisierungsfonds Dr. Traugott Bender´ entlassenen Straftätern aus Baden-Württemberg wieder in beeindruckender Weise bei der Schuldenregulierung. Mit jeder Gewährung von zinslosen Darlehen für ehemalige Häftlinge zur Schuldentilgung erhöht sich auch die Chance auf eine erfolgreiche Wiedereingliederung in die Gesellschaft nach der Haft", sagte Baden-Württembergs Justizminister Prof. Dr. Ulrich Goll (FDP) heute in Stuttgart.

Die beim Justizministerium Baden-Württemberg angesiedelte, nach dem ehemaligen Justizminister Dr. Traugott Bender (1972-1977) benannte Stiftung zur Resozialisierung von Straffälligen gewährt seit über 30 Jahren straffällig gewordenen Baden-Württembergern zinslose Darlehen, mit denen sie ihre Schulden tilgen können. Die Darlehen sind innerhalb von fünf Jahren zurückzuzahlen. Im Jahr 2005 hat die Stiftung 106 Darlehen mit einem Volumen von rund 510.000 Euro gewährt. Mit den Darlehen konnten Forderungen in Höhe von rund 3.28 Millionen Euro bei 555 Gläubigern auf dem Vergleichsweg reguliert werden. Das entspricht einer Sanierungsquote von 15,56 Prozent. „Damit erhalten die Gläubiger einen Teil des Geldes zurück, von dem sie ohne die Darlehen der Stiftung wohl keinen Cent mehr gesehen hätten. Von den Darlehen profitieren letztlich alle“, betonte Goll. Seit ihrem Bestehen hat die Stiftung „Resozialisierungsfonds Dr. Traugott Bender“ 3.247 Darlehen mit einem Gesamtvolumen von über 19,8 Millionen Euro zur Schuldentilgung gewährt. Von dem ausgeliehenen Gesamtbetrag sind seither rund 16,7 Millionen Euro (entspricht 84,23 Prozent) wieder an die Stiftung zurückgeflossen. Mit Hilfe dieser finanziellen Mittel konnten Schulden bei 18.520 Gläubigern mit einem Gesamtbetrag von über 83,5 Mio. Euro abgelöst werden.

Goll machte bei der Vorstellung des Jahresberichts für das Jahr 2005 den Zusammenhang deutlich zwischen erfolgreicher Resozialisierungsarbeit und dem Schutz der Bevölkerung vor neuen Straftaten: „Die Erfahrung zeigt, dass nach Verbüßen der Strafe gerade ein schuldenfreier Neuanfang die Chance der Wiedereingliederung in die Gesellschaft deutlich erhöht. Das Risiko erneut straffällig zu werden wird durch die von der Stiftung gewährte Hilfe erheblich gemindert. Den besten Opferschutz erreichen wir, wenn Täter nicht mehr rückfällig werden“, so Goll.

Der Minister betonte, dass die Stiftung „Resozialisierungsfonds Dr. Traugott Bender“ durch ihre beispielhafte und erfolgreiche Sanierungspraxis nicht nur in Baden-Württemberg, sondern bundesweit einen ausgezeichneten Ruf genieße. Durch das große Engagement von haupt- und ehrenamtlichen Bewährungshelfern sei das Rückzahlungsverhalten der Darlehens-Empfänger im Allgemeinen gut. Für viele Straffällige sei es eine völlig neue Erfahrung, dass ihnen durch die Darlehensgewährung Vertrauen entgegengebracht werde. Der Vertrauensvorschuss führe dazu, dass der überwiegende Teil der Darlehensnehmer die vereinbarten Tilgungsraten pünktlich zahle und die Tilgung des Darlehens trotz geringer Einkommen Vorrang habe. Ernsthafte Schwierigkeiten bei der Tilgung würden meist dann auftreten, wenn der Arbeitsplatz verloren gehe. Dann müssten die Raten ermäßigt oder vorübergehend gestundet werden. Die Mehrzahl nutzte jedoch die Chance zu einem Neuanfang in wirtschaftlich geordneten Verhältnissen. Häufig gelinge es durch die Darlehen auch, den unschuldig in finanzielle Not geratenen Ehegatten und Kindern der Straffälligen zu helfen, die drohende Mittellosigkeit und die damit verbundenen sozialen Folgen abzuwenden.

Weitere Informationen im Internet unter www.resofonds-bw.de.

Stefan Wirz
Pressesprecher


Infos:

Die 1974 gegründete Stiftung „Resozialisierungsfonds Dr. Traugott Bender“ gewährt Straffälligen im Rahmen individueller Sanierungskonzepte zinslose Darlehen, um ihnen einen schuldenfreien Neuanfang in geordneten wirtschaftlichen Verhältnissen und damit eine Wiedereingliederung in die Gesellschaft zu ermöglichen. Die Arbeit der Stiftung hilft, Rückfallkriminalität aus wirtschaftlicher Not zu vermeiden. Vor allem aber die Schmerzensgeldforderungen ihrer Opfer sollen ehemalige Straftäter durch die ihnen von der Stiftung gewährten Darlehen erfüllen können. Der Resozialisierungsfonds unterstützt hauptsächlich die Personen, denen angesichts ihrer hohen Verschuldung und ihres Lebenslaufes keine anderweitigen Möglichkeiten der Kreditaufnahme zur Schuldensanierung zur Verfügung stehen. Die Stiftung bemüht sich um einen Interessenausgleich zwischen dem Schuldner und den Gläubigern, führt mit den Gläubigern Vergleichsverhandlungen, schließt außergerichtliche Vergleiche und zahlt den Vergleichsbetrag direkt an den Gläubiger. Damit sind die Schulden des Täters getilgt und die Gläubiger befriedigt. Für den Gläubiger lohnt sich die Zusammenarbeit mit der Stiftung, weil etwaige erfolglose Beitreibungsversuche und die damit verbundenen Mehrkosten entfallen. Die Darlehen sind in monatlichen Raten innerhalb von fünf Jahren zurück zu zahlen. Für den laufenden Lebensbedarf nach der Entlassung aus der Haft (z.B. für Miete, Kleidung, Neuanschaffung von Möbeln) und für erst künftig entstehende Verbindlichkeiten (z.B. zur Gründung einer selbstständigen Existenz, Kosten für Führerscheinerwerb) werden Darlehen nicht gewährt.

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