Bildung im baden-württembergischen Justizvollzug 2005 - Goll:"Höchststand an staatlich anerkannten Bildungsabschlüssen erreicht"

Datum: 24.08.2006

Kurzbeschreibung: "Im baden-württembergischen Strafvollzug erfüllen wir auch die jüngsten Vorgaben des Bundesverfassungsgerichts problemlos. 2005 haben wir mit 619 erfolgreichen Abschlüssen den Höchststand an staatlich anerkannten Bildungsabschlüssen er-reicht", erklärte Justizminister Prof. Dr. Ulrich Goll (FDP) heute in Stuttgart.

Die Bildungsstatistik für den baden-württembergischen Justizvollzug für das Jahr 2005 belege einmal mehr, so Goll, dass in den Gefängnissen des Südwestens eine sehr erfolgreiche Bildungsarbeit geleistet werde. 2005 nahmen insgesamt 2.019 Gefangene an der schulischen und beruflichen Aus- und Fortbildung teil. 619 Gefangene erreichten einen staatlichen Schulabschluss. Das entspricht einer Steigerung zum Vorjahr von über zehn Prozent. 254 Gefangene schafften dabei den Hauptschulabschluss, 325 absolvierten die Berufsschule, 28 erreichten den Realschulabschluss und 12 Gefangene brachten es zur Fachhochschulreife oder dem Abitur bzw. zum Hoch- oder Fachhochschulabschluss. „Diese Gefangenen steigern damit ihre Chancen, nach der Haft in der Gesellschaft wieder Fuß zu fassen und nicht rückfällig zu werden“, betonte der Minister die Bedeutung der Bildung für Gefangene.

Das Bundesverfassungsgericht hatte in einem Urteil vom 31. Mai 2006 auf die Notwendigkeit einer gesetzlichen Regelung des Jugendstrafvollzugs und dabei insbesondere auf die Notwendigkeit der schulischen Bildung und der beruflichen Ausbildung junger Strafgefangener hingewiesen. Der Minister legte Wert auf die Feststellung, dass Schule, Unterricht, berufliche Ausbildung, soziales Training und Sport nicht erst seit diesem Urteil zu den verlässlichen und erfolgreichen Maßnahmen des baden-württembergischen Jugend- und Erwachsenenvollzugs gehörten sondern schon seit Jahren konsequent ausgebaut würden. Folgerichtig aber durchaus bemerkenswert sei nun die weitere Steigerung der staatlich anerkannten Bildungsabschlüsse in den baden-württembergischen Gefängnissen. „Dem von verschiedenen Bundesländern berichteten Trend einer nachlassenden Motivation der Gefangenen beim Erwerb von Schulabschlüssen konnten wir in Baden-Württemberg jedenfalls erfolgreich entgegensteuern“, sagte Goll und hob auch eine besondere Einzelleistung hervor. Zum ersten Mal sei ein Jugendlicher der Jugendstrafanstalt Adelsheim von der Hand-werkskammer Mannheim aufgrund seiner hervorragenden schulischen und beruflichen Leistungen für ein Stipendium des Begabtenförderungswerks Berufliche Bildung (SBB) vorgeschlagen worden. Das Stipendium sei mit einem Förderbetrag von 5.100 Euro verbunden.

Als weiteres Beispiel für die Qualität der schulischen und beruflichen Ausbildung im Jugendstrafvollzug nannte Goll die berufliche Ausbildung von acht „externen“ Jugendlichen in der Jugendstrafanstalt Adelsheim. Diese konnten in der Berufsschule und in den Lehrwerkstätten im Anstaltsbereich ihre Lehre zum Industrieelektroniker, Industriemechaniker und Schreiner erfolgreich abschließen.

„Auch wenn wir in Baden-Württemberg die Anforderungen des Bundesverfassungsgerichts an das neue Jugendstrafvollzugsgesetz im Bildungsbereich bereits erfüllen, heißt das nicht, dass wir nicht auch neue geeignete Berufe in unser Ausbildungsprogramm aufnehmen wollen“, kündigte Goll an. Geplant seien die Ausbildung zum Gebäudereiniger/in und Zweiradmechaniker/in. Auch das „e-Learning“ solle insbesondere auch für Gefangene mit Migrationshintergrund im Elementarbereich verstärkt ausgebaut und gezielt angeboten werden. „Deutschkenntnisse in Wort und Schrift sind nicht nur unter den Gefangenen leider immer noch keine Selbstverständlichkeit“, bedauerte der Minister.

Stefan Wirz
Pressesprecher


Hinweise:

Die Durchschnittsbelegung im baden-württembergischen Vollzug betrug im Jahr 2005 insgesamt 8.490 Untersuchungs- und Strafgefangene, davon befanden sich 7.493 im geschlossenen und 997 Gefangene im offenen Vollzug. Insgesamt stehen 8.513 Haftplätze zur Verfügung.

Baden-Württemberg verfügt über 18 Justizvollzugsanstalten mit 26 Außenstellen, drei Jugendarrestanstalten, ein Justizvollzugskrankenhaus mit Krankenpflegeschule, eine Sozialtherapeutische Anstalt mit Außenstelle sowie eine Justizvollzugsschule.

Weitere Informationen im Internet unter www.justiz-bw.de

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