Bundesverdienstkreuz für langjährigen Ellwanger Amtsgerichtsdirektor - Goll würdigt Renschlers Lebensleistung

Datum: 28.09.2006

Kurzbeschreibung: Anfang des Jahres trat der langjährige Direktor des Amtsgerichts Ellwangen, Joachim Renschler, in den Ruhestand. Heute überreichte ihm Baden-Württembergs Justizminister und stellvertretender Ministerpräsident Prof. Dr. Ulrich Goll (FDP) in Stuttgart das Bundesverdienstkreuz.

„Diese hohe Auszeichnung bringt die Wertschätzung Ihrer Lebensleistung augenfällig zum Ausdruck. Eine Lebensleistung, in deren Zentrum nicht nur die Justiz unseres Landes, sondern vor allem auch die Menschen, die Kultur und die Geschichte der Stadt und Region Ellwangen stehen“, würdigte Goll die Verdienste Renschlers. In allen seinen richterlichen Verwendungen habe Renschler durch sein hohes fachliches Können, sein Engagement und seine souveräne Persönlichkeit herausragenden Leistungen erbracht, so der Minister. Renschler habe sich durch seinen ruhigen und fairen Umgang mit den Mitarbeitern, der Anwaltschaft und dem rechtsuchenden Publikum sowie seinem vorbildlichen und aufopferungsvollen Einsatz überall hohes Ansehen erworben, das auch nach seiner Pensionierung unvermindert vorhanden sei.

Der 65-jährige gebürtige Mannheimer ist verheiratet und Vater zweier Kinder. Er studierte Jura in Heidelberg und absolvierte sein Referendariat in Mannheim. 1971 trat er in den höheren Justizdienst des Landes Baden-Württemberg ein. Zunächst war er beim Landgericht Ellwangen und in weiteren Stationen bei den Amtsgerichten Ellwangen und Crailsheim sowie der Staatsanwaltschaft Heilbronn tätig. Im Dezember 1985 erfolgte die Ernennung zum Richter am Oberlandesgericht. Dort wirkte er als Mitglied des 5. Strafsenats in Stuttgart erfolgreich am Terroristenprozess gegen Peter-Jürgen Boock mit. Als Vorsitzender Richter einer kleinen Strafkammer kehrte er im November 1987 an das Landgericht Ellwangen zurück. Renschler verhandelte unter anderem die Mutlangen-Berufungsverfahren, die den Landgerichtsbezirk Ellwangen damals in das Scheinwerferlicht der (Welt-) Öffentlichkeit brachten. „Diese nach und nach in Vergessenheit geratende und in ihrer Heftigkeit kaum mehr nachzufühlende Herausforderung wurde von der Justiz in Ellwangen und Schwäbisch Gmünd mit Sorgfalt, Gewissenhaftigkeit, Stehvermögen und ohne Anbiederung an den Zeitgeist bewältigt“, erinnerte der Justizminister an den damals erbittert ausgetragenen Meinungskampf nicht nur in der Gesellschaft sondern auch innerhalb der befassten Gerichtsinstanzen bis hin zum Bundesverfassungsgericht. Seit März 1994 bis zu seiner Pensionierung stand Renschler schließlich als Direktor an der Spitze des Amtsgerichts Ellwangen.

Trotz seines herausragenden beruflichen Engagements fand Renschler noch Zeit und Energie, sich vielfach und an herausgehobener Stelle für die Stadt und Region Ellwangen und ihre Menschen zu engagieren.

So setzte er sich als Vorsitzender des Ellwanger Vereins der Bewährungshilfe seit 1994 nachhaltig für die Resozialisierung von Straffälligen ein.

Als langjähriges Mitglied des evangelischen Kirchengemeinderats und als dessen Laienvorsitzender seit 1995 leistete er einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung der Ökumene und verstand es auch durch sein Ansehen, in der Kirchengemeinde herrschende Konflikte zu entschärfen.

Renschler ist zudem seit vielen Jahren Mitglied des Geschichts- und Altertumsvereins in Ellwangen und seit 1996 dessen Vorstand. Der Geschichts- und Altertumsverein mit seinen 700 Mitgliedern ist zugleich Trägerverein des Schlossmuseums in Ellwangen und für die Betreuung dieses Museums zuständig. In Führungen und Vorträgen erschloss Renschler einem breiten Publikum den geschichtlichen Reichtum der Stadt und des Umlands und verblüffte dabei immer wieder durch seine profunden Kenntnisse von Bau-, Kunst-, und Kirchengeschichte.

Als langjähriges Mitglied des Kulturvereins Stiftsbund Ellwangen, der sich zum Ziel gesetzt hat, das akademisch-kulturelle Leben im ländlichen Raum durch Vorträge, Musikaufführungen, Reisen und Besichtigungen zu fördern, initiierte Renschler zahlreiche anspruchsvolle kulturelle Aktivitäten des Vereins mit.

Goll nannte es in seiner Laudatio  „Freude und Ehre zugleich“, mit Renschler einem verdienten  Richter und engagierten Bürger des Landes das vom Bundespräsidenten verliehene Bundesverdienstkreuz überreichen zu können.

 

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