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Erstmals Frau an der Spitze einer Männer-Haftanstalt in Baden-Württemberg - Regina Grimm neue Leiterin der JVA Stuttgart - Langjähriger Anstaltsleiter Maximilian Schumacher von Justizminister Goll in Ruhestand verabschiedet

Datum: 11.12.2006

Kurzbeschreibung: Mit Regina Grimm wurde heute von Baden-Württembergs Justizminister Prof. Dr. Ulrich Goll (FDP) die erste weibliche Leiterin einer Männer-Haftanstalt in Baden-Württemberg in ihr Amt eingeführt. Sie ist in der JVA Stuttgart die neue Chefin von rund 300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und verantwortlich für rund 880 Gefangene. Zugleich verabschiedete der Minister den bisherigen langjährigen Anstaltsleiter Maximilian Schumacher in den gesetzlichen Ruhestand. Schumacher war über 15 Jahre lang Chef des im Stuttgarter Stadtteil "Stammheim" gelegenen Gefängnisses. Goll sprach Schumacher Dank und Anerkennung für sein langjähriges Wirken aus: "Mit Ihnen scheidet einer der erfahrensten und fachkundigsten Führungskräfte des baden-württembergischen Justizvollzugs aus dem aktiven Dienst. In hervorragender Weise haben Sie die zentralen Aufgaben des Strafvollzugs, die Wiedereingliederung der Gefangenen in die Gesellschaft und den Schutz der Allgemeinheit, bewältigt und dabei die Menschlichkeit nie vergessen", so Goll.

„Die Justiz braucht Frauen die sich trauen, anspruchsvolle Führungsaufgaben zu übernehmen. Die Justiz braucht Frauen wie Regina Grimm“, begrüßte der Justizminister die 56-jährige neue Anstaltsleiterin. „Sie werden die bevorstehenden Aufgaben hervorragend meistern“, war sich der Minister sicher. Als bisherige stellvertretende Leiterin der JVA Stuttgart bringe sie die wesentlichen Fähigkeiten mit: Zielstrebiges effizientes Arbeiten, Fachwissen, Fähigkeit zur Teamarbeit und eine hohe soziale Kompetenz im Umgang mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, erklärte Goll.

Regierungsdirektorin Grimm ist verheiratet und Mutter eines erwachsenen Sohnes. Nach erfolgreicher 2. juristischer Staatsprüfung im Juli 1977 sammelte die gebürtige Freiburgerin zunächst berufliche Erfahrungen in einer Rechtsanwaltskanzlei und in der Rechtsschutzabteilung einer Versicherung. Im April 1979 trat sie ihre erste Stelle im baden-württembergischen Justizdienst bei der JVA Schwäbisch Gmünd an. Nur ein halbes Jahr später wurde ihr dort die stellvertretende Leitung übertragen. Auf Bitte des Justizministeriums übernahm Grimm übergangsweise im Februar 1980 die stellvertretende Anstaltsleitung in der JVA Ulm. Zurück in der JVA Schwäbisch Gmünd hatte sie von 1981 bis 1984 weiterhin die stellvertretende Anstaltsleitung inne und wurde für ein Jahr von September 1984 bis August 1985 an die Staatsanwaltschaft Stuttgart abgeordnet. Nach diesem vorübergehenden „Ausflug“ in die allgemeine Justiz folgte in der JVA Ludwigsburg eine erste Phase der guten und fruchtbaren Zusammenarbeit zwischen Grimm und Schumacher in der Leitung einer Anstalt. Beide bewältigten 1990 gemeinsam den Umzug in die neugebaute JVA Heimsheim. Dort wurde Grimm im Juni 1998 zur stellvertretenden Anstaltsleiterin bestellt. Als dann zum 1. November 2000 die Stelle des stellvertretenden Anstaltsleiters der JVA Stuttgart frei wurde, folgte Grimm dem „Ruf Stuttgarts“ und arbeitete erneut mit Schumacher zusammen, der seit 1991 die JVA Stuttgart leitete. Heute tritt sie seine Nachfolge an.

Mit dem Leitendem Regierungsdirektor a.D. Maximilian Schumacher verabschiedet sich ein Anstaltsleiter in den gesetzlichen Ruhestand, der auf über 33 Berufsjahre im baden-württembergischen Justizvollzug zurückblicken kann. Schumacher studierte in seiner Geburtsstadt Freiburg Jura und absolvierte dort auch seine Referendarzeit am Landgericht. Er ist verheiratet und hat vier Kinder. Als junger Regierungsassessor trat er im September 1973 bereits bei der Justizvollzugsanstalt Stuttgart seine erste Stelle an. „Schumacher war ein echter Überzeugungstäter“, wusste Goll. Schon während des Studiums habe Schumacher sein Interesse an den Fragen des Strafvollzugs und der Resozialisierung straffällig gewordener Menschen entwickelt und Gesprächsabende für Gefangene in der JVA Freiburg veranstaltet. Er gründete 1969 unter der Trägerschaft des Freiburger Bezirksvereins der badischen Gefangenen- und Entlassenenfürsorge eine Anlaufstelle für entlassene Strafgefangene in Freiburg. 1971 wurde er in den Vorstand des Bezirksvereins für soziale Rechtspflege berufen. Nachdem er ein Richterjahr von 1975 bis 1976 in einer Strafkammer des Landgerichts Stuttgart absolviert hatte, kehrte er als zunächst stellvertretender Leiter der JVA Ludwigsburg zum Strafvollzug zurück. Bereits im Oktober 1977 wurde er dann als „Feuerwehrmann“ in der JVA Stuttgart gebraucht, wo im so genannten „Deutschen Herbst“ Mitglieder der RAF-Terroristen Suizid begangen hatten. „In dieser dramatischen Zeit war die JVA Stuttgart keine Justizvollzugsanstalt mehr wie andere“, erinnerte Goll. „Stammheim bestand ja nicht nur aus dem berühmten 7. Stock, sondern besaß darunter sechs andere mit mehreren hundert Untersuchungs- und Strafgefangenen belegte Stockwerke. Da galt es, die Anstalt wieder in stabiles Fahrwasser zu bringen“, so der Minister. Schumacher musste dabei nicht nur zwei Anstaltsleiter einarbeiten. Er hatte auch alle Aufträge zu erledigen und zu koordinieren, die im Zusammenhang mit dem damals vom Landtag eingesetzten Untersuchungsausschuss und den staatsanwaltschaftlichen Ermittlungsverfahren anstanden. Schumacher habe schon damals zu den Spitzenkräften des baden-württembergischen Justizvollzugs gezählt, lobte Goll. Folgerichtig sei ihm mit gerade einmal 35 Jahren am 1. November 1978 die Leitung der JVA Ludwigsburg übertragen worden. 12 Jahre lang leitete er dieses Gefängnis bis zur Auflösung und dem Umzug nach Heimsheim. Neben dem Tagesgeschäft fand Schumacher auch noch die Zeit und das Engagement, das Ludwigsburger Strafvollzugsmuseum aufzubauen, in dessen Beirat er heute noch ehrenamtlich aktiv ist. Am 1. Januar 1991 kehrte Schumacher an die Stätte seiner ersten Anstellung, an die Justizvollzugsanstalt Stuttgart, zurück.


Infos zur JVA Stuttgart:
Die JVA Stuttgart wurde im Herbst 1963 in Betrieb genommen. Heute stehen insgesamt 877 Haftplätzen für Untersuchungs- und Strafhaft zur Verfügung. Der „berühmte“ siebte Stock, in dem die RAF-Terroristen untergebracht waren, wurde zwischenzeitlich wieder in ein normales Haftstockwerk zurückgebaut. Im Rahmen des Haftplatzerweiterungsprogramms I des Landes Baden-Württemberg wurden 128 neue Haftplätze geschaffen und Ende 2004 in Betrieb genommen. Im Zuge dieses Haftplatzerweiterungsprogramms wurde die Außenstelle Leonberg aufgegeben. Momentan wird der Eingangsbereich der JVA umfassend neu gestaltet. Die Arbeiten sollen im Jahr 2008 abgeschlossen werden.


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