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Jahresbericht 2006 der Stiftung Resozialisierungsfonds Dr. Traugott Bender - Zinslose Darlehen für Haftentlassene zur Schuldentilgung - Goll: "Schuldenfreier Neuanfang hält von neuen Straftaten ab"

Datum: 01.02.2007

Kurzbeschreibung: "Die Allgemeinheit wird am besten geschützt, wenn entlassene Straftäter nicht mehr rückfällig werden.

Ein schuldenfreier Neuanfang erhöht die Chance auf eine erfolgreiche Wiedereingliederung in die Gesellschaft“, sagte Baden-Württembergs Justizminister Prof. Dr. Ulrich Goll (FDP) am Donnerstag in Stuttgart bei der Vorstellung des Jahresberichts 2006 der Stiftung „Resozialisierungsfonds Dr. Traugott Bender“. Die Stiftung gewährt ehemaligen Häftlingen, die bei keiner Bank mehr Kredit bekommen, zinslose Darlehen. Mit dem geliehenen Geld werden ausschließlich Altschulden der ehemaligen Gefangenen getilgt. Innerhalb von fünf Jahren müssen die Darlehen in Raten zurückbezahlt werden. Für die laufenden Lebenskosten wie Miete oder Kleidung dürfen die Darlehen nicht eingesetzt werden.

Im Jahr 2006 half der Resozialisierungsfonds Dr. Traugott Bender entlassenen Straftätern aus Baden-Württemberg mit insgesamt 109 Darlehen mit einem Volumen von rund 420.000 Euro bei der Schuldenregulierung. Mit diesen Geldern konnten Forderungen bei 616 Gläubigern in Höhe von rund 2,5 Mio. Euro reguliert werden. Das entspricht einer Sanierungsquote von 17,05 Prozent. „Von dieser Quote kann ein Gläubiger im Insolvenzverfahren normalerweise nur träumen. Die Darlehen helfen letztlich allen“, betonte der Minister. Die Gläubiger erhielten einen beträchtlichen Teil des Geldes zurück, von dem sie ohne die Darlehen wohl keinen Cent mehr gesehen hätten. Die ehemaligen Gefangenen hätten eine Perspektive auf einen Neuanfang ohne Altschulden. Davon wiederum profitiere die Gesellschaft, weil ein Teufelskreis durchbrochen werde. „Ein Entlassener ist weniger anfällig, sich auf illegale Weise Geld zu beschaffen, wenn ihn seine alten Schulden nicht erdrücken“, so Goll.

Seit ihrem über 30jährigen Bestehen hat die Stiftung Resozialisierungsfonds Dr. Traugott Bender Darlehen von über 20 Millionen Euro zur Schuldentilgung gewährt. Von dem ausgeliehenen Gesamtbetrag sind seither rund 17,2 Millionen Euro (entspricht 85,16 Prozent) wieder an die Stiftung zurückgeflossen. Mit Hilfe dieser finanziellen Mittel konnten 19.136 Forderungen von Gläubigern mit einem Gesamtbetrag von über 86 Mio. Euro abgelöst werden. Das entspricht einer Gesamtsanierungsquote von 23,54 Prozent.

Der Minister betonte, dass die Stiftung „Resozialisierungsfonds Dr. Traugott Bender“ durch ihre beispielhafte und erfolgreiche Sanierungspraxis nicht nur in Baden-Württemberg, sondern bundesweit einen ausgezeichneten Ruf genieße. Durch das große Engagement von haupt- und ehrenamtlichen Bewährungshelfern sei das Rückzahlungsverhalten der Darlehens-Empfänger im Allgemeinen gut. Für viele Straffällige sei es eine völlig neue Erfahrung, dass ihnen durch die Darlehensgewährung Vertrauen entgegengebracht werde. Der Vertrauensvorschuss führe dazu, dass der überwiegende Teil der Darlehensnehmer die vereinbarten Tilgungsraten pünktlich zahle und die Tilgung des Darlehens trotz geringer Einkommen Vorrang habe. Ernsthafte Schwierigkeiten bei der Tilgung würden meist dann auftreten, wenn der Arbeitsplatz verloren gehe. Dann müssten die Raten ermäßigt oder vorübergehend gestundet werden. Die Mehrzahl nutzte jedoch die Chance zu einem Neuanfang in wirtschaftlich geordneten Verhältnissen. Häufig gelinge es durch die Darlehen auch, den unschuldig in finanzielle Not geratenen Ehegatten und Kindern der Straffälligen zu helfen, die drohende Mittellosigkeit und die damit verbundenen sozialen Folgen abzuwenden.

Weitere Informationen im Internet unter www.resofonds-bw.de.


Infos:

Die 1974 gegründete Stiftung „Resozialisierungsfonds Dr. Traugott Bender“ (Bender war Justizminister in Baden-Württemberg von 1972-1977) gewährt Straffälligen im Rahmen individueller Sanierungskonzepte zinslose Darlehen, um ihnen einen schuldenfreien Neuanfang in geordneten wirtschaftlichen Verhältnissen und damit eine Wiedereingliederung in die Gesellschaft zu ermöglichen. Die Arbeit der Stiftung hilft, Rückfallkriminalität aus wirtschaftlicher Not zu vermeiden. Vor allem aber die Schmerzensgeldforderungen ihrer Opfer sollen ehemalige Straftäter durch die ihnen von der Stiftung gewährten Darlehen erfüllen können. Der Resozialisierungsfonds unterstützt hauptsächlich die Personen, denen angesichts ihrer hohen Verschuldung und ihres Lebenslaufes keine anderweitigen Möglichkeiten der Kreditaufnahme zur Schuldensanierung zur Verfügung stehen. Die Stiftung bemüht sich um einen Interessenausgleich zwischen dem Schuldner und den Gläubigern, führt mit den Gläubigern Vergleichsverhandlungen, schließt außergerichtliche Vergleiche und zahlt den Vergleichsbetrag direkt an den Gläubiger. Damit sind die Schulden des Täters getilgt und die Gläubiger befriedigt. Für den Gläubiger lohnt sich die Zusammenarbeit mit der Stiftung, weil etwaige erfolglose Beitreibungsversuche und die damit verbundenen Mehrkosten entfallen. Die Darlehen sind in monatlichen Raten innerhalb von fünf Jahren zurück zu zahlen. Für den laufenden Lebensbedarf nach der Entlassung aus der Haft (z.B. für Miete, Kleidung, Neuanschaffung von Möbeln) und für erst künftig entstehende Verbindlichkeiten (z.B. zur Gründung einer selbstständigen Existenz, Kosten für Führerscheinerwerb) werden Darlehen nicht gewährt.

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