Justiz trauert um Berndt Netzer - Goll und Steindorfner: "Er wird uns als große und unverwechselbare Richterpersönlichkeit unvergessen bleiben"

Datum: 01.02.2007

Kurzbeschreibung: Die baden-württembergische Justiz trauert um Berndt Netzer.

Der Ministerialdirektor beim Bundesministerium der Justiz (BMJ) und frühere Präsident des Amtsgerichts Stuttgart starb am vergangenen Montag nach schwerer Krankheit im Alter von 57 Jahren.

Baden-Württembergs Justizminister Prof. Dr. Ulrich Goll (FDP) und der Amtschef des Ministeriums, Ministerialdirektor Michael Steindorfner, würdigten Netzer als herausragenden Juristen und liebenswerten Menschen, dessen Berufsleben von dem Gedanken getragen gewesen sei, dem Recht und der Gerechtigkeit mit aller Kraft zu dienen: „Berndt Netzer wird uns als große und unverwechselbare Richterpersönlichkeit unvergessen bleiben. Wir haben ihn als exzellenten Juristen und erfahrenen Praktiker, als gewieften ´homo politicus´, aber mehr noch als Mensch geschätzt. Seine soziale Einstellung und sein menschliches Einfühlungsvermögen haben allen, die mit ihm zu tun haben durften, außerordentlich imponiert.“

Mit Netzer habe man einen Mann der Justiz an seiner Seite gewusst, der für die Modernisierung der Justiz genauso gekämpft habe wie für die Sicherstellung der Funktionsfähigkeit der Rechtspflege. Auf seinen Rat habe man sich immer verlassen können. „Seinem großen Einsatz und Einfluss ist es zu verdanken, dass wir viele notwendige Reformen auch in der baden-württembergischen Justiz auf den Weg bringen konnten. Sein Tod ist für uns ein schmerzlicher Verlust“, sagten der Minister und sein Stellvertreter.

Netzer wurde am 25. Mai 1949 in Ulm geboren, war verheiratet und Vater von zwei erwachsenen Kindern. Nach dem Jurastudium in Tübingen und seiner Referendarszeit im Landgerichtsbezirk Ulm trat er im Januar 1976 in den baden-württembergischen Justizdienst ein. Seine Assessorenzeit absolvierte er als junger Richter und Staatsanwalt in Stuttgart, Ulm und Geislingen. Danach arbeitete er mehrere Jahre als Richter am Amtsgericht Ulm. Im April 1989 wurde er nach seiner erfolgreichen Abordnung an das Oberlandesgericht Stuttgart zum Vorsitzenden Richter ernannt. Von April 1991 bis Dezember 1993 war Netzer als Aufbauhelfer in den neuen Bundesländern an das Kreisgericht bzw. das Amtsgericht Leipzig abgeordnet. Zurück in Baden-Württemberg wurde er zum Direktor des Amtsgerichts Esslingen befördert. Im Mai 1996 wurde er zum Präsidenten des Amtsgerichts Stuttgart ernannt. Seine fachlichen, organisatorischen und menschlichen Fähigkeiten hatten sich weit über die Landesgrenzen hinweg herumgesprochen. Im Juni 2000 wurde Netzer als Abteilungsleiter ins Bundesministerium der Justiz nach Berlin berufen. Bis zu seinem Tod war Netzer als Ministerialdirektor der baden-württembergische Motor im BMJ, der zuverlässig und mit viel Durchsetzungskraft auch die Belange des Landes im Bund vertrat.

Fußleiste