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Europäische Konferenz "Resozialisierung gestalten in Baden-Württemberg" - Goll: "Wir wollen junge Strafgefangene vom Rand der Gesellschaft mehr in deren Mitte bringen"

Datum: 20.06.2007

Kurzbeschreibung: "Die besondere Verpflichtung, die den staatlichen Institutionen durch den Strafvollzug an Jugendlichen entsteht, nämlich die Erziehung der Jugendlichen zu einem Leben in sozialer Verantwortung ohne Straftaten, haben wir in Baden-Württemberg ernst genommen", sagte Baden-Württembergs Justizminister Prof. Dr. Ulrich Goll (FDP) am Mittwoch bei der Eröffnung der Europäischen Konferenz "Resozialisierung gestalten in Baden-Württemberg" in Stuttgart.

Unter dem Dach der baden-württembergischen Justiz befänden sich zahlreiche soziale Dienste zur Wiedereingliederung junger Gefangener, die alle das gleiche Ziel verfolgten: Im Interesse der Jugendlichen und der Bevölkerung Rückfalltaten vermeiden. „Eine gelungene Resozialisierung ist immer noch der beste Beitrag für die Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger“, so Goll. Der Minister wies darauf hin, dass mit dem neuen baden-württembergischen Landesjugendstrafvollzugsgesetz, mit dessen Verabschiedung in Kürze gerechnet werde, die Entlassungsvorbereitung und die Nachsorge der Gefangenen entscheidend verstärkt würden. So könne geeigneten Jugendlichen gestattet werden, sich bis zu vier Monate vor ihrer Entlassung in einer Einrichtung außerhalb des Justizvollzugs zu bewähren, um damit die Entlassungsreife zu erproben.

Goll erinnerte an sein bereits im Jahr 2005 eingerichtetes Nachsorgeprojekt für junge Strafentlassene bis 27 Jahre. Dabei übernehmen haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von verschiedenen Bewährungshilfevereinen in Baden-Württemberg die Nachsorge nach der Haft in Form von praktischer Lebenshilfe für die jungen Menschen. Für den Zeitraum von drei Jahren habe die Landesstiftung Baden-Württemberg hierfür jeweils 1,2 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Auch das seit 2003 von Goll initiierte bundesweit erste „Projekt Chance“, ein moderner Jugendstrafvollzug außerhalb der Gefängnismauern unter der Obhut privater Betreiber mit strengem Tagesablauf, dient der Wiedereingliederung junger Strafgefangener in die Berufs- und Arbeitswelt. Ebenso könne der Täter-Opfer-Ausgleich, der bei jugendlichen Straffälligen bereits im Vorfeld der Strafhaft möglich sei, jugendliche und erwachsene Straffällige vor dem Strafvollzug bewahren, erläuterte der Minister. Mit dem Programm „Schwitzen statt sitzen“ wiederum könnten Haftzeiten vermieden werden. Durch gemeinnützige Arbeit, die landesweit durch Anlauf- und Beratungsstellen organisiert werde, könnten Verurteilte in freie Arbeit vermittelt und an sinnvolle Arbeit herangeführt werden. Schließlich ziele auch das Rechtinstitut der Bewährungshilfe auf die Integration von jungen und heranwachsenden Straffälligen in die gesellschaftlichen Lebensbereiche wie soziale Beziehungen, Wohnen, Arbeit und Beruf oder Freizeit. „Diese Beispiele zeigen, dass wir im Blick auf die Jugendkriminalität weder in Panik noch in Passivität verfallen sind“, sagte Goll.

Der baden-württembergische Jugendstrafvollzug und die Gestaltung des Jugendarrests hätten nun mit den erstmals vom Europäischen Sozialfonds geförderten Projekten zur Wiedereingliederung junger Straftäter notwendiges Neuland betreten, so der Minister weiter. „Hierbei gilt mein herzlicher Dank meiner Kollegin, Sozialministerin Dr. Monika Stolz und dem Team ihres Ministeriums, das als Verwalter der Mittel des Europäischen Sozialfonds für das Land Baden-Württemberg kreative und innovative Projekte zur Eingliederung junger Gefangener jeweils nach sorgfältiger Abwägung unterstützt“, sagte Goll. Es gelte, den gesetzlichen Auftrag zur Wiedereingliederung der jungen Gefangenen und Arrestanten quantitativ und qualitativ ständig zu verbessern. Bei den neuen Projekten werde durch ein professionelles Nachsorgemanagement mit der individuellen und intensiven Eingliederung der Jugendlichen bereits während der Haftzeit begonnen. Dafür sorge auch das engagierte Team des Berufsfortbildungswerks Heidelberg, zeigte sich der Minister beeindruckt.

„Junge Strafgefangene befinden sich meist in einer beruflichen und gesellschaftlichen Randstellung. Durch vorbereitende berufliche Qualifizierung und individuelle Übergangsbegleitung im Rahmen eines gezielten Übergangsmanagements wollen wir die aus der Haft entlassenen Jugendlichen vom Rand der Gesellschaft mehr in deren Mitte bringen. Aus europaweiten Rückfalluntersuchungen wissen wir, wie bedeutsam diese Vermittlungsstrategien zur Vermeidung des so genannten ‚Entlassungslochs’ sind“, erläuterte der Minister.

Die Konferenz sei wichtig, weil der Blick in die Europäischen Nachbarländer zeige, dass Länder wie Großbritannien oder die Niederlande bei den Nachsorgeprojekten bereits weiter seien und beeindruckende Dimensionen erreicht hätten. „Die Europäische Konferenz ´Resozialisierung gestalten in Baden-Württemberg´ dient besonders dazu, dass wir Europäer voneinander lernen und uns in unseren Bemühungen zur Integration straffälliger Jugendlicher und Jugendarrestanten mit Rat und aktiver Hilfe unterstützen“, wünschte Goll der Konferenz nachhaltigen Erfolg.



Weitere Informationen unter: www.resozialisierung-in-bw.de

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