• Sie sind hier:
  • Startseite
  • Service
  • Presse
  • Pressemitteilungen 2007
  • JVA Stuttgart-Stammheim erhält 30 Jahre nach dem "Deutschen Herbst" ein neues Gesicht - Richtfest für neue Torwache - Ende eines Provisoriums - Goll: "Wir erwägen den Abriss des Hochhauses"

JVA Stuttgart-Stammheim erhält 30 Jahre nach dem "Deutschen Herbst" ein neues Gesicht - Richtfest für neue Torwache - Ende eines Provisoriums - Goll: "Wir erwägen den Abriss des Hochhauses"

Datum: 01.08.2007

Kurzbeschreibung: Die Justizvollzugsanstalt (JVA) Stuttgart erhält ein neues Gesicht.

Die vor knapp 30 Jahren im „Deutschen Herbst“ eigentlich nur als Provisorium errichtete Durchsuchungsbaracke im Eingangsbereich weicht einer neuen Torwache. „Der Umbau wird zur Neuordnung beitragen und auch das äußere Erscheinungsbild der größten Untersuchungshaftanstalt des Landes, die immer noch mit dem ´Mythos Stammheim´ in Verbindung gebracht wird, erheblich verbessern“, sagte Baden-Württembergs Justizminister Prof. Dr. Ulrich Goll (FDP) am Mittwoch (1. August) beim Richtfest in Stammheim.

„Insbesondere die Verhältnisse in der Durchsuchungsbaracke seien nicht mehr  zeitgemäß gewesen, bemerkte der Minister. Der Weg der Besucher und Gäste in die Haftanstalt sei dem Bild des modernen Justizvollzuges, der in der JVA Stuttgart und den anderen Anstalten Baden-Württembergs stattfinde, nicht mehr gerecht geworden. Künftig würden die bislang drei voneinander getrennten Torfunktionsbereiche zusammengeführt und könnten personalwirtschaftlich günstig betrieben werden, so Goll weiter. Die Überprüfung der Besuchserlaubnis von Besuchern, deren Kontrolle und Durchsuchung vor ihrer Weiterleitung in den Besuchsbereich und auch die Kontrolle der ein- und ausfahrenden Fahrzeuge erfolgten dann aus einem Guss.

Der Bau der neuen Torwache sei aber auch ein wichtiger Bestandteil der für die Justizvollzugsanstalt Stuttgart entwickelten baulichen Gesamtkonzeption, erläuterte der Minister weiter. Im Rahmen des vor Kurzem im Kabinett beschlossen Haftplatzentwicklungsprogramms „Justizvollzug 2015“ würden landesweit zusätzliche Haftplätze geschaffen und weitere Maßnahmen umgesetzt, die die Sicherheit der Anstalten erhöhten und die organisatorischen Strukturen verbesserten, so Goll. In der JVA Stuttgart sei der Bau weiterer Unterkunftsgebäude auf dem Erweiterungsareal der Anstalt bereits im Haushaltsplan 2007/2008 eingestellt. Außerdem sei der Bau einer Werkhalle mit umfangreichen Lagerräumen und die Errichtung einer Sporthalle geplant. Schließlich ließe sich die Außensicherung der Anstalt durch die Errichtung eines Sicherheitszauns vor der bestehenden Anstaltsmauer innerhalb des Areals optimieren. Dafür müsste allerdings ausreichend Platz geschaffen werden. Das könne bedeuten, dass der Bau 1 der Anstalt, also das Hochhaus, weichen müsse.

„Wir erwägen den Abriss dieses dringend sanierungsbedürftigen Gebäudes“, offenbarte Goll. Dann könnten weitere Unterkunftsgebäude in der Entwicklungsachse eines erst vor rund zweieinhalben Jahren errichteten Baus verwirklicht werden, erklärte der Minister die Vorteile eines Abrisses des Hochhauses, in dem sich auch der berühmte 7. Stock befindet, in dem die RAF-Terroristen der ersten Generation inhaftiert waren.

Goll dankte allen im Justizvollzug tätigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für ihren engagierten Einsatz. „Sie leisten unter den nicht immer leichten Bedingungen für die Bediensteten im Vollzug eine bemerkenswerte Arbeit“. Goll dankte auch all denjenigen, die zur Umsetzung des neuen Bauprojekts „Torwache“ beitrügen, in erster Linie den Mitarbeitern des Amtes Stuttgart des Landesbetriebes Vermögen und Bau Baden-Württemberg und den Mitarbeitern der beteiligten Firmen.


Anlage:

Profil der JVA Stuttgart

Derzeit befinden sich in der JVA Stuttgart 856 Gefangene, hauptsächlich männliche Untersuchungsgefangene, von denen rund 80 Jugendliche sind. Die drittgrößte Gruppe sind Strafgefangene, die zu kurzen Freiheitsstrafen verurteilt wurden. Mit einer Belegungsfähigkeit von 877 Gefangenen und mit 274 Stellen ist die JVA Stuttgart nach Mannheim die zweitgrößte Haftanstalt des Landes.

Die JVA Stuttgart wurde im Stadtteil Stammheim, dem nördlichsten Stadtbezirk von Stuttgart, in den Jahren 1959 - 1963 erbaut und 1964 in Betrieb genommen. Das Gefängnis wurde nach den damals modernsten Erkenntnissen der Sicherheit erbaut und bestand aus drei Gebäudekomplexen, aufgeteilt in einen Vollzugsbereich, der Verwaltung und dem Werkstattbereich. Der eingefriedete Bereich umschließt ein Gelände von 49.600 qm.

Bis heute wird die JVA Stuttgart wie keine andere Haftanstalt mit dem sogenannten „Deutschen Herbst“ verbunden, als die zweite Generation der Rote-Armee-Fraktion die Bundesrepublik Deutschland mit einem bis dahin nicht gekannten Terror überzog, während die Rädelsführer der ersten Generation in Stammheim inhaftiert waren. Für den Prozess gegen die Mitglieder der RAF wurde 1975 eigens ein besonders gesichertes Mehrzweckgebäude erstellt. Als am 28. April 1977 in Stuttgart-Stammheim der erste große RAF-Prozess gegen Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe zu Ende ging, stand die JVA Stuttgart im Zentrum des öffentlichen Interesses. Das wiederholte sich, als die drei Verurteilten in der Nacht zum 18. Oktober 1977 in der Anstalt Selbstmord begingen. In diesem Herbst jähren sich die Geschehnisse zum 30. Mal.

Fußleiste