Ellen Albeck neue Leiterin der Justizvollzugsanstalt Konstanz - Peter Rennhak in Ruhestand verabschiedet - Goll: "Wir brauchen Frauen, die sich trauen!"

Datum: 19.09.2007

Kurzbeschreibung: Ellen Albeck ist die neue Leiterin der Justizvollzugsanstalt (JVA) Konstanz mit Außenstelle in Singen.

Baden-Württembergs Justizminister Prof. Dr. Ulrich Goll (FDP) führte die 34-jährige Regierungsrätin am Mittwoch (19. September) in Konstanz in ihr Amt ein und verabschiedete den bisherigen langjährigen Konstanzer Gefängnischef, Regierungsdirektor a.D. Peter Rennhak, in den gesetzlichen Ruhestand.

Rennhak war über 31 Jahre in „seiner“ Justizvollzugsanstalt Konstanz in leitender Funktion – zunächst als Verwaltungsleiter, später als Anstaltsleiter – tätig. Die Hauptanstalt mit rund 100 Haftplätzen und die Außenstelle Singen mit rund 60 Haftplätzen hätten sich dabei stets in intaktem und gut geführtem Zustand präsentiert, wusste der Justizminister. „Sie haben die JVA Konstanz mit hoher fachlicher und sozialer Kompetenz geführt. Sie haben in ´Ihrer´ JVA für ein sehr kollegiales und konstruktives Arbeitsklima unter den rund 65 Bediensteten gesorgt. Sie haben in der JVA Konstanz und der Außenstelle Singen hervorragende Arbeit geleistet“, sprach Goll Rennhak Dank und Anerkennung für dessen Wirken im baden-württembergischen Justizvollzug aus.

Seine Nachfolgerin Ellen Albeck ist seit 2002 die dritte Frau an der Spitze eines der 17 baden-württembergischen Gefängnisse. Neben dem Frauengefängnis in Schwäbisch-Gmünd haben auch die Anstalten in Stuttgart und jetzt Konstanz eine Leiterin. „Die Justiz braucht Frauen, die sich trauen, auch anspruchsvolle Führungsämter zu übernehmen. Ich freue mich, dass wir nun eine zweite Anstaltsleiterin im Männervollzug haben. Sie bringen trotz Ihres jungen Alters schon viel – wie es so schön heißt – Vollzugserfahrung mit“, begrüßte Goll die neue Gefängnischefin, die zugleich die jüngste Anstaltsleiterin des Landes – auch unter den männlichen Kollegen - ist.

Die neue Leiterin der JVA Konstanz: Ellen Albeck


Frauen im Vollzug
Von den im August 2007 durchschnittlich 8.022 Gefangenen waren 7.583 Männer und 439 Frauen. In den Jugendarrestanstalten saßen 50 Männer und 6 Frauen ein. In den 17 Justizvollzugsanstalten, drei Jugendarrestanstalten, dem Justizvollzugskrankenhaus, der Sozialtherapeutischen Anstalt und der Justizvollzugsschule sind insgesamt 3.802 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt. Der Frauenanteil insgesamt beträgt 23 Prozent. Im höheren Dienst liegt der Anteil der Frauen bei 38 Prozent. Derzeit sind drei Frauen als Anstaltsleiterinnen und sieben Frauen als stellvertretende Anstaltsleiterinnen bestellt. Eine der drei Jugendarrestanstalten leitet eine Frau. 16 Frauen arbeiten im höheren Verwaltungsdienst, außerdem sind 14 Ärztinnen, 28 Psychologinnen und eine Pfarrerin beschäftigt. Im gehobenen Dienst finden sich sogar 42 Prozent Frauen, die meisten von ihnen arbeiten in der Verwaltung, dem Sozialdienst oder als Lehrerinnen.

„Seniorenknast“ Singen
Eine Besonderheit der JVA Konstanz ist ihre Außenstelle in Singen. Schon seit 1970 wird dort ausschließlich Strafhaft an älteren Gefangenen vollstreckt. Derzeit werden in Singen Freiheitsstrafen von mehr als 15 Monaten an männlichen Verurteilten über 62 Jahren vollzogen. Die auf die Bedürfnisse älterer Strafgefangener ausgerichtete Vollzugsanstalt ist in Deutschland einmalig und löst deshalb national wie international großes Interesse aus. Dieses Interesse am einzigen deutschen „Seniorenknast“ wächst vor dem Hintergrund des demographischen Wandels, der sich auch in den Vollzugsanstalten bemerkbar macht, immer mehr. Dies äußert sich sowohl in wissenschaftlichen Forschungsvorhaben als auch in zahllosen Medienanfragen. Goll gab ein klares Bekenntnis zum Seniorengefängnis Singen ab: „Wir werden an dieser Art der Vollzugsgestaltung ganz sicher festhalten, auch wenn die anderen Bundesländer hier noch zurückhaltend sind. Ich bin überzeugt, dass in den nächsten Jahrzehnten das Erfolgsmodell Singen noch Nachahmer finden wird“, so der Minister.

Goll dankte den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Vollzugs sowie den ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern, die an der Gestaltung des Gefängnisalltags mitwirkten für ihre gute Arbeit. Die Bewältigung des Vollzugalltags, der durch einen hohen Anteil an Suchtmittelabhängigen und verhaltensauffälligen Gefangenen auch unterschiedlicher Nationalitäten und Kulturkreise geprägt sei, stelle eine besondere Leistung dar, die nicht als Selbstverständlichkeit angesehen werden dürfe.


Lebenslauf Albeck
Ellen Albeck studierte nach dem Abitur, das sie in ihrer Heimatstadt Waiblingen im Jahr 1993 ablegte, an der Universität Tübingen Jura. 1999 absolvierte sie dort auch das Erste Staatsexamen. Ihre Referendarzeit führte sie ans Landgericht Ellwangen. Es folgte im April 2001 die Zweiten juristische Staatsprüfung, bevor sie zum 1. Juli 2001 in den höheren Verwaltungsdienst im Justizvollzug bei der Justizvollzugsanstalt Ravensburg eingestellt wurde. Bereits im November 2002 konnte ihr dort die stellvertretende Anstaltsleitung übertragen werden. Als im Herbst 2003 ein Anstaltsleiterwechsel in Ravensburg anstand, war Albeck dem jungen Leiter Alexander Boger eine wertvolle Stütze beim Stabswechsel. Es folgte ein Abordnungsjahr bei der Staatsanwaltschaft Stuttgart von April 2005 bis März 2006, bevor Albeck ihre neue Aufgabe als stellvertretende Leiterin der JVA Schwäbisch Hall antrat.

Lebenslauf Rennhak
Geboren 1943 in Stolp/Pommern, trat Peter Rennhak nach dem Erwerb der Mittleren Reife im April 1961 beim Amtsgericht Tuttlingen den Vorbereitungsdienst für den mittleren Justizdienst an. Ein Jahr später wechselte er in die Laufbahn des gehobenen Justizdienstes und legte im Juli 1966 die Rechtspflegerprüfung ab. Seine erste Stelle führte Rennhak ans Landesgefängnis Ulm, wo er mit den Aufgaben eines Wirtschaftsinspektors betraut wurde. Im April 1970 wurde er an die Vollzugsanstalt Heidenheim berufen. Dort führte er als Gefängnisdienstleiter die bis dahin nicht als selbständiges Gerichtsgefängnis geführte Anstalt in die Selbständigkeit. Im August 1975 begann seine Konstanzer Zeit. Die Vollzugsanstalt Konstanz war damals ebenfalls noch keine eigenständige Behörde, sondern als Gerichtsgefängnis der Staatsanwaltschaft Konstanz angegliedert. Auch hier bereitete Rennhak die Verselbständigung der JVA Konstanz vor. Dies gelang im Januar 1976, als die Anstalt gleichzeitig durch die Einbindung der Außenstelle Singen vergrößert wurde. Rennhak wurde zum Verwaltungsleiter der JVA Konstanz bestellt und war in dieser Funktion für die folgenden rund 14 Jahre in erster Linie für alle Personalangelegenheiten der Anstalt und für die Erhaltung und Verbesserung der baulichen Verhältnisse zuständig. Als der damalige Anstaltsleiter Ulrich Schlicher im Frühjahr 1990 die Leitung der JVA Heilbronn übernahm, hatte sich Rennhak aufgrund seiner fachlichen und persönlichen Fähigkeiten längst für den Chefposten empfohlen. Im April 1990 wurde er mit der Leitung der Konstanzer Anstalt beauftragt. Rennhak stellt seine Befähigung zum Aufstieg in den höheren Dienst im April 1991 beeindruckend unter Beweis, in dem er den sogenannten Aufstiegslehrgang als Lehrgangsbester bestand. Zum 1. Juli 1991 wurde er zum Leiter der Justizvollzugsanstalt Konstanz bestellt.

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