Landesarbeitskreis Integration (LAKI) beschließt Thesen zum Thema "Einbindung von Eltern mit Migrationshintergrund im Bildungsbereich"

Datum: 13.10.2008

Kurzbeschreibung: Goll: "Gleiche Bildungschancen für Kinder mit Migrationshintergrund gibt es nur durch aktive Zusammenarbeit mit den Eltern!"

In der heutigen Sitzung des Landesarbeitskreises Integration (LAKI) hat der Justizminister und Integrationsbeauftragte der Landesregierung, Prof. Dr. Ulrich Goll MdL (FDP), Eltern mit Migrationshintergrund aufgefordert, sich aktiv an der Bildung ihrer Kinder zu beteiligen. „Für eine gelingende Integration der Kinder und Jugendlichen ist eine verstärkte Einbindung von Eltern mit Migrationshintergrund in den Bildungsprozess erforderlich. Da die Erziehung eine herausragende Aufgabe der Familie ist, kann ein Bildungserfolg der Kinder und Jugendlichen ohne die bewusste und aktive Mitarbeit der Eltern nicht gelingen“, erklärte Goll.

Die Bildungseinrichtungen seien auf die aktive Unterstützung der Eltern angewiesen, betonte der Minister. Andernfalls könne es keine gleichen Bildungs- und Lebenschancen für Kinder mit Migrationshintergrund geben.

 Etwas mehr als die Hälfte der Eltern mit Migrationshintergrund spreche  ausschließlich Italienisch, Türkisch oder Russisch, wenn sie sich mit ihren Kindern unterhalten, habe der UNICEF-Bericht zur Lage von Kindern in Deutschland vom Mai dieses Jahres dargelegt. „Diese Tatsache erschwert den schulischen Erfolg der Kinder“, sagte der Minister und betonte, dass die deutsche Sprache der eigentliche Schlüssel für den schulischen und somit auch gesellschaftlichen und persönlichen Erfolg jedes Einzelnen sei. Dies bestätige auch die im Dezember letzten Jahres veröffentlichte PISA-Studie III: „Kinder, die zu Hause neben ihrer Herkunftssprache kein oder nur wenig Deutsch sprechen, haben wesentlich schlechtere Ergebnisse in der Schule und damit auch schlechtere Chancen im späteren Berufsleben“, erklärte Goll.

Schwierigkeiten würden vor allem dadurch entstehen, wenn den Eltern nicht bewusst ist, welchen zentralen Stellenwert gute Deutschkenntnisse einnehmen bzw. wie wichtig die schulischen Leistungen für den späteren Erfolg sind. Auch sei es für Familien mit Migrationshintergrund nicht immer einfach, ein Gleichgewicht zwischen der Herkunftskultur und den Anforderungen der Aufnahmegesellschaft zu finden.

„Am grundsätzlichen Interesse der Eltern mangelt es nicht, es mangelt eher an Informationen“, so der Minister. Die meisten Eltern seien am Bildungserfolg ihrer Kinder sehr wohl interessiert, sie würden jedoch von den entsprechenden Angeboten oft nicht erreicht.

In seiner Rede betonte Goll weiterhin, dass der schulische Erfolg der Kinder der gemeinsamen Anstrengung von Eltern, Erzieherinnen und Erziehern sowie Lehrerinnen und Lehrern bedarf. „Es geht um den Abbau von Berührungsängsten, die Stärkung von Erziehungspartnerschaften und eine intensive Kooperation zwischen Elternhaus und Bildungseinrichtung“, erklärte der Minister.

Der Integrationsbeauftragte verwies außerdem auf die zentrale Bedeutung der Elternbeteiligung im Landesintegrationsplan. Bildungscoaches und Bildungsvereinbarungen seien geeignete Maßnahmen, um die Einbindung der Migranteneltern voranzubringen sowie gegenseitiges Kennenlernen und gegenseitige Akzeptanz zu fördern.

Goll kündigte auch an, dass im Rahmen der Entwicklung der Nachhaltigkeitsstrategie Baden-Württemberg in enger Zusammenarbeit mit der Robert Bosch Stiftung und der Breuninger Stiftung ein Projekt zum Thema „Förderung der Erziehungskompetenz von Eltern in Migrantenfamilien“ entwickelt werde. Dabei soll den Fragen nachgegangen werden, welche Möglichkeiten bestehen, Eltern mit Migrationshintergrund gezielt anzusprechen und zu erreichen sowie welche Kompetenzen besonders gestärkt werden müssen, um den Schulerfolg ihrer Kinder deutlich zu erhöhen.

Um die zentrale Rolle der Elternbeteiligung hervorzuheben und die Aufmerksamkeit auf erfolgreiche Angebote und Partizipationsmöglichkeiten zu lenken, verabschiedete der LAKI Thesen zum Thema Eltern mit Migrationshintergrund. Die Thesen sollen einerseits darauf aufmerksam machen, dass alle handeln können und müssen, um mehr Migranteneltern zu einer Beteiligung an der Bildung ihrer Kinder zu motivieren und zu qualifizieren. Der Appell richtet sich an alle Akteure und Einrichtungen im Bildungsbereich, ihre Angebote entsprechend den Bedürfnissen der Eltern zu gestalten. Andererseits sollen die Eltern dafür sensibilisiert werden, vorhandene Angebote wahrzunehmen und selber aktiv zu werden.

Hinweise:

1. Thesen
Die beschlossenen Thesen finden Sie unter
www.integrationsbeauftragter.de , Rubrik „Landesarbeitskreis Integration“.

2. Stichwort „Landesarbeitskreis Integration (LAKI)“
Der frühere Landesarbeitskreis für Spätaussiedlerangelegenheiten wurde am 24. Oktober 2002 umstrukturiert und unter Einbeziehung von Vertretern migrantenspezifischer Belange zu einem Landesarbeitskreis Integration ausgestaltet, in dem grundsätzliche Fragen der Integration von Migranten und Spätaussiedlern beraten werden. Im LAKI sind vertreten der Integrationsbeauftragte der Landesregierung als Vorsitzender, der Landesbeauftragte für Vertriebene, Flüchtlinge und Aussiedler, die kommunalen Landesverbände (Städtetag, Gemeindetag, Landkreistag), die Liga der freien Wohlfahrtspflege (Arbeiterwohlfahrt, Caritas, Diakonie, DRK, Paritätischer Wohlfahrtsverband, Israelitische Religionsgemeinschaft), die evangelische und die katholische Kirche, die Landesarbeitsgemeinschaft Jugendsozialarbeit, der Bund der Vertriebenen, der Städtetag-Arbeitskreis der kommunalen Integrationsbeauftragten, der Landesverband der kommunalen Migrantenvertretungen in Baden-Württemberg, die Türkische Gemeinde Baden-Württemberg, der Bund baden-württembergischer Initiativgruppen in der Arbeit mit Kindern mit Migrationshintergrund e. V., das Landeskuratorium für außerschulische Jugendbildung Baden-Württemberg, das Landespolizeipräsidium Baden-Württemberg, das Innen-, Arbeits- und Sozial- sowie das Kultus- und das Wirtschaftsministerium, ein Regierungspräsidium, die Regionalstellen Reutlingen und Karlsruhe des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge sowie die Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit.

Der Landesarbeitskreis Integration tagt in der Regel zwei Mal im Jahr.

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