Psychotherapeutische Behandlung im Strafvollzug - 10-jähriges Bestehen der Behandlungsabteilung der Justizvollzugsanstalt Heimsheim

Datum: 02.12.2008

Kurzbeschreibung: Goll: "Eine erfolgreiche Therapie ist der beste Opferschutz"

„Die ausbruchssichere Unterbringung von verurteilten Straftätern ist für das Sicherheitsgefühl der Menschen ein wichtiger Aspekt. Entscheidend für die Sicherheit der Bevölkerung ist aber vor allem eine erfolgreiche Therapie von Straftätern, das ist der beste Opferschutz“, erklärte Justizminister Prof. Dr. Ulrich Goll (FDP) am Dienstag (2. Dezember) anlässlich des 10-jährigen Bestehens der Behandlungsabteilung in der Justizvollzugsanstalt Heimsheim.

Die Sicherheit der Bevölkerung vor verurteilten Sexual- und Gewaltstraftätern hänge maßgeblich von deren Resozialisierung ab. Irgendwann ende jede Haftzeit. Dann müsse sich der Täter wieder in der Gesellschaft zurecht finden. „Wenn er erfolgreich therapiert werden konnte, ist schon viel gewonnen“, sagte Goll. Der Justizminister warnte zugleich davor, den Vollzug nur an den Rückfallquoten zu messen. „Da kann man schnell in eine methodische Falle geraten. Man darf den Vollzug nicht überfordern und an etwas messen, was er nur zum Teil leisten kann“, so Goll.

Der Vollzug in Baden-Württemberg investiere viel in die Behandlung der Gefangenen. „Dies tun wir aus Gründen der Sicherheit und das gebietet auch die Menschenwürde“, betonte der Minister. Hinter den Mauern der JVA Heimsheim und allen Justizvollzugsanstalten des Landes werde wertvolle Arbeit geleistet, die positive Auswirkungen auf die Sicherheit eines jeden Bürgers habe, aber oftmals nicht ausreichend gewürdigt werde, dankte Goll dem Anstaltsleiter der JVA Heimsheim, Hubert Fluhr, stellvertretend für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Justizvollzugs.

Wie wichtig dem Land die Behandlung der Gefangenen sei, zeigten die Investitionen, die derzeit getätigt würden. Mitte nächsten Jahres nehme die neue Justizvollzugsanstalt in Offenburg ihren Betrieb auf. Dort werde eine zweite sozialtherapeutische Einrichtung mit 60 Plätzen neben derjenigen auf dem Hohenasperg die Gefangenen behandeln. Das Leistungsspektrum werde vor allem eine Diagnose- und Prognoseabteilung sowie drei  Behandlungsabteilungen für süchtige Gefangene, Sexualstraftäter und Gewalttäter umfassen. „Die Sozialtherapeutische Anstalt auf dem Hohenasperg wird damit optimal ergänzt“, sagte Goll. Die beiden Einrichtungen in Offenburg und auf dem Hohenasperg allein könnten die Behandlung jedoch nicht leisten. Sie würden flankiert durch die zahlreichen Behandlungsabteilungen für Sexual- oder Gewaltstraftäter in den einzelnen Justizvollzugsanstalten oder der Durchführung von Anti-Gewalt-Trainings. Die JVA Heimsheim verdiene dabei besonderes Lob. Sie habe in eigener Initiative vor zehn Jahren die Behandlungsabteilung für Sexualstraftäter gegründet. Dabei habe sie sich neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen bedient, um die Wartezeit bis zum Antritt der Sozialtherapie sinnvoll zu nutzen. Im letzten Jahr habe sie ein Konzept für die Behandlung von schweren Gewalttätern im Regelvollzug gemeinsam mit der Psychotherapeutischen Ambulanz des Bewährungshilfevereins Stuttgart ausgearbeitet und biete ein Anti-Gewalt-Training sowie ein Training zur Verbesserung der sozialen Kompetenzen für Gefangene an. Wie in Heimsheim könnten viele der Angebote in den Anstalten vor Ort nur aufgrund des großen Engagements einzelner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter durchgeführt werden. „Sie alle sorgen maßgeblich für präventiven Opferschutz!“, erklärte der Minister.


Die Behandlungsabteilung der JVA Heimsheim

   Die Behandlungsabteilung ist eine Wohngruppe mit 17 Haftplätzen, die seit Mai 1998 besteht. Die Unterbringung in der Wohngruppe dient vorrangig dem Ziel in einem therapeutischen, d.h. auf Veränderung ausgerichteten Umfeld soziale Verantwortung einzuüben. Dies geschieht insbesondere durch die Förderung einer eigenverantwortlichen Übernahme von Aufgaben in der Wohngruppe und wenig Möglichkeiten zum sozialen Rückzug. Ein spezielles Gruppen-, Freizeit- und Sportangebot dient neben dem Sozialen Training und dem Einüben einer kreativen Freizeitgestaltung auch der Förderung der Behandlungsmotivation durch Sport und Entspannung. Im Übrigen bestimmt der Vollzugsplan weitere notwendige Behandlungsmaßnahmen. Ein spezieller Arbeitsplatz ist nicht vorgesehen. Aufgenommen werden Gefangene, die mit sich in ihrer sozialen Umgebung Schwierigkeiten haben, die im Zusammenhang mit ihrer Straffälligkeit stehen und deshalb diesbezüglich einer besonderen Beobachtung, Anleitung bzw. Behandlung bedürfen. Ausgeschlossen ist die Aufnahme von Gefangenen, deren Fähigkeit und/oder Bereitschaft sich auf die Behandlungsgruppe einzulassen fehlt (z.B. Gefangene mit ausgesprochen krimineller, sozialfeindlicher Denkweise oder anderen stark ausgeprägten psychischen Störungen). Außerdem werden Sexualstraftäter aufgenommen, die am Behandlungsprogramm für Sexualstraftäter des Psychologischen Dienstes teilnehmen und ebenso einzelne Gefangene, die aufgrund ihrer Persönlichkeit Gefahr laufen, im üblichen Regelvollzug unterzugehen.

Weitere Informationen unter:  www.jva-heimsheim.de


Die Sozialtherapie im baden-württembergischen Justizvollzug

Bestehende interne und externe Therapiemöglichkeiten:

- Sozialtherapie für Erwachsene in der Sozialtherapeutischen Anstalt Baden-Württemberg auf dem Hohenasperg (60 Plätze)
- Sozialtherapie für junge Gefangene in der JVA Adelsheim (20 Plätze, seit 1997)
- Drogentherapie für junge Gefangene in der Außenstelle Crailsheim (24 Plätze)
- Drogentherapie für erwachsene Gefangene im Justizvollzugskrankenhaus (17 Plätze)
- Deliktsspezifische Psychotherapie in Behandlungsabteilungen in den Schwerpunktanstalten Bruchsal, Freiburg, Heilbronn und Ravensburg (insgesamt 60 Plätze seit 1996)
- Ext. Psychotherapie in allen Justizvollzugsanstalten des Landes (100 Fälle im Jahr, seit 1996)
- Drei sozialtherapeutische Behandlungsabteilungen in der JVA Mannheim, Heimsheim und Heilbronn für die Behandlung von Strafgefangenen durch externe Psychotherapeuten

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