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Zinslose Darlehen ermöglichen Haftentlassenen schuldenfreien Neuanfang - Stiftung "Resozialisierungsfonds Dr. Traugott Bender" bewilligte im vergangenen Jahr 84 Darlehen über insgesamt 360.000 Euro

Datum: 24.03.2008

Kurzbeschreibung: Goll: "Mit den Darlehen lässt sich die Rückfallgefahr verringern"

„Straftäter, die aus der Haft entlassen werden, befinden sich oft in einem Teufelskreis: Schulden - Straftat - Haft - immer noch Schulden - und dann?“ Mit dieser Frage lenkte Baden-Württembergs Justizminister Prof. Dr. Ulrich Goll (FDP) am Montag den Blick auf die Arbeit der Stiftung „Resozialisierungsfonds Dr. Traugott Bender“, die auch im Jahr 2007 ehemaligen Häftlingen wieder zinslose Darlehen für einen schuldenfreien Neuanfang gewährte. Die Kredite dürfen ausschließlich zur Schuldentilgung eingesetzt werden und sind binnen fünf Jahren zurückzubezahlen. Laufende Kosten wie Miete oder Kleidung dürfen von dem geliehenen Geld nicht beglichen werden.

Mit den Darlehen lasse sich die Rückfallgefahr ehemaliger Gefangener verringern, verdeutlichte Goll. Ein schuldenfreier Neuanfang nach der Haft erhöhe die Chance auf eine erfolgreiche Wiedereingliederung in die Gesellschaft. „Ein Entlassener ist weniger anfällig, sich auf illegale Weise Geld zu beschaffen, wenn ihn seine alten Schulden nicht erdrücken. Er kann sich darauf konzentrieren, einen Arbeitsplatz zu finden und hat genug Zeit, das Darlehen mit ehrlich verdientem Geld in Raten zurückbezahlen.“ Die Stiftung bemühe sich um einen Interessenausgleich zwischen dem Schuldner und den Gläubigern, führe mit den Gläubigern Vergleichsverhandlungen, schließe außergerichtliche Vergleiche und zahle den Vergleichsbetrag direkt an den Gläubiger, erläuterte der Minister. Für den Gläubiger lohne sich die Zusammenarbeit mit der Stiftung, weil etwaige erfolglose Beitreibungsversuche und die damit verbundenen Mehrkosten entfielen.

Im Jahr 2007 bewilligte der Resozialisierungsfonds Dr. Traugott Bender entlassenen Straftätern aus Baden-Württemberg insgesamt 84 Darlehen mit einem Volumen von rund 360.000 Euro. Mit den Darlehen konnten Forderungen von rund 2,1 Mio. Euro bei insgesamt 505 Gläubigern reguliert werden. Das entspricht einer Sanierungsquote von 17,37 Prozent. „Eine solche Quote wäre in einem Insolvenzverfahren für jeden Gläubiger ein Traum“, betonte Goll. Die Gläubiger könnten dank der Darlehenshilfe des „Resozialisierungsfonds Dr. Traugott-Bender“ einen beträchtlichen Teil ihrer Forderungen gegenüber ehemaligen Gefangenen realisieren. „Normalerweise fließt dort, wo nichts mehr zu holen ist, kein Cent“, schilderte der Minister die Vorteile für die Gläubiger. In Fällen, in denen ein gerichtlich festgestellter Schmerzensgeldanspruch bestehe, sorge die Stiftung in der Regel für die möglichst ungekürzte Erfüllung dieses Anspruchs. „Das ist konkreter Opferschutz“, sagte Goll. Aber auch die ehemaligen Gefangenen profitierten. „Sie bekommen eine echte Perspektive auf einen Neuanfang ohne alte Schulden“. Das halte sie oft davon ab, neue Straftaten zu begehen und reiche der ganzen Gesellschaft zum Vorteil, so Goll.

Seit ihrem über 30-jährigen Bestehen hat die Stiftung Resozialisierungsfonds Dr. Traugott Bender Darlehen von über 20,6 Millionen Euro zur Schuldentilgung gewährt. Von dem ausgeliehenen Gesamtbetrag waren am 31. Dezember 2007 rund 17,7 Millionen Euro (entspricht 85,97 Prozent) wieder an die Stiftung zurückgeflossen. Mit Hilfe dieser finanziellen Mittel konnten bis zum Stichtag insgesamt 19.641 Forderungen von Gläubigern in Höhe von zusammen über 88 Mio. Euro abgelöst werden. Das entspricht einer Gesamtsanierungsquote von 23,4 Prozent. Durchschnittlich erhielt jeder Darlehensnehmer 6.416 Euro. Die einzelne Schuldenlast lag vor der Sanierung im Schnitt bei 27.425 Euro.

Der Minister betonte, dass die Stiftung „Resozialisierungsfonds Dr. Traugott Bender“ durch ihre beispielhafte und erfolgreiche Sanierungspraxis bundesweit einen ausgezeichneten Ruf genieße. Durch das große Engagement von haupt- und ehrenamtlichen Bewährungshelfern sei das Rückzahlungsverhalten der Darlehens-Empfänger im Allgemeinen gut. Für viele Straffällige sei es eine völlig neue Erfahrung, dass ihnen durch die Darlehensgewährung Vertrauen entgegengebracht werde. Der Vertrauensvorschuss führe dazu, dass der überwiegende Teil der Darlehensnehmer die vereinbarten Tilgungsraten pünktlich zahle und die Tilgung des Darlehens trotz geringer Einkommen Vorrang habe. Ernsthafte Schwierigkeiten bei der Tilgung würden meist dann auftreten, wenn der Arbeitsplatz verloren gehe. Dann müssten die Raten ermäßigt oder vorübergehend gestundet werden. Die Mehrzahl nutzte jedoch die Chance zu einem Neuanfang in wirtschaftlich geordneten Verhältnissen. Häufig gelinge es durch die Darlehen auch, den unschuldig in finanzielle Not geratenen Ehegatten und Kindern der Straffälligen zu helfen, die drohende Mittellosigkeit und die damit verbundenen sozialen Folgen abzuwenden.


Weitere Infos zum „Resozialisierungsfonds Dr. Traugott Bender“:

Dr. Traugott Bender war Justizminister in Baden-Württemberg von 1972-1977. Die 1974 nach seinem Namen gegründete Stiftung gewährt Straffälligen im Rahmen individueller Sanierungskonzepte zinslose Darlehen, um ihnen einen schuldenfreien Neuanfang in geordneten wirtschaftlichen Verhältnissen und damit eine Wiedereingliederung in die Gesellschaft zu ermöglichen.

Ein wesentlicher Bestandteil der Finanzierung der Stiftungsaufgaben sind die Einnahmen aus zugewiesenen Geldauflagen.

Der Resozialisierungsfonds unterstützt hauptsächlich die Personen, denen angesichts ihrer hohen Verschuldung und ihres Lebenslaufes keine anderweitigen Möglichkeiten der Kreditaufnahme zur Schuldensanierung zur Verfügung stehen.

Für den laufenden Lebensbedarf nach der Entlassung aus der Haft (z.B. für Miete, Kleidung, Neuanschaffung von Möbeln) und für erst künftig entstehende Verbindlichkeiten (z.B. zur Gründung einer selbstständigen Existenz, Kosten für Führerscheinerwerb) werden Darlehen nicht gewährt.

Siehe auch im Internet unter: www.resofonds-bw.de

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