Bessere Hilfe für Scheidungskinder - Landeskongress "Projekt Elternkonsens" (Cochemer Praxis) am 9. April 2008 in Stuttgart

Datum: 04.04.2008

Kurzbeschreibung: Justizminister Prof. Dr. Ulrich Goll und Arbeits- und Sozialministerin Dr. Monika Stolz: "Zum Wohle des Kindes wollen wir Eltern dabei helfen, eine einvernehmliche Umgangs- und Sorgerechtslösung zu finden"

„Scheidungen treffen die Kinder am stärksten. Sie leiden ohnehin, weil ihr gewohntes Familienleben zerbrochen ist. Sie sind traurig, dass sich die Eltern getrennt haben. Zu allem Überfluss erleben viele Kinder ihre Eltern auch noch als erbitterte Prozessgegner. Manche Eltern schrecken vor Gericht nicht einmal davor zurück, zur Durchsetzung eigener Interessen ihre Kinder zu instrumentalisieren. Das ist schlimm und das wollen wir, wo es geht, vermeiden. Wir wollen dazu beitragen, dass dem Kind bei einer Scheidung oder Trennung nach Möglichkeit der Kontakt zu beiden Elternteilen erhalten bleibt, wie es das Gesetz als Regelfall vorsieht,“ erklärten Baden-Württembergs Justizminister Prof. Dr. Ulrich Goll (FDP) und Arbeits- und Sozialministerin Dr. Monika Stolz (CDU) am Freitag in Stuttgart unter Hinweis auf das Projekt Elternkonsens.

„Mit dem Projekt Elternkonsens verfolgen wir das Ziel, dass sich sämtliche an Scheidungsverfahren beteiligte Berufsgruppen vernetzen und austauschen, damit es im Trennungsfall möglichst oft zu einer gütlichen Einigung kommt“, so die Minister. Dabei gehe es nicht um eine Einigung um jeden Preis. In manchen Fällen bedürfe es auch einer gerichtlichen Entscheidung, beispielsweise wenn es Gewalt oder sexuellen Missbrauch innerhalb der Familie gegeben habe.

Die Idee für diesen interdisziplinären Austausch lieferte eine Gruppe von Praktikern aus dem rheinland-pfälzischen Landkreis Cochem-Zell. In Baden-Württemberg gibt es bereits mehrere Dutzend ähnlicher Arbeitskreise, die sich an die Cochemer Praxis anlehnen und maßgeschneiderte Lösungen für die jeweiligen örtlichen Verhältnisse erarbeitet haben. Wegen der regionalen Vielfalt soll das Projekt einen überregionalen Namen erhalten. Dem Begriff ´Cochemer Praxis´ wird deshalb der Name ´Projekt Elternkonsens´ zur Seite gestellt. Das Justizministerium und das Ministerium für Arbeit und Soziales fördern in Baden-Württemberg bereits seit dem Jahr 2005 die „Cochemer Praxis“ mit interdisziplinären Grund- und Aufbautagungen.

Goll und Stolz haben nun über 200 Praktiker aus verschiedenen Berufsgruppen nach Stuttgart zum 1. Landeskongress Projekt Elternkonsens (Cochemer Praxis) eingeladen. Zu diesem gemeinsamen ersten großen interdisziplinären Erfahrungsaustausch treffen sich am 9. April im Haus der Wirtschaft Familienrichter/-innen, Rechtsanwälte/-innen, Jugendamtsmitarbeiter/-innen, psychologische Berater/-innen und gerichtliche Sachverständige. Sie beraten, wie in Sorge- und Umgangsrechtsverfahren eine im Interesse des Kindes liegende nachhaltige Lösung gefunden werden kann, die beide Eltern akzeptieren und dann auch in die Tat umsetzen.
 
Seit 1990 habe sich die Zahl der Minderjährigen, die von einer Scheidung betroffen seien, um drei Viertel erhöht.  Es sei zum Wohle der Kinder, wenn es gelinge, Eltern über ein breitgefächertes Beratungsangebot dazu zu motivieren, sich selbst auf alltagstaugliche Umgangsregelungen zu einigen. „Eltern bleiben Eltern, auch wenn sie sich als Paar trennen“, betonte Sozialministerin Stolz.

„Kinder brauchen zum Aufwachsen eine gewisse Sicherheit und Geborgenheit“, sagte Goll. Schon der Auszug des Vaters zum Beispiel könne gerade bei noch jüngeren Kindern schnell zu großen Verlustängsten führen: Papa ist ausgezogen - und wer ausgezogen ist, kann doch nicht mehr mein Vater sein, oder? „Um Kinder von solchen Sorgen zu befreien, kommt es darauf an, dass Eltern auch in der schwierigen Situation einer Trennung gemeinsam die Verantwortung für ihre Kinder übernehmen“, so der Justizminister.
 

Erster Landeskongress „Projekt Elternkonsens“

Mittwoch, 9. April 2008
Haus der Wirtschaft, Stuttgart

Programm:

10.00 Uhr        Begrüßung und Einführung
Moderation: Petra Klein, SWR 1

10.10 Uhr        Grußwort des Justizministers Prof. Dr. Ulrich Goll, MdL

10.20 Uhr        Grußwort der Ministerin für Arbeit und Soziales Dr. Monika Stolz, MdL

10.30 Uhr        Vortrag: „Das Kind im Trennungskonflikt“
Prof. Dr. Roland Proksch
Evang. Fachhochschule Nürnberg

11.10 Uhr        Kaffeepause

11.30 Uhr        Zwei Arbeitskreise präsentieren sich
Der „Böblinger Weg“
Die „Baden-Badener Praxis“

11.50 Uhr        Vortrag: „Praktische Möglichkeiten zur Umsetzung des Umgangsrechts“
Reinhold Buhr
Direktor des Amtsgerichts Bruchsal

12.30 Uhr        Mittagspause

13.30 Uhr        Arbeitsgruppen

AG 1: Chancen und Probleme des begleiteten Umgangs – Was ist, wenn der Umgang nicht klappt? Leitung: RiAG Jürgen Rudolph, Amtsgericht Cochem

AG 2: Das Jugendamt am Puls der Familie – Neue Herausforderungen für das Jugendamt im familiengerichtlichen Verfahren. Leitung: Dipl.-Psych. Sabina Schaefer, Jugendamt der Landeshauptstadt Stuttgart

AG 3: Kindeswohl und Kindeswille – Welche Rolle spielt das Kind im Elternkonsens? Leitung: Dipl.-Psych. Ullrich Böttinger, Psychologische Beratungsstelle des Ortenaukreises

AG 4: Der Aufbau eines Arbeitskreises in der Praxis – Kaffeekränzchen oder interprofessionelles Netzwerk? Leitung: R’inAG Marion Brede, Amtsgericht Baden-Baden

AG 5: Gerichtsverfahren und Familienberatung – Parallele Welten oder vernetztes Arbeiten? Leitung: Dipl.-Sozpäd. Christine Utecht, Familienberatungsstelle des Landkreises Tübingen

15.00 Uhr        Präsentation und Diskussion
der Ergebnisse aus den Arbeitsgruppen

16.25 Uhr        Schlusswort

16.30 Uhr        Ende der Veranstaltung

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