Sozialtherapie im Vollzug - Neue Abteilung für Gewaltstraftäter in der JVA Heilbronn eröffnet

Datum: 11.04.2008

Kurzbeschreibung: Goll: "Eine sinnvolle Ergänzung unseres sozialtherapeutischen Gesamtkonzepts"

„Zentrale Aufgabe des Strafvollzugs ist der Schutz der Allgemeinheit vor weiteren Straftaten und die Resozialisierung der Gefangenen. Das ist kein Widerspruch. Im Gegenteil: Die Gefangenen sollen und müssen befähigt werden, künftig in sozialer Verantwortung ein Leben ohne Straftaten zu führen. Gelingt eine soziale Wiedereingliederung, so ist dies der wirksamste Schutz der Bevölkerung vor weiteren Rechtsbrüchen. Das gilt besonders bei Sexual- und Gewaltstraftätern“. Das sagte Justizminister Prof. Dr. Ulrich Goll (FDP) am Freitag (11. April 2008) beim Festakt zur Präsentation einer weiteren sozialtherapeutisch ausgerichteten Wohn- und Behandlungsabteilung für Gewaltstraftäter in der Justizvollzugsanstalt Heilbronn.

Die auf zehn Plätze ausgelegte neue Abteilung in Heilbronn ergänze das sozialtherapeutische Gesamtkonzept des baden-württembergischen Justizvollzugs mit Hilfe der 2005 gegründeten „Behandlungsinitiative Opferschutz“ um einen weiteren sinnvollen Baustein, freute sich der Minister. „Man sollte aber nicht so tun, als sei die Sozialtherapie im Vollzug erst heute erfunden worden“, stellte Goll klar. Der Minister wies darauf hin, dass die Landesregierung dem Schutz der Bevölkerung vor Sexual- und Gewaltstraftaten seit Jahren besondere Aufmerksamkeit widme. „Wir haben in enger Zusammenarbeit mit Wissenschaft und Praxis vor vielen Jahren eine fundierte Gesamtkonzeption entwickelt. In der Erkenntnis, dass es auch in der Therapie von Straftätern keinen Königsweg gibt, besteht die Konzeption aus mehreren - großen, mittleren und kleinen - Bausteinen, die sich gegenseitig ergänzen und ständig fortgeschrieben werden, um die Therapiesituation im Interesse des Schutzes vor rückfallgefährdeten Tätern weiter zu verbessern“, erläuterte Goll.

Bundesweit vorbildlich arbeite in diesem Bereich seit Jahren auch der landesweite Fonds „Psychotherapie und Bewährung“ beim Verband Bewährungs- und Straffälligenhilfe Württemberg und die Ambulanz für Sexualstraftäter bei der Bewährungshilfe Stuttgart e. V. .

Die neue Behandlungsabteilung in der Justizvollzugsanstalt Heilbronn stelle nicht nur eine Erweiterung des bisherigen Therapieangebotes für Gefangene dar. Sie sei darüber hinaus ein hervorragendes Beispiel für die engagierte Zusammenarbeit von Richtern, Staatsanwälten, Vollzugsangehörigen, Psychiatern, Psychologen, Psychotherapeuten, Sozialarbeitern, Bewährungshelfern, Journalisten und Rechtsanwälten, bemerkte der Minister. „Mein Dank und meine Anerkennung gilt allen, die an diesem Projekt mitgewirkt haben und mitarbeiten, besonders der Behandlungsinitiative Opferschutz. Ich bin davon überzeugt, dass die Behandlungsabteilung über das Stadium des Modellversuchs hinaus zu einer anerkannten und etablierten Einrichtung im baden-württembergischen Vollzug wird“, sagte Goll.


Die Sozialtherapie im baden-württembergischen Justizvollzug

Bestehende interne und externe Therapiemöglichkeiten
- Sozialtherapie für Erwachsene in der Sozialtherapeutischen Anstalt Baden-Württemberg auf dem Hohenasperg (60 Plätze)
- Sozialtherapie für junge Gefangene in der JVA Adelsheim (20 Plätze, seit 1997)
- Drogentherapie für junge Gefangene in der Außenstelle Crailsheim (24 Plätze)
- Drogentherapie für erwachsene Gefangene im Justizvollzugskrankenhaus (17 Plätze)
- Deliktsspezifische Psychotherapie in Behandlungsabteilungen in den Schwerpunktanstalten Bruchsal, Freiburg, Heilbronn und Ravensburg (insgesamt 60 Plätze seit 1996)
- Ext. Psychotherapie in allen Justizvollzugsanstalten des Landes (100 Fälle im Jahr, seit 1996)

Bevorstehende Verbesserungen
- 60 sozialtherapeutische Plätze in der JVA Offenburg (ab Mitte 2009)
- Auf- und Ausbau Forensischer Ambulanzen für Probanden aus dem Justiz- und Maßregelvollzug in der Führungsaufsicht (insgesamt 600.000 Euro ab 2008 mit steigendem Kostenaufwand)

Das Heilbronner Modell ist das bislang letzte von drei Pilotprojekten (Mannheim, Heimsheim und Heilbronn), die mit zusätzlichen Haushaltsmitteln finanziert werden. Auf Antrag der Regierungsfraktionen stehen für die Behandlung von Strafgefangenen durch externe Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten für die Jahre 2007/2008 jeweils 100.000 Euro zur Verfügung. Die Vergabe und Verwaltung der Mittel erfolgt durch den landesweit tätigen Fond „Psychotherapie und Bewährung“ bei der Bewährungs- und Straffälligenhilfe Württemberg e.V. Nachdem in Heilbronn bereits seit zehn Jahren Sexualstraftäter behandelt werden, ist die neue sozialtherapeutisch Behandlungsabteilung, die speziell auf Gewaltstraftäter ausgerichtet ist, eine positive Ergänzung für die Behandlung und Unterbringung hochproblematischer Gefangener.

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