Tagung des Integrationsbeauftragten mit den Generalkonsuln und Konsuln in Baden-Württemberg

Datum: 16.04.2008

Kurzbeschreibung: Goll: Eine gute Kooperation ist unerlässlich für eine gelungene Integration - deutsche Sprache ist Voraussetzung für den Erfolg

„Ein regelmäßiger und konstruktiver Austausch zwischen den konsularischen Vertretungen in unserem Land und der Landesregierung ist unerlässlich für eine gelungene Integration von Menschen mit Migrationshintergrund“, betonte der Justizminister und Integrationsbeauftragte der Landesregierung, Prof. Dr. Ulrich Goll (FDP), auf einer Tagung mit den Generalkonsuln, Konsuln und Honorarkonsuln in Baden-Württemberg im Justizministerium.

Im Mittelpunkt der Tagung stand der gegenseitige Informations- und Meinungsaustausch über die Bildungssituation von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund. „Ich möchte mich nicht damit abfinden, dass Kinder mit Migrationshintergrund bundesweit in Haupt- und Sonderschulen überrepräsentiert sind“, sagte der Minister und betonte, dass die deutsche Sprache der eigentliche Schlüssel für den schulischen und somit auch gesellschaftlichen und persönlichen Erfolg jedes Einzelnen sei. Dies bestätige auch die im Dezember letzten Jahres veröffentlichte PISA-Studie. Goll wies außerdem darauf hin, dass die baden-württembergische Wirtschaft einen hohen Bedarf an gut ausgebildeten Nachwuchskräften habe. „Überall fehlen Fachkräfte, da können wir doch wichtige Personalressourcen nicht einfach brach liegen lassen“, so der Minister. Um das Bildungskapital der Bevölkerung an die Herausforderungen der Zukunft anzupassen, müsse vor allem die frühkindliche Förderung verstärkt werden. Auf diesem Weg sei Baden-Württemberg mit der Entscheidung für die Einführung von obligatorischen Sprachstandserhebungen noch in diesem Jahr einen wesentlichen Schritt vorangekommen.

Goll regte an, die engere Beziehung zwischen den konsularischen Vertretungen und den Migranteneltern dafür zu nutzen, um diese gezielt auch über die Bedeutung der deutschen Sprache bzw. generell des Bildungserfolgs der Kinder zu informieren und sie dafür zu gewinnen. Auch sollte diese engere Beziehung dafür genutzt werden, für den Besuch des Kindergartens schon ab dem ersten Kindergarten zu werben. Zwar würden Migrantenkinder fast genauso häufig den Kindergarten besuchen wie deutsche Kinder, doch dies geschehe vor allem im letzten Kindergartenjahr. „Je früher die Kinder mit der deutschen Sprache in Kontakt kommen, desto höher sind auch ihre Chancen, die deutsche Schule erfolgreich zu durchlaufen“, so der Minister.

Wichtig sei auch eine engere Kooperation zwischen den Lehrern in den deutschen Schulen und den Lehrern, die unter der Verantwortung der konsularischen Vertretungen in Baden-Württemberg den muttersprachlichen Unterricht erteilen. „Die Zusammenarbeit und der Austausch zwischen den Lehrern in den deutschen Schulen und den Lehrkräften des muttersprachlichen Zusatzunterrichts trägt sicherlich zu einer Stärkung der Potentiale der Migrantenkinder bei“, betonte Goll. Diese seien es letztendlich, die vor allem im Mittelpunkt der Integrationspolitik des Landes stünden.

Hintergrund:
Die schulischen Leistungen von Migrantenkindern sind in Deutschland im Vergleich zu den Leistungen von Kindern mit deutscher Muttersprache eher unbefriedigend. So sind die Migrantenkinder bundesweit in Haupt- und Sonderschulen überrepräsentiert, auf dem Gymnasium dagegen eher selten vertreten.

In Baden-Württemberg gibt es etwa sechzig konsularische und diplomatische Vertretungen, darunter Generalkonsulate, Konsulate und Honorarkonsulate. Diese sind u.a. für den muttersprachlichen Zusatzunterricht zuständig, der in der Form des "Konsulatsmodells" durchgeführt wird. Der Besuch des Unterrichts erfolgt freiwillig. Das Land fördert den Unterricht gemäß einer EU-Richtlinie aus dem Jahr 1977 (77/486/EWG) über die schulische Betreuung der Kinder von Wanderarbeitnehmern durch Zuschüsse. Letztes Jahr wurden dafür 1,5 Millionen Euro ausgegeben.

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