Justiz trauert um Heinz Droßel - "Gerechter unter den Völkern"

Datum: 02.05.2008

Kurzbeschreibung: Justizminister Prof. Dr. Ulrich Goll und der Präsident des Sozialgerichts Freiburg Winfried Stephan: "Wir verlieren eine große Persönlichkeit und einen herausragenden Juristen"

Die baden-württembergische Justiz trauert um Heinz Droßel. Der ehemalige Präsident des Sozialgerichts Freiburg starb in den frühen Morgenstunden des 28. April 2008 im Alter von 91 Jahren. Droßel war Träger des Ehrentitels „Gerechter unter den Völkern“ des Staates Israel, Träger des Verdienstkreuzes des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland und Träger der Raoul-Wallenberg-Medaille.

„Wir verlieren mit Heinz Droßel eine große Persönlichkeit und einen herausragenden Juristen. Er hat sich in vielfältigen richterlichen Führungspositionen als Sozialgerichtsdirektor im Amt des aufsichtführenden Richters beim Sozialgericht Konstanz, Präsident des Sozialgerichts Freiburg und langjähriger Vorsitzender des Präsidialrats der Sozialgerichtsbarkeit außergewöhnliche Verdienste erworben. Wir stehen in Dankbarkeit und Respekt vor seiner eindrucksvollen Lebensleistung und werden ihm ein ehrendes Gedenken bewahren“ erklärten Baden-Württembergs Justizminister Prof. Dr. Ulrich Goll (FDP) und der Präsident des Sozialgerichts Freiburg, Winfried Stephan, in einem gemeinsamen Nachruf.
 
Heinz Droßel wurde am 21. September 1916 in Berlin geboren, war verheiratet und Vater von drei Kindern. Nach Jurastudium und Referendarszeit in Berlin trat er 1954 in den Berliner Justizdienst ein. Seine Assessorenzeit verbrachte er am Landgericht und am Sozialgericht Berlin. 1956 wurde er zum Richter auf Lebenszeit ernannt und zugleich an das Landessozialgericht Berlin abgeordnet. Bereits im April 1957 erfolgte die Ernennung zum Landessozialgerichtsrat. 1963 wechselte er in die Baden-Württembergische Justiz. Dort arbeitete er zunächst zwei Jahre als Richter am Sozialgericht Stuttgart, bis er 1965 dem Ruf an das Landessozialgericht Baden-Württemberg folgte. Nach sieben Jahren als Richter in der Berufungsinstanz wurde er zum Direktor des Sozialgerichts Konstanz ernannt. Schließlich erfolgte im Mai 1996 die Beförderung zum Präsidenten des Sozialgerichts Freiburg. Dieses Amt übte er bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand Ende September 1981 aus.

„Gerechter unter den Völkern“
Als junger Wehrmachtsoffizier wurde Heinz Droßel im März des Jahres 1945 mit dem Schicksal einer vierköpfigen jüdischen Familie konfrontiert, deren Versteck in einer Gartenlaube in Berlin kurz vor der Entdeckung durch die Gestapo stand. Droßel und seine Eltern zögerten keine Sekunde: Ohne Rücksicht auf die Gefahr, der sie sich selbst aussetzten, halfen sie der Familie, ein neues Versteck in seinem Zimmer in Berlin-Tempelhof zu finden, versorgten sie mit Lebensmitteln und verbrachten ihre Habe an einen sicheren Ort. Die Gestapo stand eine Stunde nach dem Aufbruch der Familie in der nun leeren Gartenlaube. Die vier Geretteten überlebten und emigrierten später in die USA. Für ihren Mut wurden im Jahr 2000 Heinz Droßel sowie seine Eltern Elfriede und Paul Droßel (beide posthum) von der Israelitischen Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem mit dem Ehrentitel "Gerechter unter den Völkern" ausgezeichnet. Dies ist die höchste Auszeichnung, die Israel an Nicht-Juden vergibt.

Schon während seiner Einsätze im Krieg hatte er in vielen Einzelsituationen einen außergewöhnlichen Mut zur Menschlichkeit bewiesen und entgegen der allgemein geltenden Befehle gehandelt, um andere Menschen vor dem sicheren Tod zu retten. Kurz vor Kriegsende weigerte er sich, seine ihm anvertrauten Soldaten in den sicheren Tod zu schicken, obwohl ihm dies von der SS so befohlen worden war. Dafür wurde er standrechtlich zum Tode verurteilt. Der Vollstreckung entging er nur durch das schnelle Vorrücken der russischen Armee, die ihn gefangen nahm. Heinz Droßel wurde im Jahr 2001 mit dem Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet. Außerdem verlieh ihm die University of Michigan die Raoul-Wallenberg-Medaille für seinen mutigen Einsatz für die Opfer von Verfolgung.

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