200 Jahre Gefängnis in Schwäbisch Gmünd - die JVA "Gotteszell" feiert Jubiläum

Datum: 26.01.2009

Kurzbeschreibung: Goll: "Unsere Mutter-Kind-Abteilung ist bundesweit vorbildlich. Sie steht für modernen Frauenstrafvollzug in unserem Land"

„Die älteste Vollzugsanstalt Baden-Württembergs feiert Jubiläum. Seit bereits 200 Jahren dient das mittelalterliche Dominikanerkloster „Gotteszell“ in Schwäbisch Gmünd als Gefängnis. Heute verbüßen dort ausschließlich Frauen ihre Haftstrafe. „Herausragend und für einen modernen Frauenstrafvollzug bundesweit vorbildlich ist unsere Mutter-Kind-Abteilung, die wir für inhaftierte Frauen und deren bis zu drei Jahre alte Kinder eingerichtet haben. So können wir eine Trennung von Müttern und Kindern in diesem besonders sensiblen Alter vermeiden“, erklärte Justizminister Prof. Dr. Ulrich Goll (FDP) am Montag (26. Januar) bei der 200-Jahr-Feier in Schwäbisch Gmünd.

Baden-Württembergs Hauptstrafanstalt für Frauen
Die JVA Schwäbisch Gmünd ist Baden-Württembergs Hauptstrafanstalt für verurteilte Frauen. Sie hat eine Belegungsfähigkeit von 335 Haftplätzen. Im Jahr 2008 waren dort durchschnittlich 322 weibliche Gefangene inhaftiert. Betreut werden sie von 220 Bediensteten. Einschließlich der weiblichen Untersuchungsgefangenen, die in Anstalten in Bühl, Heidelberg, Ravensburg und Waldshut-Tiengen untergebracht sind, sitzen in Baden-Württemberg rund 400 Frauen im Gefängnis. Bei insgesamt rund 8000 Gefangenen falle die Frauenquote mit etwa fünf Prozent erfreulich niedrig aus, so Goll.

Zahlreiche Erweiterungen seit 1809
Das Dominikanerkloster Gotteszell war im Zuge der Säkularisierung Anfang des 19. Jahrhunderts aufgelöst und schon im Jahr 1809 in ein Zuchthaus und württembergisches Landesgefängnis umgewidmet worden. Eine erste Erweiterung der ehemaligen Klosteranlagen wurde bereits im Jahre 1893 notwendig. In einem heute unter Denkmalschutz stehenden Backsteinhaus wurden damals 48 neue Hafträume geschaffen. 1986 erfolgte eine umfangreiche Erweiterung der Haftplatzkapazitäten um zwei weitere Häuser, die eine Unterbringung der Gefangenen in einzelnen Wohngruppen ermöglichte. Es folgte der Neubau der Wäscherei in den Jahren 1994 bis 1996. Die bislang letzte große Baumaßnahme in den Jahren 2002 bis 2004 umfasste zwei weitere Haftgebäude für die Unterbringung von Untersuchungsgefangenen und jugendlichen Strafgefangenen sowie den Neubau der Küche. Noch im Frühjahr 2009 wird auch das neue Krankenrevier fertig gestellt sein. In Planung sind außerdem eine Werkhalle und eine Sporthalle außerhalb der Umfassungsmauer.

Mutter-Kind-Abteilung dient dem Kindesschutz und der Resozialisierung
„Die JVA Schwäbisch Gmünd ist hervorragend geführt und sehr gut organisiert“, bedankte sich der Minister bei der langjährigen Anstaltsleiterin Sibylle von Schneider-Holl. „Dass der Dienstbetrieb hier in Schwäbisch Gmünd so gut funktioniert, ist vor allem dem engagierten Miteinander von Anstaltsleitung, Bediensteten, Ehrenamtlichen und anderen Freiwilligen zu verdanken“, sagte Goll. Sinnbild für den modernen Frauenstrafvollzug in der JVA Schwäbisch Gmünd sei die Mutter-Kind Abteilung, betonte der Minister. Seit der Erweiterung durch einen Neubau im Jahr 1998 könnten 12 Mütter und 12 Kinder im Alter bis zu drei Jahren aufgenommen werden. Momentan befänden sich sechs Mütter mit jeweils einem Kind in der Mutter-Kind-Abteilung. Ein Kleinkind könne seine verurteilte Mutter nicht vor dem Vollzug der Freiheitsstrafe bewahren. Eine Trennung von der Mutter würde für das Kind aber gerade in den ersten Lebensjahren so etwas wie die Höchststrafe bedeuten. Trotz der Inhaftierung könnten Mütter in der Mutter-Kind-Abteilung also mit ihrem Kind zusammen bleiben. „Die Mütter sammeln so schon während der Haft positive Erfahrungen und lernen über die Erziehung, Verantwortung zu übernehmen. Das ist für eine erfolgreiche Wiedereingliederung in die Gesellschaft entscheidend“, so Goll.

Ausbildung und Arbeit im Vollzug
Zudem gestalte sich der Frauenstrafvollzug in Gotteszell äußerst vielseitig. Die Gefangenen würden in zahlreichen Betrieben des Vollzuglichen Arbeitswesens (VAW) beschäftigt, beispielsweise in der Schneiderei oder der Landschaftsgärtnerei. Zudem gebe es vielfältige Angebote für eine Berufsausbildung, sei es zur Malerin oder Modenäherin. Auch könnten die Gefangenen den Hauptschul- oder Realschulabschluss nachholen oder an Elementar-, Sprach- oder Computerkursen teilnehmen. „Eine solide Ausbildung erhöht die Chancen der Gefangenen auf dem Arbeitsmarkt, wenn sie nach der Haft wieder ins Berufs- und Arbeitsleben eintreten“, betonte Goll.

Weitere Informationen zur JVA Schwäbisch Gmünd im Internet unter:
www.jva-schwaebisch-gmuend.de

 

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