Rund 70 junge Vollzugsanwärter in Landesdienst übernommen

Datum: 27.03.2009

Kurzbeschreibung: Ministerialdirektor Michael Steindorfner: "Viele werden ab 1. Juni in der neuen JVA Offenburg zum Einsatz kommen"

Nach rund zweijähriger Ausbildung haben alle 70 Absolventen des 188.-190. Abschlusslehrgangs der Justizvollzugsschule Baden-Württemberg ihre Laufbahnprüfung bestanden. Die jungen Vollzugsbediensteten werden nun in den 17 Justizvollzugsanstalten sowie dem Justizvollzugskrankenhaus des Landes im allgemeinen Vollzugs- und Werkdienst eingesetzt. Viele von ihnen treten den Dienst in der neuen JVA Offenburg an, die Mitte des Jahres planmäßig in Betrieb genommen wird.

Ministerialdirektor Michael Steindorfner

Ministerialdirektor Michael Steindorfner

Der Amtschef des Justizministeriums, Ministerialdirektor Michael Steindorfner, beglückwünschte am Freitag (27. März 2009) die frisch gebackenen Vollzugsanwärterinnen und -anwärter in Stuttgart: „Sie erwartet im Justizvollzug eine anspruchsvolle und abwechslungsreiche Tätigkeit. Sie erfüllen einen wichtigen gesetzlichen und sehr bedeutsamen gesellschaftlichen Auftrag. Denn Ihre Arbeit dient der Sicherung des Strafverfahrens, dem Schutz der Allgemeinheit und der Eingliederung der Strafgefangenen in unsere Gesellschaft. In Zusammenarbeit mit anderen staatlichen und nichtstaatlichen Stellen leisten Sie damit in Zukunft einen unverzichtbaren Beitrag zur inneren Sicherheit unseres Landes, zu unserer rechtsstaatlichen Ordnung und nicht zuletzt zur Gewährleistung des Rechtsfriedens in unserem Gemeinwesen“, so der Amtschef. Genauso wichtig wie für den Schutz der Allgemeinheit durch eine sichere Unterbringung der Gefangenen Sorge zu tragen, sei auch die Vorbereitung der Gefangenen auf ein zukünftig straffreies Leben. „In Ihrer täglichen Arbeit mit den Gefangenen schaffen Sie dafür die Voraussetzungen. Das beste Mittel zur Vermeidung von Straftaten durch Strafgefangene ist und bleibt nämlich die Arbeit mit dem Täter“, erklärte Steindorfner.

Die Aufgaben im Justizvollzug stelle große Anforderungen an die Persönlichkeit, das fachliche Können, das Engagement und Einfühlungsvermögen der jungen Bediensteten. Dabei dankte Steindorfner dem Leiter der Justizvollzugsschule des Landes, Thomas Müller, mit seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie allen an der Ausbildung beteiligten haupt- und nebenamtlichen Lehrkräften für ihr großes Engagement bei der erfolgreichen Ausbildung der Nachwuchsbeamten.

Abschlussabsolventen Jahrgang 188.      Abschlusslehrgang Jahrgang 189.      Abschlusslehrgang Jahrgang 190.

Die erfolgreichen Absolventen des 188., 189. und 190. Abschlusslehrgangs

Der Amtschef informierte auch über den aktuellen Stand der JVA Offenburg. „Wir liegen weiterhin im Zeitplan. Die ersten Gefangenen können voraussichtlich am 1. Juni dieses Jahres einziehen. Es ist geplant, die Belegung sukzessive zu steigern, jeden Monat um etwa ein Drittel der Belegungsfähigkeit, so dass ab Ende August die Anstalt voll belegt sein wird“. Ab Mai würden die privaten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf ihre Tätigkeit in der Justizvollzugsanstalt Offenburg vorbereitet. „In einem einmonatigen Kurs werden wir sie in Vollzugspraxis, im Strafvollzugsrecht, in Rechtskunde sowie Psychologie und Kommunikation schulen, die in den Werkbetrieben eingesetzten privaten Mitarbeiter darüber hinaus in der Strafvollzugsvergütungsordnung und in ADV-Lohn“, sagte Steindorfner. Der Unterricht sei darauf ausgerichtet, den Ablauf, die Organisation sowie die Aufgaben und Befugnisse zu erklären, um eine reibungslose Zusammenarbeit mit den staatlichen Bediensteten zu gewährleisten. „Außerdem ist es uns wichtig, den privaten Mitarbeitern die Grundlagen eines humanen Strafvollzuges zu vermitteln, dessen vorrangiges Ziel - neben der sicheren Unterbringung - die Resozialisierung der Straftäter ist“.

Rund 25 der Vollzugsanwärter würden in der neuen Anstalt in Offenburg tätig werden, so Steindorfner weiter. Es erwarte sie dort neben der hervorragenden Infrastruktur im Neubau vor allem die spannende Aufgabe, in der ersten teilprivatisierten Anstalt im Land zu arbeiten. Dabei gehe die Justiz mit der Teilprivatisierung beim Betrieb der Anstalt neue Wege. Alle nicht hoheitlichen Aufgaben, die nicht zwingend von Beamten wahrgenommen werden müssten, würden durch den privaten Dienstleister KÖTTER Justizdienstleistungen GmbH und Co. KG erledigt. Das betreffe die Werkbetriebe, die schulische Bildung, den Bereich der Küche oder die Bekleidung der Gefangenen, aber auch die medizinische Versorgung sowie die soziale und psychologische Betreuung der Gefangenen. „Die Organisationshoheit, die gesamte Steuerung der Anstalt, die Überwachung der Dienstabläufe und alle Entscheidungen, die den Status des Gefangenen betreffen, verbleiben jedoch ausschließlich in staatlicher, sprich unserer Hand“, betonte Steindorfner. Entscheidend für das Betriebsklima und die Arbeitszufriedenheit werde dabei sein, dass die privaten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Kollegenkreis der Staatsdiener gut integriert würden. „Es liegt also mit an jedem Einzelnen von Ihnen, zu einem guten Gelingen unserer neusten Anstalt beizutragen“, gab Steindorfner den jungen Absolventen mit auf den Berufsweg.

Abschlusslehrgang Jahrgang 190.

Herr Steindorfner beim überreichen des Buchpreises an die Lehrgangsbeste Frau Isabel Denk JVA Offenburg


Der Vorbereitungsdienst für die Anwärter des allgemeinen Vollzugsdienstes dauert zwei Jahre, für die Anwärter des Werkdienstes 18 Monate, aufgegliedert in eine theoretische und praktische Ausbildung. Auf dem Stundenplan stehen allgemeine Vollzugspraxis, Umgang mit der Waffe, allgemeine Rechtskunde, Vollzugskunde und Vollzugsverwaltung ebenso wie Psychologie und Kommunikation, Staatsbürgerkunde, Kriminologie, Sport und Selbstverteidigung.

Fußleiste