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Schuldenfrei ins neue Leben - Resozialisierungsfonds Dr. Traugott Bender gewährte im Jahr 2008 entlassenen Straftätern Darlehen für die Regulierung ihrer Schulden in Höhe von 2,1 Mio. Euro - "Sorry, wenn die eine oder andere Zahlung mal wieder nicht pünktlich war. Ich krieg' s leider nicht immer punktgenau gebacken...!" (Dank eines Darlehensnehmers an die Stiftung Resozialisierungsfonds Dr. Traugott Bender nach Überweisung der letzten Tilgungsrate)

Datum: 10.04.2009

Kurzbeschreibung: Goll: "Die Chance auf einen Neuanfang in wirtschaftlich geordneten Verhältnissen nach der Haft motiviert zu dauerhafter Ehrlichkeit und dient der Wiedereingliederung in die Gesellschaft"

„Es ist ein Teufelskreis: Straftäter, die aus der Haft entlassen wurden haben oft noch keine Arbeit und wenig Geld, dafür aber erhebliche Schulden. Kreditwürdig sind sie meist auch nicht. Die legale Geldbeschaffung ist also ein Problem. Um entlassene Straftäter aus Baden-Württemberg in dieser Situation von weiteren Straftaten abzuhalten, gewährt ihnen unser ´Resozialisierungsfonds Dr. Traugott Bender´ zinslose Darlehen für einen schuldenfreien Neuanfang.“ Das sagte Baden-Württembergs Justizminister Prof. Dr. Ulrich Goll (FDP) am Freitag (10. April) in Stuttgart. Laufende Kosten wie Miete oder Kleidung dürften von dem geliehenen Geld nicht beglichen werden. „Die Kredite müssen zur Schuldentilgung eingesetzt werden und sind binnen fünf Jahren in Raten zurückzubezahlen“, erklärte der Minister.

Auch im Jahr 2008 wieder hohe Sanierungsquote
Die Gläubiger könnten dank der Darlehenshilfe im Durchschnitt mehr als ein Fünftel ihrer Forderungen gegenüber ehemaligen Gefangenen realisieren, teilte Goll mit. Im Jahr 2008 habe der Resozialisierungsfonds Dr. Traugott Bender 113 Darlehen mit einem Volumen von über 453.000 Euro bewilligt. Mit den Darlehen hätten Forderungen von rund 2,1 Mio. Euro bei insgesamt 700 Gläubigern reguliert werden können. „Das entspricht einer Sanierungsquote von 21,72 Prozent. In einem Insolvenzverfahren wäre eine solche Quote kaum zu erzielen, da fließt oft kein Cent mehr“, schilderte der Minister die Vorteile für die Gläubiger. Die Stiftung bemühe sich um einen best möglichen Interessenausgleich zwischen dem Schuldner und den Gläubigern, führe mit den Gläubigern Vergleichsverhandlungen, schließe außergerichtliche Vergleiche und zahle den Vergleichsbetrag direkt an den Gläubiger. Für den Gläubiger lohne sich die Zusammenarbeit mit der Stiftung, weil etwaige erfolglose Beitreibungsversuche und die damit verbundenen Mehrkosten entfielen, bemerkte der Justizminister. In Fällen, in denen ein gerichtlich festgestellter Schmerzensgeldanspruch bestehe, sorge die Stiftung in der Regel sogar für die möglichst ungekürzte Erfüllung des Anspruchs. „Das nenne ich konkreten Opferschutz“, so Goll.

Darlehensgewährung und -tilgung seit Bestehen der Stiftung
Seit ihrem über 30-jährigen Bestehen hat die Stiftung Resozialisierungsfonds Dr. Traugott Bender Darlehen im Gesamtvolumen von über 21 Millionen Euro zur Schuldentilgung ausgezahlt. Davon waren am 31. Dezember 2008 rund 18,2 Millionen Euro (entspricht 86,4 Prozent) wieder an die Stiftung zurückgeflossen. Mit Hilfe dieser finanziellen Mittel konnten bis zum Stichtag insgesamt 20.328 Forderungen von Gläubigern in Höhe von zusammen rund 90,2 Mio. Euro abgelöst werden. Das entspricht einer Gesamtsanierungsquote von 23,36 Prozent. Durchschnittlich erhielt jeder Darlehensnehmer 6.352 Euro. Die einzelne Schuldenlast lag vor der Sanierung im Schnitt bei 27.195 Euro

Rückzahlung erfolgt überwiegend pünktlich
Der Minister betonte, dass die Stiftung Resozialisierungsfonds Dr. Traugott Bender durch ihre beispielhafte und erfolgreiche Sanierungspraxis bundesweit einen ausgezeichneten Ruf genieße. Durch das große Engagement von haupt- und ehrenamtlichen Bewährungshelfern sei das Rückzahlungsverhalten der Darlehens-Empfänger im Allgemeinen gut. Für viele Straffällige sei es eine völlig neue Erfahrung, dass ihnen durch die Darlehensgewährung Vertrauen entgegengebracht werde. Der Vertrauensvorschuss führe dazu, dass der überwiegende Teil der Darlehensnehmer die vereinbarten Tilgungsraten pünktlich zahle und die Tilgung des Darlehens trotz geringer Einkommen Vorrang habe. Ernsthafte Schwierigkeiten bei der Tilgung würden meist dann auftreten, wenn der Arbeitsplatz verloren gehe. Dann müssten die Raten ermäßigt oder vorübergehend gestundet werden. Die Mehrzahl nutzte jedoch die Chance zu einem Neuanfang in wirtschaftlich geordneten Verhältnissen. „Das motiviert zu dauerhafter Ehrlichkeit und dient der Wiedereingliederung in die Gesellschaft“, sagte Goll. Häufig gelinge es durch die Darlehen auch, den unschuldig in finanzielle Not geratenen Ehegatten und Kindern der Straffälligen zu helfen, die drohende Mittellosigkeit der Familie und die damit verbundenen sozialen Folgen abzuwenden.


Weitere Infos zum Resozialisierungsfonds Dr. Traugott Bender:

Dr. Traugott Bender war Justizminister in Baden-Württemberg von 1972-1977. Die 1974 nach seinem Namen gegründete Stiftung gewährt Straffälligen im Rahmen individueller Sanierungskonzepte zinslose Darlehen, um ihnen einen schuldenfreien Neuanfang in geordneten wirtschaftlichen Verhältnissen und damit eine Wiedereingliederung in die Gesellschaft zu ermöglichen.

Ein wesentlicher Bestandteil der Finanzierung der Stiftungsaufgaben sind die Einnahmen aus zugewiesenen Geldauflagen durch die Justiz.

Der Resozialisierungsfonds unterstützt hauptsächlich die Personen, denen angesichts ihrer hohen Verschuldung und ihres Lebenslaufes keine anderweitigen Möglichkeiten der Kreditaufnahme zur Schuldensanierung zur Verfügung stehen.

Für den laufenden Lebensbedarf nach der Entlassung aus der Haft (z.B. für Miete, Kleidung, Neuanschaffung von Möbeln) und für erst künftig entstehende Verbindlichkeiten (z.B. zur Gründung einer selbstständigen Existenz, Kosten für Führerscheinerwerb) werden Darlehen nicht gewährt.

 Siehe auch im Internet unter: www.resofonds-bw.de

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