Strafverfolgungsstatistik 2008 - Goll: "Wir dürfen uns über einen Rückgang der Verurteilungen freuen, vor allem bei den Heranwachsenden"

Datum: 11.09.2009

Kurzbeschreibung: "Die Zahl der in Strafverfahren verurteilten Personen ist deutlich zurückgegangen."

 

Goll

Der Justizminister stellt der Landespresse die aktuelle Strafverfolgungsstatistik vor

 

Von 138.656 Personen, die sich vor den Strafgerichten des Landes zu verantworten hatten, wurden im Jahr 2008 insgesamt 117.838 rechtskräftig verurteilt. Es gab damit insgesamt 4,7 Prozent weniger Verurteilungen als noch im Vorjahr. Damit liegen wir auch unter dem Durchschnitt der letzten zehn Jahre (119.654 Verurteilungen). Besonders deutlich ist der Rückgang bei den Heranwachsenden ausgefallen. Wir dürfen uns hier über einen Rückgang von 8,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr freuen“. Das teilte Justizminister Prof. Dr. Ulrich Goll (FDP) am Freitag (11. September 2009) in Stuttgart mit. Gemeinsam mit der Präsidentin des Statistischen Landesamts Dr. Carmina Brenner stellte der Justizminister die Strafverfolgungsstatistik des Jahres 2008 vor. Nicht einmal jede fünfte Verurteilung betraf eine Frau (18,3 Prozent).

 

Wieselmann Brenner Goll

Von links: Moderatorin Bettina Wieselmann (Südwest Presse), Dr. Carmina Brenner (Präsidentin des Statistischen Landesamts) und Justizminister Prof. Dr. Ulrich Goll

 

Verurteilungen junger Menschen

Nicht nur die Verurteilungszahlen gegen Heranwachsende im Alter zwischen 18 und 21 Jahren sind von 14.070 im Jahr 2004 über 13.575 im Jahr 2007 auf nun 12.409 im Jahr 2008 gesunken, auch die Zahl der verurteilten Jugendlichen (14-18 Jährige) ist nach einem Anstieg im Jahr 2007 wieder zurückgegangen, sagte Goll. Mit 9.341 Jugendlichen wurden 2008 fast zwei Prozent weniger Jugendliche verurteilt als im Jahr zuvor. „Die Zahlen schwanken auf einer Sinuskurve von Jahr zu Jahr. Mal steigen sie, dann gehen sie wieder nach unten, ohne dass sich daraus zwingende Schlussfolgerungen ziehen lassen, weder für die eine noch für die andere Entwicklung“, bemerkte Goll. Entscheidend sei, dass strafbares Verhalten konsequent geahndet werde. „Mir ist es wichtig, dass unsere Staatsanwaltschaften und Gerichte vor allem körperliche Übergriffe Jugendlicher verfolgen und bestrafen. Dass sich das dann fast zwangsläufig in der Verurteiltenstatistik niederschlägt, ist auch klar“, erklärte der Minister. So hätten die Verurteilungen im Bereich der Gewaltkriminalität entgegen dem allgemeinen Trend zugenommen. „Das Thema Gewalt unter jungen Menschen ist ein ernstes“, so Goll. Bei den Jugendlichen sei vor allem ein Anstieg der Verurteilungen wegen Raubdelikten um 12,7 Prozent zu verzeichnen, Verurteilungen wegen gefährlicher Körperverletzung seien um 5,8 Prozent gestiegen.

Unterschiede in der Kriminalität

„Die Kriminalität junger Menschen weicht deutlich von der Kriminalität Erwachsener ab“, sagte Goll. Fast die Hälfte aller Verurteilungen von Jugendlichen sei wegen einfachen Diebstahls (22,2 Prozent) oder Körperverletzungsdelikten (23,8 Prozent) erfolgt, während nur 5 Prozent wegen Betruges oder Untreue zur Verantwortung gezogen worden seien. Dieses Deliktfeld scheine eine Domäne der Erwachsenen zu sein. In 22 Prozent aller Verurteilungen von Erwachsenen laute der Schuldspruch auf Betrug oder Untreue, so der Minister.

Regelanwendung des Erwachsenenstrafrechts auf Täter ab 18 Jahren

„Ich halte es nach wie vor für ein falsches Signal, dass in über 88 Prozent aller Fälle, in denen 18- bis 21-jährige beispielsweise wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilt wurden, noch das Jugendstrafrecht und nicht das allgemeine Erwachsenenstrafrecht zur Anwendung kam“, erneuerte Goll seine Forderung nach einer Regelanwendung des allgemeinen Strafrechts für heranwachsende Täter zwischen 18 und 21 Jahren. „Wir geben den jungen Erwachsenen damit das Gefühl, sie seien für ihr Tun noch nicht so ganz verantwortlich“. Ausgerechnet in dem Bereich, in dem die jugendtypischsten Verfehlungen eines jungen Erwachsenen zu verzeichnen seien und damit die Anwendung von Jugendstrafrecht noch am ehesten gerechtfertigt wäre, nämlich im Bereich der Straßenverkehrsdelikte, werde plötzlich in über 80 Prozent der Fälle Erwachsenenstrafrecht angewandt. Eine Erklärung dafür sei wohl, dass die meisten Verkehrsdelikte im Wege des schriftlichen Strafbefehls ohne Gerichtsverhandlung erledigt werden sollen. Das aber sei nur möglich, wenn Jugendstrafrecht nicht zur Anwendung komme.

Statistische Details zu einzelnen Delikten und Altersgruppen finden Sie unter:

www.statistik-bw.de

Hinweis:

Strafverfolgungsstatistik

Die Strafverfolgungsstatistik erfasst ausschließlich die Tätigkeit der Gerichte nach Anklageerhebung. Sie ist von der polizeilichen Kriminalitätsstatistik zu unterscheiden. Die Strafverfolgungsstatistik dient vorwiegend zur Beobachtung der staatlichen Reaktionen auf Kriminalität. Sie ist insofern zuverlässiger als die polizeiliche Kriminalitätsstatistik, als sie nicht vorläufige Bewertungen über verwirklichte Tatbestände wiedergibt, sondern die rechtskräftig gewordenen Feststellungen der Gerichte. Nicht aufgeführt sind Taten, bei denen bereits die Staatsanwaltschaften das Ermittlungsverfahren, aus welchen Gründen auch immer, eingestellt haben.

Verurteilte sind Angeklagte, gegen die nach allgemeinem Strafrecht Freiheitsstrafe, Strafarrest oder Geldstrafe (auch durch einen rechtskräftigen Strafbefehl) verhängt worden ist oder deren Straftat nach Jugendstrafrecht mit Jugendstrafe, Zuchtmittel oder Erziehungsmaßregel geahndet wurde.

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