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Qualitätsarbeit von Gefangenen im Strafvollzug - Flächendeckende Zertifizierung der Arbeitsbetriebe aller Justizvollzugsanstalten im Land nach DIN-Norm durch die DEKRA

Datum: 21.09.2009

Kurzbeschreibung: Goll: "Die Qualitätsbescheinigung ist ein Wettbewerbsvorteil gegenüber fernöstlichen Produktionsstandorten und kann Gefangenen nach der Entlassung bei der Arbeitssuche helfen"

In den Arbeitsbetrieben des baden-württembergischen Strafvollzugs besteht seit dem zweiten Halbjahr 2009 flächendeckend ein Qualitätsmanagementsystem nach DIN EN ISO 9001:2008. „Damit haben die Auftraggeber einen verlässlichen Maßstab dafür, dass die in den zertifizierten Betrieben unserer Vollzugsanstalten hergestellten Produkte im Wettbewerb bestehen könnten. Die Arbeit der Gefangenen ist Qualitätsarbeit“, erklärte Baden-Württembergs Justizminister Prof. Dr. Ulrich Goll (FDP) heute in Stuttgart anlässlich des erfolgreichen Abschlusses des von der DEKRA Certification GmbH durchgeführten Zertifizierungsverfahrens.

Qualität erweist sich als Wettbewerbsvorteil

„Unser Vollzugliches Arbeitswesen (VAW) bleibt für Unternehmen der freien Wirtschaft ein interessanter Partner und eine attraktive Alternative zur Verlagerung der Produktion in Billiglohnländer“ so Goll weiter. Gerade in Zeiten der Wirtschaftskrise erweise sich ein zertifiziertes Qualitätsmanagementsystem als Wettbewerbsvorteil gegenüber fernöstlichen Produktionsstandorten. „Dabei versteht sich das VAW aufgrund seiner gesamtgesellschaftlichen Aufgabenstellung immer als Partner und nicht als Konkurrent der freien Wirtschaft“, betonte der Justizminister. „Das Bild der tütenklebenden Gefangenen in kerkerartigen Räumen gehört längst der Vergangenheit an. Heute arbeiteten im Justizvollzug des Landes unter der Anleitung von rund 470 Werkbediensteten durchschnittlich rund 5.000 Gefangene in 16 Niederlassungen des VAW mit modern eingerichteten Betrieben“, schilderte Goll die aktuelle Situation im Vollzug. Mit der Gründung des Landesbetriebs „Vollzugliches Arbeitswesen“ im Jahr 2001 hätten die Arbeitsbetriebe in den baden-württembergischen Vollzugsanstalten die Möglichkeit eigenständigen wirtschaftlichen Handelns erhalten. Das VAW betreibe Werkstätten aus allen Branchen des Handwerks. Dazu zählten beispielsweise Schreinereien, Schlossereien und Druckereien. Daneben bestünden Unternehmerbetriebe, die als verlängerte Werkbank für Handwerk und Industrie arbeiteten. Die Auftraggeber aus der Elektro- und Automobilzulieferbranche spielten hier eine große Rolle, erläuterte der Minister.

Bedarf an Qualitätsmanagement im Vollzug

Der Landesbetrieb VAW habe erstmals im Jahr 2004 in seiner Niederlassung Heimsheim ein Qualitätsmanagementsystem nach DIN EN ISO 9001:2000 eingeführt und mit Erfolg zertifizieren lassen, sagte Goll. Ein Jahr später seien sieben weitere Niederlassungen und die Zentrale Steuerungsstelle des VAW gefolgt. Die Erweiterung auf alle 16 Niederlassungen sei nun in der erste Jahreshälfte 2009 abgeschlossen worden. Viele Auftraggeber des VAW kämen aus der Automobil- und der Elektroindustrie. Gerade in diesen Branchen werde einem zertifizierten Qualitätsmanagement nach DIN EN ISO 9001:2008 ein sehr hoher Stellenwert zugemessen. „Eine Zertifizierung nach DIN ISO ist oftmals Grundvoraussetzung für die Aufnahme neuer Geschäftsbeziehungen und wirkt sich auch als Marketinginstrument durchaus positiv auf die Akquirierung von Neuaufträgen aus“, so der Minister. Für einen Gefangenen sei nach Verbüßung seiner Haftstrafe die Suche nach einem Arbeitsplatz ganz besonders schwer. Der Nachweis, in einem zertifizierten Unternehmen gearbeitet zu haben sei dabei außerordentlich hilfreich, erläuterte Goll einen weiteren Vorteil des Qualitätsmanagements im Vollzug. Mit dem Ziel, die Arbeitskraft jedes einzelnen Gefangenen zu fördern und zu erhalten, orientierten sich die vollzuglichen Arbeitsbetriebe in der Ausstattung, dem Arbeitsangebot und der Leistungserwartung an den Verhältnissen der freien Wirtschaft.

Aufgabe und Bedeutung des VAW

„Das Vollzugliche Arbeitswesen und der Justizvollzug sind modern ausgerichtet und für die Zukunft gut aufgestellt“, erklärte Goll. Das vom Strafvollzugsgesetz vorgegebene oberste Ziel des Strafvollzugs, die gesellschaftliche Wiedereingliederung des Gefangenen, gelte auch und in besonderem Maße für die Arbeitsbetriebe im Justizvollzug. Die sinnvolle Beschäftigung der Gefangenen sei für eine erfolgreiche Resozialisierung von zentraler Bedeutung. „Die Gefangenen sollen im Vollzug befähigt werden, im Anschluss an ihre Haftzeit ihr Leben künftig in sozialer Verantwortung straffrei zu führen. Das bedeutet, sie müssen in die Lage versetzt werden, ihren Lebensunterhalt mit ehrlicher Arbeit verdienen zu können. Daher sieht der baden-württembergische Vollzug traditionell in der Arbeit und Ausbildung der Gefangenen einen der wichtigsten Schwerpunkte einer zielgerichteten Resozialisierung“, erklärte Goll.

Weitere Informationen zum Vollzuglichen Arbeitswesen unter:

www.vaw-baden-wuerttemberg.de.

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