Das "Café Landes" feiert Geburtstag - 100 Jahre Gefängnis in Mannheim

Datum: 15.10.2009

Kurzbeschreibung: Goll: "Jeder resozialisierte Gefangene macht unser Land sicherer"

Die mit rund 900 Haftplätzen größte Justizvollzugsanstalt Baden-Württembergs feiert runden Geburtstag. Im Oktober vor genau 100 Jahren wurden im „Café Landes“, wie das Gefängnis vom Mannheimer Volksmund fast liebevoll genannt wird, der erste und vierte Flügel sowie das Verwaltungsgebäude in Betrieb genommen. „In Mannheim entstand eines der modernsten Gefängnisse seiner Zeit. Es war eine Vorzeigeanstalt für das In- und Ausland mit fließendem Wasser in allen Hafträumen und elektrischem Licht, einer Zentralheizung sowie Toiletten mit Wasserspülung“, gab Justizminister Prof. Dr. Ulrich Goll (FDP) am Donnerstag (15. Oktober 2009) bei der Jubiläumsfeier in Mannheim einen Einblick in Haftzustände, die vor 100 Jahren alles andere als selbstverständlich waren.

Erfolgreiche Resozialisierung wichtigstes Vollzugsziel

Stacheldraht und besondere Sicherungsvorkehrungen seien hingegen erst mit der Abschaffung der Zuchthaus- und Gefängnisstrafen und der Zusammenlegung aller Gefangenen in Justizvollzugsanstalten in den 70er Jahren eingebaut worden, bemerkte der Minister weiter. Mit Inkrafttreten des Strafvollzugsgesetzes des Bundes 1977 seien schließlich die Weichen für die Weiterentwicklung des Strafvollzugs gestellt worden. „Erstmals wurde das bis heute wichtigste Vollzugsziel der Rückfallvermeidung gesetzlich formuliert. In den 80er Jahren folgte ein Freigängerheim und zur Verbesserung des Sport- und Freizeitangebots eine Sporthalle, die bis heute auch von außerhalb genutzt werden kann“, erklärte Goll. Seit Jahren gehörten außerdem die schulische und berufliche Bildung sowie Arbeit zu den wesentlichen Elementen des Vollzugskonzepts der JVA Mannheim. „Eine solide Ausbildung erhöht die Chancen der Gefangenen auf dem Arbeitsmarkt, wenn sie nach der Haft wieder ins Berufs- und Arbeitsleben eintreten wollen“, betonte der Minister. Hinzu kämen Integrationskurse, Computerkurse, aber auch Kurse zur Alphabetisierung nebst Elementar- und Förderkurse für Gefangene mit geringem Bildungsniveau, so Goll weiter. „Wichtigstes Ziel unseres Strafvollzugs in Baden-Württemberg ist und bleibt die Resozialisierung der Gefangenen. Jeder resozialisierte Gefangene macht unser Land sicherer. Straffälligenhilfe ist also zugleich Opferschutz.“ Die bewährten Mittel lägen in einem strukturierten Tagesablauf durch die Pflicht zur Arbeit, in der Aus- oder Weiterbildung der Gefangenen, in ihrer sozialen Betreuung während der Haft, in Angeboten für eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung sowie im offenen Vollzug und in Vollzugslockerungen.

Nachsorge künftig fester Bestandteil der Vollzugsplanung

„Wir wissen aber auch, dass Gefangene, die nach ihrer Entlassung nicht wenigstens noch eine Weile betreut werden, häufiger rückfällig werden und neue Straftaten begehen. Wir wollen aber nicht, dass die in der Haft begonnenen Therapie- oder Fortbildungsbemühungen am Ende wirkungslos bleiben.“ Deshalb werde auch die Nachsorge nach der Haft künftig ein fester Bestandteil der Vollzugsplanung sein, erklärte der Minister. Der Entwurf eines eigenen Justizvollzugsgesetzbuches für Baden-Württemberg sei bereits in erster Lesung im Landtag behandelt worden. Voraussichtlich zum 1. Januar 2010 könne das Gesetz in Kraft treten. „Die Vollzugsanstalten sollen rechtzeitig und gemeinsam mit der Bewährungs- oder Straffälligenhilfe die Zeit nach der Entlassung vorbereiten und planen“, sagte Goll. Er begrüßte zudem die neusten Überlegungen, in Mannheim in Zusammenarbeit mit der Behandlungsinitiative Opferschutz eine Therapieabteilung zu eröffnen, um in der Entlassungsphase und danach Klienten therapeutisch zu behandeln. „Das wäre ein weiterer sinnvoller Beitrag für eine wirkungsvolle Nachsorge“, so Goll.

Neue Besuchsabteilung

„Der Strafvollzug muss stetig weiter entwickelt und verbessert werden. Ein moderner Justizvollzug benötigt auch eine funktionale, den Bedürfnissen angepasste Infrastruktur“, erklärte Goll. Derzeit werde im Verwaltungsflügel der JVA Mannheim eine neue Besuchsabteilung geschaffen. Bislang müssten Besuche an verschiedenen Stellen innerhalb der Anstalt, zum Teil in einer rund 30 Jahre alten Holzbaracke, abgewickelt werden. „Das ist kaum mehr zumutbar. Auch unter personalwirtschaftlichen Gesichtspunkten ist eine solche dezentrale Besuchsabwicklung nicht optimal“, sagte der Minister. Die neue zentrale Besuchsabteilung soll im Frühjahr 2010 in Betrieb genommen werden können.

Außenstelle Heidelberg wird geschlossen

Das 2007 vom Ministerrat beschlossene Haftplatzentwicklungsprogramm sieht die Schließung der zur JVA Mannheim gehörenden Außenstelle Heidelberg vor. In der Außenstelle stehen derzeit insgesamt 93 Haftplätze zur Verfügung, davon 25 für weibliche Inhaftierte. Für die Außenstelle sollen auf dem erweiterten Anstaltsgelände der JVA Mannheim zwei neue Haftplatzgebäude für den Vollzug der Untersuchungshaft und der Abschiebungshaft entstehen. „An dem Ziel, die Haftplatzsituation nicht nur in Mannheim zu entflechten und den Vollzug in Baden-Württemberg umzustrukturieren, halten wir fest. Die kleinen Vollzugsanstalten und Außenstellen sind nicht wirtschaftlich zu betreiben. Zugleich haben wir entwicklungsfähige Standorte mit einer entsprechenden Infrastruktur, die wir durch den Bau weiterer Haftplatzgebäude auf einem Gelände erweitern. Das schafft Synergien“, erläuterte der Minister. Goll dankte stellvertretend für alle Vollzugsbediensteten und Ehrenamtlichen im Vollzug dem Anstaltsleiter der JVA Mannheim, Romeo Schüssler, für sein Engagement, seine Tatkraft und Kompetenz im gemeinsamen Ziel, den gesamtgesellschaftlichen Auftrag der Resozialisierung von Gefangenen gerecht zu erfüllen.

Weitere Informationen zur JVA Mannheim unter: www.jva-mannheim.de

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