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"Warum will ich in den Knast?" - Erster landesweiter Einführungskurs für Ehrenamtliche im Strafvollzug in der Evangelischen Akademie Bad Boll - Goll: "Die ehrenamtliche Mitarbeit ist ein fester Bestandteil unseres Justizvollzugs geworden"

Datum: 16.10.2009

Kurzbeschreibung: "Manche gehen freiwillig in den Knast.

Sie engagieren sich dort als Einzelbetreuer für Gefangene, Leiter von Freizeit- und Gesprächsgruppen und als Mitglieder der Anstaltsbeiräte. Sie fungieren für die Gefangenen als Brücke nach draußen und leisten einen unverzichtbaren Beitrag zur Resozialisierung. Rund 1.200 Bürgerinnen und Bürger wirken heute als Ehrenamtliche in den Justizvollzugseinrichtungen des Landes mit. Jedes Jahr kommen bis zu 80 neue Helfer dazu“, erklärte Baden-Württembergs Justizminister Prof. Dr. Ulrich Goll (FDP) am Freitag anlässlich der Eröffnung des ersten landesweiten Einführungskurses „Warum will ich in den Knast?“ für Ehrenamtliche im Strafvollzug vom 16. bis 18. Oktober 2009 in der Evangelischen Akademie Bad Boll.

Es sei ein Ehrenamt mit langer Tradition, so Goll weiter. „Ich freue mich, heute 50 Bürgerinnen und Bürger im großen Kreis der Ehrenamtlichen begrüßen zu können, die sich seit letztem oder diesem Jahr im Justizvollzug engagieren. Seit es Gefängnisse gibt, kümmern sich Bürgerinnen und Bürger um Gefangene. Die ehrenamtliche Mitarbeit ist zu einem festen Bestandteil des Justizvollzugs geworden. Die ehrenamtlichen Helfer ermöglichen den Gefangenen einen gewissen Kontakt in die Freiheit, bringen Impulse aus der Gesellschaft in den Vollzug und fördern die Akzeptanz der vollzuglichen Arbeit in der Öffentlichkeit“, betonte der Minister den großen Stellenwert des Ehrenamts im Strafvollzug.

Vier-Säulen Modell für neues Qualitätskonzept
Das Justizministerium hat ein neues Qualitätskonzept „Bürgerschaftliches Engagement im Justizvollzug“ entwickelt. Es zielt darauf ab, die Rahmenbedingungen für die Arbeit der Ehrenamtlichen weiter zu verbessern und einheitliche Standards in allen Anstalten des Landes zu etablieren. Zudem sollen die Beteiligten, also Ministerium, Kirchen, Vereine der freien Straffälligenhilfe und Ehrenamtliche, stärker vernetzt werden. „Das Qualitätskonzept beruht auf einem Vier-Säulen-Modell. Erstens wollen wir gezielt engagierte und zuverlässige ehrenamtliche Mitarbeiter gewinnen. Zweitens sollen die Ehrenamtlichen für ihre anspruchsvollen Aufgaben qualifiziert und fortgebildet werden“, so Goll. Dazu sei bereits ein Fortbildungsverbund der Träger und Vereine gebildet worden, der in enger Abstimmung mit dem Justizministerium die Angebote für die Ehrenamtlichen organisiere und koordiniere, so auch diesen ersten Einführungskurs. „Drittens möchten wir für eine Betreuung und Begleitung auch der Helfer sorgen und dazu durch regelmäßige Treffen und Gesprächskreise den Erfahrungsaustausch mit den hauptamtlichen Ansprechpartnern fördern. Schließlich und viertens wollen wir eine lebendige Anerkennungskultur etablieren, um die Leistungen der Ehrenamtlichen angemessen würdigen zu können“, erklärte der Justizminister.

Migranten als Ehrenamtliche
Im baden-württembergischen Vollzug befinden sich derzeit rund 7.600 Gefangene aus 92 Nationen. Der Ausländeranteil beträgt knapp 33 Prozent. Viele Gefangene mit deutscher Staatsangehörigkeit haben einen Migrationshintergrund. „Mir ist es ein großes Anliegen, für diese Gefangengruppe besondere Angebote zur Eingliederung zu machen“, sagte Goll, der zugleich Integrationsbeauftragter der Landesregierung ist. Die Überwindung sprachlicher und kultureller Barrieren sei eine wichtige Voraussetzung für ein straffreies Leben. „Resozialisierung kann ohne Integration nicht gelingen. Ein gutes Beispiel ist der beste Lehrmeister. Wer sich als Migrant hier erfolgreich eine Existenz aufgebaut hat, versteht am besten, welche Schwierigkeiten die Eingliederung behindern und wie man sie ohne Straftaten lösen kann. Wir wollen deshalb verstärkt bei Migranten für die ehrenamtliche Mitarbeit bei uns werben“, sagte Goll.

Träger und Vereine des Fortbildungsverbundes sind:

- Badischer Landesverband für soziale Rechtspflege
- katholische und evangelische Gefängnisseelsorge
- der Paritätische
- Schwarzes Kreuz e.V.
- SKM katholischer Verein für soziale Dienste
- Verband der Bewährungs- und Straffälligenhilfe Württemberg

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