Justizminister Prof. Dr. Goll eröffnet die erweiterte Behandlungsabteilung in der JVA Bruchsal - Sechs neue Plätze zur Behandlung von Gewaltstraftätern

Datum: 22.11.2010

Kurzbeschreibung: Goll: "Wenn wir den Verurteilten vermitteln, Konflikte gewaltfrei zu lösen, schützen wir die Bürgerinnen und Bürgern vor neuen Straftaten"

Justizminister Prof. Dr. Ulrich Goll (FDP) eröffnete am Montag (22. November) offiziell die neue Behandlungsabteilung in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Bruchsal. In der JVA Bruchsal sind sechs neue Plätze zur Behandlung von Gewaltstraftätern geschaffen worden, die seit April 2010 die bereits seit 2004 bestehenden 16 Plätze zur Behandlung von Sexualstraftätern ergänzen. „Diese neuen Therapieplätze sind ein Beitrag zur Sicherheit der Bevölkerung im Land. Wenn wir den Verurteilten vermitteln, Konflikte gewaltfrei zu lösen, schützen wir die Bürgerinnen und Bürgern vor neuen Straftaten“, erläuterte Goll den Nutzen der neuen Abteilung. Zielgruppe der neuen Behandlungsabteilung seien vorrangig Erst-, Beziehungs- und Konflikttäter, also Täter mit weniger schwerwiegenden Gewaltproblemen, sowie Gefangene, die sich erstmals in Haft befänden.

Therapie „Behandlungsprogramm für Gewalttäter“
Das Therapiekonzept basiere auf dem in Australien entwickelten „Behandlungsprogramm für Gewalttäter“ (BPG). Neben der eigentlichen Therapie werde dabei darauf gesetzt, die Teilnehmer in einer gemeinsamen Gruppe unterzubringen, um so den Umgang mit alltäglichen Konflikten zu trainieren. Außerdem würden die Teilnehmer über Arbeitsprogramme an konstantes Arbeitsverhalten und eine geordnete Tagesstruktur gewöhnt. Ziel sei es, die Teilnehmer nach etwa zweijähriger Behandlungsdauer in den offenen Vollzug verlegen zu können.

Zusammenarbeit mit der Behandlungsinitiative Opferschutz e.V.
Bei der Einrichtung in Bruchsal handele es sich um das vierte Behandlungsprojekt, dass durch die Behandlungsinitiative Opferschutz e.V. (BIOS) angestoßen worden sei und von dieser in Zusammenarbeit mit dem Justizvollzug verwirklicht werde, sagte Goll. Weitere vergleichbare Einrichtungen existierten bereits in den Justizvollzugs¬anstalten Mannheim, Heimsheim und Heilbronn. Der Minister dankte BIOS für die hervorragende Zusammenarbeit. BIOS unterstütze das Projekt in Bruchsal finanziell dadurch, dass der Verein die Kosten für die therapeutische Betreuung durch einen Therapeuten der Forensischen Ambulanz Baden vollständig übernehme. „Die neue Behandlungsabteilung ist ein Beispiel für ein gelungenes Zusammenwirken zwischen bürgerschaftlichem Engagement und staatlichem Justizvollzug. So werden Projekte möglich, die der Strafvollzug ohne Unterstützung von außen nicht alleine bewältigen könnte“, so Goll. Die Kooperation verdeutliche zugleich, dass die Resozialisierung von Straftätern eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe sei, die nur gelingen könne, wenn sie auch außerhalb der Mauern der Vollzugsanstalten Resonanz finde.

Konsequentes Vorgehen gegen Gewaltkriminalität in Baden-Württemberg
„Gewaltkriminalität ist kein unabwendbares Schicksal, das wir als Gesellschaft tatenlos hinnehmen müssen“, sagte der Minister. Die baden-württembergische Justiz gehe seit Jahren konsequent und mit Erfolg gegen Gewalttaten vor. „Es geht darum, klare Grenzen zu ziehen. Das tut unsere Justiz mit der nötigen Entschiedenheit“, so Goll. Dies zeige sich daran, dass die Verurteilungsquote, also die Zahl der Personen, die wegen Gewalttaten verurteilt werde, bei diesen Delikten ständig steige. „Das bedeutet aber gerade nicht, dass die Zahl der Gewaltdelikte ständig zunimmt. Es zeigt vielmehr, dass Bevölkerung, Polizei und Justiz bei Gewaltdelikten genauer hinschauen, die Taten konsequent zur Anzeige bringen und streng ahnden“, sagte der Minister. Baden-Württemberg habe bundesweit eine der höchsten Aufklärungsquoten bei Gewaltdelikten. Gleichzeitig sei das statistische Risiko, Opfer einer Gewalttat zu werden, im bundesweiten Vergleich sehr gering.

Prävention als Teil eines Gesamtkonzepts
Goll hob hervor, dass es mit der Bestrafung von Gewalttätern allein nicht getan sei. „Genauso wichtig ist es, ein tragfähiges Präventionskonzept zu haben. Und die beste Prävention ist es, den Tätern dabei zu helfen, nicht rückfällig zu werden“, sagte der Minister. Der Justizvollzug in Baden-Württemberg habe deshalb mittlerweile ein umfassendes Konzept für den Umgang mit verurteilten Gewalttätern. Es gebe im Land inzwischen rund 370 sozialtherapeutische oder sozialtherapeutisch orientierte Haftplätze, die ein großes Spektrum an Therapien abdeckten. „Unser Ziel ist es, im Vollzug jedem behandlungsbedürftigen Gefangenen die passende Therapie anzubieten. Auf dem Weg dahin sind wir bereits sehr weit gekommen. Die neue Behandlungsabteilung in Bruchsal ist ein weiterer großer Schritt in diese Richtung“, sagte Goll.

Bei der Feierstunde aus Anlass der Einweihung der neuen Behandlungsabteilung hielt neben dem Justizminister auch der 1. Vorsitzende von BIOS, Richter am Oberlandesgericht Klaus Böhm, ein Grußwort.


Nils Meppen
Pressesprecher


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Zur JVA Bruchsal
Die Anstalt in Bruchsal wurde im badischen Revolutionsjahr 1848 nach dem Vorbild der Eastern State Penitentiary in Philadelphia erbaut. Eine besondere architektonische Leistung ist die 1989 renovierte Anstaltskirche in der Kuppel des Zentralbaus. Zur Anstalt gehört neben der Hauptanstalt auch eine Außenstelle in Kislau. Das Gesamtgelände der Hauptanstalt ist 10 ha groß. Im Jahr 2009 war die Anstalt mit durchschnittlich 614 Gefangenen belegt. Die Anstalt verfügt über ca. 320 Personalstellen verschiedener Laufbahnen. Hinzu kommen zahlreiche nebenamtliche und ehrenamtliche Mitarbeiter.

Zur Behandlungs-Initiative Opferschutz e.V.
Informationen Behandlungs-Initiative Opferschutz e.V. (BIOS) finden Sie im Internet unter bios-bw.de.

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