Resozialisierungsfonds Dr. Traugott Bender gewährt entlassenen Straftätern für den Start in ein ehrliches Leben Darlehen für die Regulierung ihrer Schulden

Datum: 01.04.2010

Kurzbeschreibung: Goll: "Das ist konkreter Opferschutz. Mit 460.000 Euro konnten im Jahr 2009 Forderungen in Höhe von 2,15 Mio. Euro abgelöst werden. Die Sanierung von Schulden ist ein sehr entscheidender Beitrag zu einer erfolgreichen Resozialisierung eines Straffälligen"

„Würden alle Straftäter nach der Haft ein ehrliches Leben beginnen, wäre dem Opferschutz am meisten geholfen. Wer entlassen wird, hat aber oft noch keine Arbeit und wenig Geld, dafür aber erhebliche Schulden. Kreditwürdig sind die wenigsten. Die legale Geldbeschaffung ist also ein Problem, neue Straftaten drohen. Diesen Teufelskreis wollen wir so gut es geht durchbrechen“, erklärte Baden-Württembergs Justizminister Prof. Dr. Ulrich Goll (FDP) am Donnerstag (1. April 2010) in Stuttgart.

Um entlassene Straftäter aus Baden-Württemberg in dieser Situation von weiteren Straftaten abzuhalten, gewährt ihnen der 1974 gegründete ´Resozialisierungsfonds Dr. Traugott Bender´ zinslose Darlehen für einen schuldenfreien Neuanfang. Laufende Kosten wie Miete oder Kleidung dürften von dem geliehenen Geld nicht beglichen werden. „Die Kredite müssen ausschließlich zur Schuldentilgung eingesetzt werden und sind binnen fünf Jahren in Raten zurückzubezahlen. Das funktioniert sehr gut“, erklärte der Minister.

Auch im Jahr 2009 erneut hohe Sanierungsquote
Im Jahr 2009 habe der Resozialisierungsfonds Dr. Traugott Bender 162 Darlehen mit einem Volumen von knapp 460.000 Euro bewilligt. Mit dieser Darlehenssumme hätten 894 Gläubigerforderungen in Höhe von rund 2,15 Mio. Euro abgelöst werden können. Dank der Darlehenshilfe hätten die Gläubiger im Durchschnitt immerhin mehr als ein Fünftel ihrer Ausgangsforderungen gegenüber ehemaligen Gefangenen realisieren können, teilte Goll mit. „Die Sanierungsquote liegt nun schon das dritte Jahr in Folge bei hervorragenden 21,43 Prozent. Davon kann man in einem Insolvenzverfahren nur träumen. Dort gehen die Gläubiger meist ganz leer aus“, erklärte der Minister. Die Stiftung bemühe sich um einen best möglichen Interessenausgleich zwischen dem Schuldner und den Gläubigern, führe mit den Gläubigern Vergleichsverhandlungen, schließe außergerichtliche Vergleiche und zahle den Vergleichsbetrag direkt an den Gläubiger. Für den Gläubiger lohne sich - neben der vergleichsweise hohen Sanierungsquote - die Zusammenarbeit mit der Stiftung auch deshalb, weil etwaige erfolglose Beitreibungsversuche und die damit verbundenen Mehrkosten entfielen, bemerkte der Justizminister. In Fällen, in denen ein gerichtlich festgestellter Schmerzensgeldanspruch bestehe, sorge die Stiftung in der Regel sogar für die möglichst ungekürzte Erfüllung des Anspruchs. „Auch das ist konkreter Opferschutz“, so Goll.

Überblick über die Darlehensgewährung und -tilgung seit 1974
„Seit ihrem über 35-jährigen Bestehen hat die Stiftung Resozialisierungsfonds Dr. Traugott Bender Darlehen im Gesamtvolumen von über 21,5 Millionen Euro zur Schuldentilgung ausgezahlt. Davon waren am 31. Dezember 2009 rund 18,7 Millionen Euro (entspricht 86,6 Prozent) wieder an die Stiftung zurückgeflossen. Mit Hilfe dieser finanziellen Mittel konnten bis zum Stichtag 31. Dezember 2009 insgesamt 21.222 Gläubigerforderungen in Höhe von zusammen 92,3 Mio. Euro abgelöst werden. Das entspricht einer Gesamtsanierungsquote von 23,31 Prozent. Durchschnittlich erhielt jeder Darlehensnehmer 6.208 Euro. Die einzelne Schuldenlast eines Entlassenen lag vor der Sanierung im Schnitt bei 26.629 Euro“, so Goll.

Rückzahlung erfolgt überwiegend pünktlich
Der Minister betonte, dass die Stiftung Resozialisierungsfonds Dr. Traugott Bender durch ihre beispielhafte und erfolgreiche Sanierungspraxis bundesweit einen ausgezeichneten Ruf genieße. Durch das große Engagement von haupt- und ehrenamtlichen Bewährungshelfern sei das Rückzahlungsverhalten der Darlehens-Empfänger im Allgemeinen gut. Für viele Straffällige sei es eine völlig neue Erfahrung, dass ihnen durch die Darlehensgewährung Vertrauen entgegengebracht werde. Der Vertrauensvorschuss führe dazu, dass der überwiegende Teil der Darlehensnehmer die vereinbarten Tilgungsraten pünktlich zahle und die Tilgung des Darlehens trotz geringer Einkommen Vorrang habe. Ernsthafte Schwierigkeiten bei der Tilgung würden meist dann auftreten, wenn der Arbeitsplatz verloren gehe. Dann müssten die Raten ermäßigt oder vorübergehend gestundet werden. Die Mehrzahl nutzte jedoch die Chance zu einem Neuanfang in wirtschaftlich geordneten Verhältnissen. „Das motiviert zu dauerhafter Ehrlichkeit und dient der Wiedereingliederung in die Gesellschaft“, sagte Goll. Häufig gelinge es durch die Darlehen auch, den unschuldig in finanzielle Not geratenen Ehegatten und Kindern der Straffälligen zu helfen, die drohende Mittellosigkeit der Familie und die damit verbundenen sozialen Folgen abzuwenden. „Die Stiftung leistet mit ihrer Arbeit nicht nur einen deutlichen Beitrag zur Vermeidung von Rückfallkriminalität. Ohne die Hilfen durch den Resozialisierungsfonds wäre auch die Wiedergutmachung der durch die Straftaten eingetretenen Schäden in vielen Fällen nicht möglich“, betonte Goll.


Weitere Infos zum Resozialisierungsfonds Dr. Traugott Bender:

Dr. Traugott Bender war Justizminister in Baden-Württemberg von 1972-1977. Die 1974 nach seinem Namen gegründete Stiftung gewährt Straffälligen im Rahmen individueller Sanierungskonzepte zinslose Darlehen, um ihnen einen schuldenfreien Neuanfang in geordneten wirtschaftlichen Verhältnissen und damit eine Wiedereingliederung in die Gesellschaft zu ermöglichen.

Der Resozialisierungsfonds unterstützt hauptsächlich die Personen, denen angesichts ihrer hohen Verschuldung und ihres Lebenslaufes keine anderweitigen Möglichkeiten der Kreditaufnahme zur Schuldensanierung zur Verfügung stehen. Für den laufenden Lebensbedarf nach der Entlassung aus der Haft (z.B. für Miete, Kleidung, Neuanschaffung von Möbeln) und für erst künftig entstehende Verbindlichkeiten (z.B. zur Gründung einer selbstständigen Existenz, Kosten für Führerscheinerwerb) werden die Darlehen nicht gewährt.

Ein wesentlicher Bestandteil der Finanzierung der Stiftungsaufgaben sind die Einnahmen aus zugewiesenen Geldauflagen durch die Justiz.

 Siehe auch im Internet unter: www.resofonds-bw.de

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