Ministerrat beschließt Leitbild "Vielfalt als Ressource - Wege zur interkulturellen Öffnung der Landesverwaltung"

Datum: 22.03.2011

Kurzbeschreibung: Goll: "Stärkung der interkulturellen Kompetenz der Landesbediensteten - auch Migrantinnen und Migranten sind in der Landesverwaltung willkommen: Mit dem Leitbild setzt die Landesregierung ein wichtiges integrationspolitisches Signal"

In seiner heutigen Sitzung (22. März) hat der Ministerrat auf Initiative des Justizministers und Integrationsbeauftragten der Landesregierung, Prof. Dr. Ulrich Goll (FDP), das Leitbild „Vielfalt als Ressource – Wege zur interkulturellen Öffnung der Landesverwaltung“ beschlossen.

„Dieses Leitbild soll den Prozess der interkulturellen Öffnung der Landesverwaltung vertiefen und weiter voranbringen“, erläuterte der Integrationsbeauftragte. Das Leitbild enthält nach Golls Worten einen „Fahrplan“ für die interkulturelle Öffnung und konkrete Hilfestellungen vor allem für die Personal- und Organisationsentwicklung, die Öffentlichkeitsarbeit sowie den Bereich Qualitätsmanagement und Evaluation. Das vorliegende Leitbild ziele darauf ab, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Landesverwaltung und hier insbesondere den Personalverantwortlichen Informationen und praktische Tipps zu geben, damit diese die Anforderungen, die sich aus einer ethnisch und kulturell vielfältigen Gesellschaft ergeben, angemessen bewältigen und vorhandene Kompetenzen vertiefen können.

Neben der Förderung der interkulturellen Kompetenz von Landesbediensteten zielt das Leitbild darauf, verstärkt Migrantinnen und Migranten für die Arbeit in der Landesverwaltung zu werben. „Die kulturelle Vielfalt unseres Landes spiegelt sich noch zu selten in der Landesverwaltung und allgemein im öffentlichen Dienst wider. Mit dem Leitbild setzt die Landesregierung daher auch ein wichtiges integrationspolitisches Signal. Wir wollen noch stärker als bisher deutlich machen, dass es im Interesse der öffentlichen Verwaltung ist, fachlich geeignetes Personal mit Migrationshintergrund zu gewinnen, insbesondere im Hinblick auf dessen Mehrsprachigkeit und der Kenntnis kultureller Besonderheiten“, betonte Goll. Ziel müsse es sein, dass sich alle Einwohnerinnen und Einwohner in Baden-Württemberg mit den Institutionen des Landes identifizieren können und sich vertreten und anerkannt fühlen.

Hier könne man auch von den Erfahrungen der Wirtschaft profitieren, in der „Diversity Management“ schon länger zu einer modernen und nachhaltigen Unternehmensführung gehöre.

Der Minister machte dabei deutlich, dass die Landesverwaltung in diesem Bereich nicht bei null anfange, wie die Werbung von Lehrinnen und Lehrern mit Migrationshintergrund oder der Dialog zwischen der Polizei und Moscheevereinen zeigen würden. „Die Landesverwaltung sieht sich bereits länger in der Verantwortung, die kulturelle Vielfalt der Bevölkerung in ihrem Personal widerzuspiegeln. Landesbedienstete mit Migrationshintergrund verdeutlichen diese gesellschaftliche Realität und können für andere Migrantinnen und Migranten eine Multiplikatoren- und Vorbildfunktion einnehmen“, so der FDP-Politiker.

Der Ministerrat hat außerdem beschlossen, dass die Ressorts im Rahmen ihrer jeweiligen fachlichen Zuständigkeiten prüfen werden, ob in bestehenden Ausbildungsvorschriften das Thema interkulturelle Kompetenz ausreichend berücksichtigt ist. In einem zweiten Schritt sollen die Ausbildungsvorschriften erforderlichenfalls um Module zur Förderung der interkulturellen Kompetenz ergänzt werden. Die Hochschulen werden gebeten, bei den Curricula ihrer Studiengänge entsprechend zu verfahren.


Hintergrund: Ein Auszug aus dem Leitbild „Vielfalt als Ressource – Wege zur interkulturellen Öffnung der Landesverwaltung“

„Unter der interkulturellen Öffnung der Verwaltung versteht die Landesregierung die Ausrichtung von Institutionen auf die Anforderungen unserer ethnisch und kulturell vielfältigen Gesellschaft. Die grundsätzliche Wertschätzung von Vielfalt als eine Ressource ist hierbei eine Prämisse.

Die interkulturelle Öffnung ist ein kontinuierlicher und zielgerichteter Veränderungs- und Entwicklungsprozess, der alle Bediensteten sowie insgesamt alle Ressorts und nachgeordneten Bereiche der Landesverwaltung umfasst. Dementsprechend ist die interkulturelle Öffnung der Landesverwaltung als eine Querschnittsaufgabe zu verstehen, die alle betrifft. Als Teil der allgemeinen Personal- und Organisationsentwicklung ist sie nicht etwa als soziale Zusatzmaßnahme zu betrachten, sondern als bedeutendes und zwangsläufiges integratives Element einer Fortentwicklung der Verwaltung.

(…) Gerade in der öffentlichen Verwaltung ist interkulturelle Kompetenz erforderlich, um komplexen Verflechtungen sprachlicher, kultureller, rechtlicher und teilweise religiöser Einflussfaktoren in der Verwaltungshandlung zu begegnen. Dabei werden an die Beteiligten hohe Anforderungen gestellt. Interkulturelle Kompetenz ermöglicht einen bürgernahen und individuellen Service, verringert Konflikte, sichert die Qualität der Dienstleistungskultur und erhöht damit die öffentliche Anerkennung der jeweiligen Institution.“


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