Jeweils 290.000 Euro stehen 2013 und 2014 für das Nachsorgeprojekt Chance zur Verfügung

Datum: 01.03.2013

Kurzbeschreibung: Justizminister Rainer Stickelberger: ,,Das Projekt leistet praktische Hilfe auf dem Weg aus dem Gefängnis in einen straffreien Alltag''

Die Finanzierung für das Nachsorgeprojekt Chance ist verstetigt worden: Nachdem das Projekt zur Unterstützung entlassener Straftäterinnen und Straftäter seit dessen Gründung 2005 mit Mitteln aus der Baden-Württemberg Stiftung finanziert worden war, stehen in diesem und im kommenden Jahr jeweils 290.000 Euro aus dem Landeshaushalt zur Verfügung. „Das Nachsorgeprojekt Chance leistet einen wertvollen Beitrag zur Resozialisierung von Straftäterinnen und Straftätern“, sagte Justizminister Rainer Stickelberger am Freitag (1. März 2013) in Stuttgart: „Ich bin froh, dass wir aus der Haft Entlassenen in Baden-Württemberg weiterhin diese ganz praktische Hilfe auf dem Weg aus dem Gefängnis in einen straffreien Alltag anbieten können.“

Ziel des Nachsorgeprojekts Chance ist es, Strafentlassene, die nicht durch die Bewährungshilfe betreut werden, in ihrem Leben in Freiheit zu unterstützen. Für einen Zeitraum von drei bis sechs Monaten werden sie auf eigenen Wunsch hin begleitet, beispielsweise bei der Wohnungs- und Arbeitssuche. Außerdem stehen ihnen die Betreuerinnen und Betreuer in Bereichen wie der schulischen Bildung, der Schuldentilgung, der Gesundheit oder auch der Familienhilfe zur Seite. Träger des Nachsorgeprojekts ist der Verein Projekt Chance e.V.

Dessen Vorsitzender, der frühere Justizminister Prof. Dr. Ulrich Goll, wies darauf hin, dass dank der Finanzierung aus Haushaltsmitteln eine Ausweitung des Be-treuungsangebots möglich wurde: „Ab sofort können Haftentlassene unabhängig von ihrem Alter unterstützt werden.“ Bislang habe eine Altersgrenze von 40 Jahren gegolten. „Die demografische Entwicklung bringt es mit sich, dass es mehr und mehr ältere Gefangene gibt. Dieser Entwicklung tragen wir nun Rechnung.“

Die Kontinuität in der Betreuung der Projektteilnehmer ist für Oliver Kaiser vom Netzwerk Straffälligenhilfe in Baden-Württemberg ein wesentlicher Aspekt für das Gelingen der Nachsorge. Er berichtete, dass Straffällige bereits in der Haft den späteren Betreuer oder die spätere Betreuerin kennenlernen würden. „Das gibt ihnen das sichere Gefühl, in der Zeit nach der Entlassung eine feste Anlaufstation zu haben“, sagte Kaiser.


Weitere Informationen:
Das Nachsorgeprojekt Chance wurde im Herbst 2005 ins Leben gerufen. Seit der Gründung bis Ende vorigen Jahres wurden insgesamt 2045 Inhaftierte über das Projekt informiert, 1162 davon nahmen das Angebot einer Betreuung an. 90 Prozent der Teilnehmer sind männlich.

Das Nachsorgeprojekt kann in Baden-Württemberg flächendeckend in Anspruch genommen werden. Für die Umsetzung vor Ort sorgt das Netzwerk Straffälligenhilfe in Baden-Württemberg, ein Zusammenschluss aus dem Badischen Landesverband für soziale Rechtspflege, dem Verband der Bewährungs- und Straffälligenhilfe Württemberg e.V. und dem Paritätischen Wohlfahrtsverband.

In den ersten Jahren des Bestehens wurde das Nachsorgeprojekt von der Baden-Württemberg Stiftung finanziert. Bis Ende 2010 standen 500.000 Euro zur Verfügung, über zwei weitere Jahre hinweg erfolgte eine Zwischenfinanzierung (220.000 Euro pro Jahr). 2013 ist das erste Jahr, in dem das Nachsorgeprojekt über den Landeshaushalt finanziert wird.

Das Nachsorgeprojekt Chance ist eines von drei Projekten unter dem Dach des Vereins Projekt Chance e.V.. Daneben gibt es noch das Jugendprojekt, bei dem es um den Jugendstrafvollzug in freier Form geht, sowie das Eltern-Kind-Projekt, bei dem vor allem die Kinder inhaftierter Eltern im Fokus stehen.

Mehr über den Verein Projekt Chance e.V. und die einzelnen Projekte gibt es im Internet: www.projekt-chance.de .

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