Integrationsministerium und Justizministerium starten Ausbildungsprojekt zur islamischen Gefangenenseelsorge

Datum: 01.02.2016

Kurzbeschreibung: Ministerin Öney: „Seelsorge für muslimische Gefangene kann Persönlichkeitsentwicklung stärken und Radikalisierung vorbeugen“ - Minister Stickelberger: „Land setzt auf eine sorgfältige Auswahl der islamischen Seelsorger“

Das Integrationsministerium und das Justizministerium haben gemeinsam ein Projekt zur Ausbildung islamischer Gefangenenseelsorgerinnen und -seelsorger auf den Weg gebracht. Damit soll mittelfristig in allen Justizvollzugsanstalten von Baden-Württemberg eine qualifizierte Seelsorge für muslimische Gefangene sichergestellt werden.

 

„Wir können künftig Gefangenen, die sich zum Islam bekennen, eine Ansprechperson zur Seite stellen, die Hilfe und Begleitung in einer schwierigen Lebenssituation geben kann“, so Integrationsministerin Bilkay Öney und Justizminister Rainer Stickelberger heute (01. Februar 2016). Die Minister sind sich einig, dass die Vermittlung eines gewaltfrei gelebten Glaubens zur gesellschaftlichen Orientierung und zur Sozialisierung der Gefangenen beiträgt. Die islamische Gefangenenseelsorge könne die Persönlichkeitsentwicklung stärken und der Gefahr von Radikalisierungen - insbesondere junger muslimischer Gefangener - während der Haftzeit vorbeugen.

 

„Beim Runden Tisch Islam haben wir über eine möglichst flächendeckende Seelsorge für Gefangene muslimischen Glaubens diskutiert. Jetzt geht es um die Umsetzung in der Praxis“, erklärte Öney. Es ist vorgesehen, 25 Frauen und Männer, die bereits aktiv in der Krankenhausseelsorge tätig sind und somit über seelsorgerische Qualifikationen verfügen, als Gefangenenseelsorgerinnen und -seelsorger fortzubilden.

 

„Durch eine sorgfältige Auswahl der islamischen Seelsorger verhindern wir, dass radikale Prediger Zugang zu den Justizvollzugsanstalten bekommen. Nur wer unsere Werte und rechtsstaatlichen Grundsätze uneingeschränkt teilt, kommt für die Ausbildung in Betracht“, sagte Justizminister Stickelberger.

 

Die Ausbildung für die angehenden Gefangenenseelsorgerinnen und -seelsorger umfasst 145 Stunden bzw. 16 Tage Unterricht an acht Wochenenden zwischen Januar und Juli 2016. Daran schließt sich eine Hospitation in ausgewählten Justizvollzugsanstalten an. Zur Sicherstellung einer fundierten Qualifizierung sind im Projekt zusätzliche Arbeitstreffen und Supervisionen vorgesehen.

 

Zur Zahl der muslimischen Häftlinge in baden-württembergischen Gefängnissen sagte Stickelberger: „Zur Zeit befinden sich etwa 1.500 Gefangene muslimischen Glaubens in baden-württembergischen Justizvollzugsanstalten.“ Teilweise seien dort bereits heute islamische Seelsorgende tätig, daneben erfolge die Betreuung durch christliche Seelsorger. „Die Pfarrer, Priester und Diakone in unseren Justizvollzugsanstalten verstehen sich als Ansprechpartner aller Gefangenen, ungeachtet der Religionszugehörigkeit. Mit der neuen Ausbildung können wir nun aber unser seelsorgerisches Angebot sinnvoll ausbauen“, so Stickelberger.

 

Hintergrundinformationen:

Baden-Württemberg verfügt über 17 Justizvollzugsanstalten, ein Justizvollzugskrankenhaus und eine sozialtherapeutische Anstalt. Zum 31. Dezember 2015

waren diese mit rund 6.500 Gefangenen belegt.



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